Tagung

Internationale Tagung zu Burgkapellen in Brixen

Donnerstag, 03. September 2015 | 16:51 Uhr

Brixen – Burgkapellen aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet stehen im Mittelpunkt der internationalen Tagung, die das Südtiroler Landesarchiv vom 2. bis zum 5. September in der Hofburg in Brixen organisiert. Landesrat Florian Mussner hat die Tagung am 2. September eröffnet. Mussner verwies dabei auf die wichtige Arbeit des Landesarchivs, Geschichtswissen aufzuarbeiten und zu erhalten.

Burgkapellen stehen gewöhnlich etwas im Schatten der ansonsten blühenden Burgenforschung und werden eher unter dem kunsthistorischen Aspekt berücksichtigt. Durch die vom Südtiroler Landesarchiv ausgerichtete internationale Tagung zu den Burgkapellen, soll sich dies nun ändern. Bei der Tagung nehmen die Historiker nämlich die Burgkapelle multiperspektivisch in den Fokus, und zwar vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit.

Professor Kurt Andermann (Karlruhe/Freiburg im Breisgau) verwies bei seinem Festvortrag auf die Bauweisen der Burgkapellen vom einfachen Hergottswinkel über den eigenen Raum bis hin zum eigenen Bauwerk. Auf Schloss Tirol habe die Kapelle beispielsweise nicht bloß eine bescheidene Apsis, sondern einem veritablen, außen weithin sichtbaren Chor und sei Teil des Palas, unmittelbar neben dem großen Saal, von dem aus man sie durch das Erlösungsportal betrete, so Andermann. Außerdem werde die Burgkapelle von Schloss Tirol durch eine umlaufende Holzempore zur Doppelkapelle und somit zu einer klassischen Herrschaftskirche, erklärte der Historiker.

Längst nicht alle Kapellen seien, wie oft angenommen, dem Heiligen Georg geweiht, so Andermann, vielmehr sei „praktisch der ganze Heiligen-Himmel" vertreten. Was die Funktionen anbelangt, so sei es eher die Ausnahme gewesen, dass in den Burgkapellen regulär oder gar regelmäßig Gottesdienst gefeiert wurde; eher hätten die Kapellen der privaten, ganz persönlichen Andacht gedient, aber auch immer wieder der liturgischen Zelebration und Begleitung besonderer Anlässe im Leben der Burgherrschaft, erläuterte Andermann. Selbstverständlich sind die Kapellen laut Andermann zur Verwahrung von Reliquien oder sonstigen Heiligtümern im Besitz der Herrschaft genutzt worden und waren auch Ziele von Wallfahrten. Die zentrale Funktion der Burgkapelle war es wohl ein Ort der Begegnung mit Gott und den Heiligen zu sein, so der Historiker.

Landesrat Mussner bezeichnete die Burgkapellen als besondere Kulturgüter und wichtige Bestandteile der vielen Burgen und Schlösser in Südtirol, die die Herzen der Burgbesucher immer wieder berühren. In der heutigen schnelllebigen Zeit könnten die Burgkapellen zu einem Moment des Innehaltens anregen, so der Landesrat.

Mussner hob auch die wichtige historische Forschungsarbeit hervor, die das Südtiroler Landesarchiv leiste, das mit dieser Tagung und anderen Tagungen und Veröffentlichungen seinem Forschungsauftrag neben der alltäglichen Arbeit sehr gewissenhaft nachkomme. Es sei zudem begrüßenswert, dass die Ergebnisse der Tagung in den Veröffentlichungen des Landesarchivs festgeschrieben würden und so auch in Zukunft für Interessierte einsehbar seien, unterstrich Mussner.
Die Tagung „Burgkapellen: Formen, Funktionen, Fragen" läuft noch bis zum 5. September und behandelt Grundfragen der Rechts-, Verfassungs-, Sozial- und Frömmigkeitsgeschichte ebenso wie Patrozinien, Fragen der Sachkultur, der künstlerischen Ausstattung, der Topographie sowie die Rolle und Funktion von Burgkaplänen. Ein Schwerpunkt der Tagung liegt auf dem Alttiroler Raum. Vergleichend und kontrastierend dazu befassen sich einzelne Referate aber auch mit Burgkapellen in Friaul und Veneto, im süddeutschen Raum, in Donauösterreich und Südböhmen, England, Burgund, Norddeutschland und Dänemark. Konkretisiert werden die so gewonnenen Eindrücke mit einer abschließenden Exkursion zur alten und zur neuen Burgkapelle von Rodenegg und zum Altarerker auf Burg Reifenstein.

Von: ©lpa

Bezirk: Eisacktal