81-Jähriger spielte zeitlose Klassiker

Jazz Fest Wien: Countryveteran Kristofferson zum Auftakt

Samstag, 16. Juni 2018 | 10:30 Uhr

Der 81-jährige Countryveteran Kris Kristofferson hat am Freitag in der Halle F der Wiener Stadthalle gastiert und das Publikum mit seinen zumeist melancholischen Songs tief berührt. Andächtig lauschten die eher älteren Besucher den zeitlosen Klassikern des texanischen Musikers, die die Hektik des Alltags völlig vergessen machten. Das gut besuchte Konzert war der Auftakt für das 28. Jazz Fest Wien.

Der ehemalige Ranger, Schauspieler und Hubschrauberpilot wurde von den “Strangers” (Scott Joss an der Fiedel, Jeff Ingraham am Schlagzeug und Doug Colosio an den Keyboards) begleitet. Kristofferson lieferte ohne Vorband einen Überblick seines Schaffens und gab von Frühwerken aus den 1970ern, wie “Loving Her Was Easier”, bis hin zum Titeltrack seines letzten Studioalbums “Feeling Mortal” von 2013 ganze 29 Songs zum Besten. Violinist Scott Joss unterstrich sowohl die Melancholie als auch die Heiterkeit der Lieder. Stimmlich konnte das Urgestein während des knapp zweistündigen Konzerts noch immer mit seinem rauchig-weichen Gesang überzeugen, wenngleich schnellere Nummern, wie Merle Haggards “Stay Here And Drink” eher von den Bandmitgliedern gesungen wurden.

Seine Klassiker sang der dreifache Grammypreisträger freilich selbst: “Me and Bobby McGee”, mit dem Janis Joplin einst großen Erfolg hatte, wurde vom Publikum besonders gefeiert. Auch für die Hits “Best Of All Possible Worlds”, “Help Me Make It Through The Night” und “Sunday Morning Coming Down” applaudierten die Zuschauer begeistert, wenngleich sie während der Lieder eher zurückhaltend bleiben. Man ließ sich stattdessen bezaubern, einige nickten leicht im Takt mit und flüsterten den Text beinahe wie ein Gebet vor sich hin. Es schien so, als würde sich das Publikum kaum trauen, den wunderschönen Klang der Stimme des ehemaligen Johnny Cash-Mitstreiters durch profanes Klatschen zu beschmutzen, sodass das Konzert zeitweise fast schon an einen Gottesdienst erinnerte: Meditativ, ruhig und tief berührt konnte man die Musik und den traumhaften und beruhigenden Gesang des alten Rebellen genießen.

Dennoch sind die Songs der Countrylegende kein Kuschelrock, denn dafür sind sowohl Texte als auch Musik zu ungeschminkt und unmittelbar. Diese kompromisslose Ehrlichkeit zog sich durch alle Aspekte des Konzerts: Die Musiker standen ohne aufwendiges Bühnenbild auf der Bühne, die Lichtshow war dezent und erhellte die Künstler stets in überwiegend neutralem Licht. Kristofferson, der in einfachem Schwarz und Cowboystiefeln gekleidet stets in der Mitte der Bühne stand, versteckte sich nicht – im Gegenteil. Er zeigte sich durch seine Musik selbst schmucklos, aufrecht und ehrlich. Weil er durch die Musik und die Texte bereits intensiv mit dem Publikum kommunizierte, machte der Countrysänger auch kaum Zwischenansagen, die ohnehin wohl nur die andächtige Stimmung im Saal gebrochen hätten.

Mit “Please Don’t Tell Me How The Story Ends” beendete Kristofferson seinen Auftritt und verabschiedete sich mit “God bless you” (Gott segne Euch, Anm.) vom Publikum, das, noch immer verzaubert, stehend applaudierte. Sowohl die Künstler als auch die Besucher wussten genau, dass dieses Konzert möglicherweise eines der letzten des Countrymusikers gewesen sein könnte. Kristofferson war nach dem Auftritt bereits sichtlich erschöpft. Lediglich Scott Joss ging nach dem Konzert zu den vielen Fans, die sich am Bühnenrand versammelt hatten, um sich noch einmal persönlich von Kristofferson zu verabschieden.

Von: apa

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