Choreografin Belaza zeigt Arbeiten im Zeichen der Weiblichkeit

Hypnotisierender Tanz

Samstag, 18. Juli 2015 | 18:55 Uhr

Bozen – Die zweite Festivalwoche eröffnet Tanz Bozen mit der französisch-algerischen Choreografin Nacera Belaza. Sie schafft minimalistische Choreografien, in denen tiefere Bedeutungen entdeckt und entschlüsselt werden sollen. Mit virtuosen, präzisen Bewegungsmustern dringt die Choreografin zum Wesentlichen vor. Am 21. Juli (21.00 Uhr) werden zwei ihrer poetischen Arbeiten Le Cri und La Traversée im Stadttheater Bozen aufgeführt.

Nacera Belaza wurde in Algerien geboren. Im Alter von fünf Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Frankreich. Erst nach dem Studium der französischen Literaturwissenschaft widmete sie sich dem Tanz und gründete 1989 ihre eigene Tanzkompanie in Paris. Anerkennung erhält Belaza durch das Duett Le Cri (2007), das sie mit ihrer Schwester tanzt. Außerdem präsentiert sie die italienische Erstaufführung ihres jüngsten Werkes für drei Tänzerinnen, bei dem sie erstmals nicht mit auf der Bühne stehen wird: La Traversée, kreiert für die Biennale de la Danse de Lyon 2014.

Nacera Belaza schafft Aufführungen, in denen tiefere Bedeutungen entdeckt und entschlüsselt werden sollen. Ihre Choreografien bauen ausschließlich auf die Tänzerinnen und Tänzer auf und benötigen kein Bühnenbild. Einzig der Körper wird zum Vermittler und Träger von Bedeutungen: Er beherrscht den Raum, füllt die Leere, überwindet Dunkelheit, übertönt Klang und Stille. All dies in Einklang mit der inneren Haltung.

Der präzise und strenge Tanz von Nacera Belaza vermittelt ein Gefühl des Schwebens, des sich Hinwendens zu geheimnisvollen Kräften, in einen Zustand des „Halbbewusstseins“.

Belaza versucht mit ihrem choreografischen Stil kulturelle Unterschiede zu überwindet,  diese in der Gleichheit der tanzenden Körper zu sublimieren, in Körper, die bei Bewusstsein die Kontrolle verlieren. „Ich suche keinen Trancezustand, das Bewusstsein in meinen Aufführungen ist stets vorhanden. Mich interessiert die Verknüpfung des Geistes mit dem Körper, ähnlich den Derwischen, die durch Drehbewegungen den Bewusstseinszustand verändern und dadurch einen Zustand des Loslassens bewirken. In meiner Arbeit ist der Körper von einem inneren Hauch bewohnt, der den Eindruck vermittelt, als würde der Körper in alle Richtungen gleichzeitig streben und expandieren. Es gibt Menschen, die behaupten, in der Wüste gäbe es nichts zu sehen. Ich meine, dass sich die Welt in zwei Menschentypen unterteilen lässt: Die einen sehen Dinge in der Leere, die andere sehen nichts. Ähnliches passiert beim Betrachten des Meeres, das ein Anlass sein kann, um mit der inneren Welt in Kontakt zu treten. Mich interessiert ein kathartischer Zustand, um die Körperlichkeit zu überwinden, ist dies doch der einzige Weg, um Imaginäres entstehen zu lassen. Laut Sokrates sind der Tod die Loslösung der Seele vom Körper und die Philosophie der Weg, das Sterben zu lernen. In gewisser Hinsicht helfen mir meine Choreografien, das Sterben zu lernen.“

Das Festival Tanz Bozen engagiert sich seit jeher für Inklusion und setzt es sich zum Ziel, allen den Zugang zu Kultur und Tanz zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit dem Verein Donne Nissà wird daher ein Tanzworkshop für ausländische Frauen organisiert. Den Workshop leitet die Tänzerin und Schwester von Nacera Belaza, Dalila Belaza. Thema des Workshops ist die „Suche nach der Bewegung in uns selbst, eine unkontrollierte Bewegung ohne jegliche Anstrengung, eine freie Bewegung.“

Stadttheater Bozen, Probensaal am 18. und 19. Juli von 14.00 bis 18.00 Uhr.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen