Publikumszuspruch bei Konzerten und hohes Niveau an der Jazzakademie

Jazz in karibischem Gewand in Meran

Freitag, 22. Juli 2022 | 16:25 Uhr

Meran – Vor wenigen Tagen hat Meranojazz seine musikalischen Tore geschlossen. Die einzige Jazzveranstaltung in der Region, die Lehre und Konzerte eng miteinander verknüpft und dabei auch Künstler von Weltformat mit im Boot hat, erlebte in diesem Jahr gleich mehrere Premieren. Jazzakademie-Mitgründer Franco D’Andrea hat nach zwei Jahren wieder eine viertägige Meisterklasse zum Rhythmus gegeben. Der Artist in Residence, Pianist Gonzalo Rubalcaba, hat sowohl in seinen Meisterklassen als auch bei seinem Konzertauftritt im Kimm gezeigt, wie breit der Horizont eines Musikers von Weltrang heute sein kann. Gut gefüllte Konzertsäle, ausgezeichnete Laune bei den Jazzkursen – eine für die Beteiligten unvergessliche Ausgabe der Meraner Jazzwoche, so die Kommentare vieler.

Die Jazzakademie ist seit Anbeginn im Alltag dreisprachig unterwegs, bekam aber bei dieser Ausgabe eine hispanische Note. Gleich drei Lehrer und eine Sängerin des Festivals haben nämlich einen spanischen Hintergrund. Die 21. Ausgabe bot also einen afrokubanischen Schwerpunkt.

Afrokubanischer Schwerpunkt

Neben Gonzalo Rubalcaba, der sogar erfahrene Konzertpianisten und Komponisten aus dem Ausland anzog, war es vor allem an José Antonio Molina Ponce, diesem Schwerpunkt Ausdruck zu verleihen. Ein öffentliches Meeting mit dem sympathischen Perkussionisten aus Havanna zur Volks- und Musikkultur Kubas beschloss die Jazzwoche an der Musikschule Meran. Durch den afrokubanischen Einfluss wurde der Jazz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bereichert und erweitert, wie in Meran theoretisch und praktisch zu erfahren war. Teilgenommen haben insgesamt an die 80 Musiker und Lehrer aus Kuba, den USA, Mexiko, Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien.

Sechs Tage mit Konzerten des Festivals und der Akademie

Einen Einstand feierte die Akademie mit dem Ausnahmemusiker Rubalcaba selbst: Er ist der erste Pianist in der Rolle des Artist in Residence in Meran. Eine Premiere war ebenso die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Gemeinde und der gutbesuchte Auftritt des Berliner Kontrabassisten in der Evangelischen Kirche zu Festivalbeginn.

Das Assistententeam der Jazzakademie Meran hat unter Federführung des Gitarristen Matteo Scalchi ein viel beachtetes Konzert am Sandplatz gespielt. Scalchi war gemeinsam mit Ewald Kontschieder für die organisatorische Umsetzung der Jazzwoche zuständig. Der eigentliche öffentliche Auftakt der Jazzakademie passierte mit einer Jam Session auf der Terrasse des Hotel Aurora. Dabei traten gut 30 Kursteilnehmer auf, aber genauso viele der Lehrer. Sie lockten ein interessiertes Publikum an und brachten gute Stimmung auf die Passerpromenade.

Weitere Premiere war, dass in diesem Jahr der Meraner Verein Muspilli das Festival organisatorisch übernommen hat. Muspilli zeichnete ansonsten einzig für die Jazzakademie verantwortlich, an der Jugend-, Erwachsenen- und Meisterkurse stattfinden. In Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Gemeinde und mit Hilfe des seit Anbeginn tätigen Festivalleiters Vincenzo Costa konnte trotz Finanzierungsengpässen eine gelungene Jazzwoche umgesetzt werden.

Festival mit Ausnahmekünstlern

Nach dem Konzert in der Evangelischen Kirche folgten zwei Musikabende im Untermaiser Kimm, zunächst mit einem Auftritt des New Project Orchestra und seinem kompakten, austarierten Programm, das dem Broadway-Komponisten Jimmy van Heusen gewidmet war. Das neunköpfige Orchester mit den Gästen Francesca Bertazzo (Sängerin, Gitarre) und Michele Francesconi (Pianist) setzt sich aus den erfahrensten Jazzmusikern der Region zusammen. Das Highlight war der umjubelte Auftritt des frisch gebackenen Grammy-Gewinner Gonzalo Rubalcaba zum Abschluss des Festivals im Kimm. Er zählt zu den ganz großen Jazzpianisten-Persönlichkeiten unserer Zeit. An seiner Seite die ebenfalls aus Havanna stammende Sängerin Aymée Nuviola. Das Duokonzert zeigte, was es heute heißt, auf Augenhöhe gemeinsam Jazzmusik zu interpretieren.

Abschluss an der Musikschule

Die Akademie setzte noch zwei Tage bis Sonntag fort, im Lehrerteam Koryphäen wie der Gitarrist Michael Sagmeister und der kubanische Perkussionist José Antonio Molina Ponce und viele andere, die für hochwertige und stimulierende Lehre sorgten. Die kurzfristig für die erkrankte Cristina Zavalloni eingesprungene Sängerin Laura Giavon aus Udine entpuppte sich trotz ihrer Jugend als talentierte, sensible Lehrerin und tolle Vokalistin. Das Ergebnis der teils einwöchigen Kurse zeigte sich dann im Akademiehöhepunkt, den Abschlusskonzerten der zehn Ensemble, die am Samstag und Sonntag auftraten. Auch die Lehrer gaben sich dabei in einem Konzert die Ehre und verbreiteten gute Laune.
Resümee: Eine unvergessliche Ausgabe

Insgesamt zeigten sich die Organisatoren um Ewald Kontschieder, Matteo Scalchi und Vincenzo Costa sehr zufrieden mit der Jazzwoche. Das Ganze wäre nicht möglich ohne ein großes, ehrenamtlich tätiges Team junger Musikerinnen und Musiker, die dafür auch einigen hundert Kilometer Anreise in Kauf nehmen. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Autonomen Provinz Südtirol/Amt für Kultur, Gemeinde Meran, Region Trentino Südtirol, Stiftung Südtiroler Sparkasse, Südtiroler Sparkasse und Familienagentur.

Jazzpreise

Das Lehrerteam zeichnete am letzten Tag unter Federführung von Franco D’Andrea neuerlich talentierte junge Musiker aus, die ein Stipendium bekamen. Diese gingen nach Kategorien an:

Upcoming Teen (bis 14 Jahre): Michelangelo Sermolini (piano) – Emilia-Romagna
Upcoming Musician (bis 25 Jahre): ex-aequo Philipp Volgger (drums – Terenten) & Francesco Varsalona (drums – Castelletto sopra Ticino)
Outstanding musician: Lorenzo Tonon (piano) – Treviso

Von: mk

Bezirk: Burggrafenamt

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