Fund aus Pfahlbau im Kanton Zug stammte ebenso aus der südlichen Toskana

In der Schweiz gefundenes Jungsteinzeit-Kupferbeil ähnelt Ötzis Beil

Dienstag, 03. Oktober 2017 | 11:25 Uhr

Eine im Jahr 2008 in der Schweizer Pfahlbaufundstelle Riedmatt entdeckte 5.000 Jahre alte Kupferbeil-Klinge ähnelt in Form und Verarbeitung dem Beil der Gletschermumie Ötzi. Experten der Zuger Archäologie und der Universität Bern erstellten eine Art chemischen Fingerabdruck der Klinge. Demnach stammte sie ebenso wie Ötzis Beil aus der südlichen Toskana, teilte der Kanton Zug am Dienstag mit.

Res Eichenberger

Die Untersuchung der chemischen Zusammensetzung sowie des Verhältnisses der Bleiisotope habe für beide Klingen deckungsgleiche Fingerabdrücke ergeben, hieß es. Dies weise darauf hin, dass die beiden Klingen bezüglich Datierung, Herkunft und Werkstatttradition in einen vergleichbaren Rahmen fallen und sich im erzreichen Gebiet um Campiglia Marittima und der Colline metallifere in der Toskana verorten lassen.

Die Verwendung von Kupfer nördlich der Alpen wurde vor 5.000 Jahren demnach stark durch Impulse aus dem Süden geprägt, so die Schlussfolgerung der Untersuchung. Die kulturellen Verbindungen in den Süden und die Verteilungsnetze von Kupfer seien bisher unterbewertet worden, meinen die Experten.

Das Zuger Kupferbeil wurde vor mehr als 5.000 Jahren vermutlich als Opfergabe im Wasser deponiert. Es gehört zu den wenigen sicher datierten jungsteinzeitlichen Kupferbeilen in Europa. Der Pfahlbau Riedmatt wurde 2011 zusammen mit 110 weiteren solcher Fundstellen im Alpenraum zum UNESCO-Welterbe erklärt.

Vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis etwa 1750 v. Chr. herrschte im Alpenraum ein vergleichsweise mildes Klima. Die Gletscher zogen sich zeitweise zurück, so dass Menschen Hochgebirgspässe im Sommer überqueren konnten. Die berühmte Gletscherleiche Ötzi, die 1991 in den Ötztaler Alpen in Südtirol gefunden wurde, ist mehr als 5.200 Jahre alt.

Von: sda

Bezirk: Bozen