Faszination für die Mode prägte dieses Stück Jelineks

Jelinek-Erstaufführung zum Thema Mode in Linz

Sonntag, 21. Januar 2018 | 11:05 Uhr

Ein rosa Tüllrock und Ringelstrümpfe, altmodische Unterwäsche, Ballkleider, Herrenanzüge und Werbe-T-Shirts, rote Bommel-Hauben und spitze Zipfelmützen, Pinocchio-Nasen und Struwwelpeter-Perücken: Was bei der Jelinek-Erstaufführung zum Thema Mode in den Kammerspielen des Linzer Landestheaters am Samstag getragen wurde, schien vom Wühltisch zu stammen. Auch die Regie setzte auf Konfektionsware.

Elfriede Jelineks “Das Licht im Kasten (Strasse? Stadt? Nicht mit mir!)” wurde im Jänner in Düsseldorf uraufgeführt. Das Stück kreist um ein Dauer-Thema der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin: Die Faszination für die Mode bei gleichzeitiger Ablehnung der Mechanismen der Mode- und Textilindustrie. Die Ausbeutung von menschlichen und natürlichen Ressourcen für die Produktion von Billigware, die durchschnittlich bloß 1,4 Mal pro Stück getragen wird, die künstliche Weckung von Bedürfnissen, der Jahrmarkt der Eitelkeiten und der mit zunehmendem Alter oder Gewicht abnehmende Marktwert der Modekonsumenten, Online-Shopping und Outlet-Wahnsinn – es sind unzählige Facetten des Themas, die Jelinek in bekannter Manier behandelt. Motto: “Alles muss raus, doch Sie müssen rein.”

Zwischen sprachlichem Kalauer, gesellschaftskritischer Pointiertheit und philosophischer Abschweifung mäandriert der Textfluss und bräuchte dringend jemanden, der ihm eine Form gibt, der ihn mal über die Ufer treten lässt und an der nächsten Biegung wieder aufstaut. Die deutsche Regisseurin Katka Schroth lässt die Dinge jedoch vor allem laufen. Aufgeteilt auf drei Darstellerinnen (Corinna Mühle, Ines Schiller und Angela Waidmann) und einen Schauspieler (Alexander Hetterle) wird der gestraffte Text in immer neuen Anläufen herausgesprudelt. Gliederungen ergeben sich vor allem durch rasch übergezogene Kostümteile (Kostüme: Ruby Heimpel und Sung-A Kim) und Ansätze von Handlungselementen, bei denen ein Cello, Theatermesser und übergroße Schaufeln gewichtige, doch schwer zu entschlüsselnde Rollen spielen.

Die Bühne von Hartmut Meyer verstärkt den Eindruck von Beliebigkeit, der sich in den drei Stunden (inklusive Pause) breitmacht. Ein von einem schief nach vorne führenden Steg durchbrochenes Portal mit “fun”-Aufschrift suggeriert eine Showbühne, dahinter taucht unvermittelt ein hölzerner Käfig auf, der gelegentlich hydraulisch bewegt wird. Wie man sich das Ganze sinnvoll zusammenreimen soll, erschließt sich nicht. Und am Ende stellt sich jene Frage, die sich nach absolvierter Shopping-Tour möglicherweise ab und zu auch vor dem eigenen Spiegel aufdrängt: Vielleicht wäre strenge Schlichtheit passender gewesen als der bunte Patchwork-Look?

Dem Publikum der Premiere, bei der etliche Plätze frei blieben, gefiel die Fashion Show jedenfalls. Der Beifall war ausgiebig und endete gar in Standing Ovations. Zur Modemetropole dürfte Linz dennoch noch einiges fehlen.

Von: apa