Der spanische Gambist Jordi Savall

Jordi Savall beendete das Gitarrenfestival in Millstatt

Montag, 06. August 2018 | 11:55 Uhr

Nach Auftritten in großer Besetzung Ende Juli bei den Salzburger Festspielen und bei der Styriarte war für den spanischen Gambisten Jordi Savall, quasi der Popstar der Alten Musik, am Sonntagabend Millstatt an der Reihe, und das im Trio. Das Konzert war Höhepunkt und Abschluss des 11. Gitarrenfestivals La Guitarra esencial, das die Kärntner Gitarristin Julia Malischnig organisiert.

In seiner Einführung widmete sich der Psychoanalytiker und Autor Arnold Mettnitzer der erhellenden Macht der Musik anhand Hermann Hesses Gedicht “Sprache”, bevor Savall zusammen mit Gitarrist Xavier Diaz-Latorre und Perkussionist David Mayoral “Folias und Romanescas” aus dem Barock interpretierte. Es handelt sich um melodisch harmonische Satzmodelle, die als Basis für Variationen, aber auch für Improvisationen genommen werden. Savall und seine Mitstreiter boten zeitlich und räumlich einen schönen Querschnitt: Von Spanien über England und Frankreich nach Italien. Zu hören waren Komponisten wie Diego Ortiz, Tobias Hume, Marin Marais oder Robert de Visee.

Überall werden die tänzerischen Ursprünge hör- und spürbar, und man sieht förmlich vor dem geistigen Auge, wie sich der Adel einst dazu in geeigneten Sälen bewegt hat. Eingezwängt in die Bänke der ziemlich voll besetzten Stiftskirche in Millstatt bot sich dem Konzertbesucher dazu wenig Gelegenheit. Im Gegenteil: Im hinteren Bereich reduzierte sich das musikalische Geschehen auf ein fernes Flüstern. Bewegung quittierten die Bänke dafür mit einem umso lauteren Ächzen, das viel deutlicher zu hören war als Viola da Gamba, Theorbe und Schlagwerk zusammen. So ausgelassen die drei Musiker auch die virtuosen Veränderungen in den Variationen feierten, hinten machte sich sehr bald eine gewisse Lähmung breit.

Dieses Konzert hätte eindeutig einen etwas intimeren Rahmen verdient oder – ganz unkorrekt – wenigstens eine Verstärkeranlage. Dazu vielleicht noch ein paar Bildschirme auf den hinteren Säulen, damit die Zuhörer auch dort mehr sehen als den Hinterkopf des Vordermannes/der Vorderfrau. Der Mangel an hochklassigen Konzertsälen in Kärnten, in denen man auch internationalen Topstars und deren Publikum ein entsprechendes Umfeld bieten kann, wurde einem wieder einmal schmerzlich bewusst. Der Begeisterung nach dem Konzert tat dies (zumindest in den vorderen Reihen) keinen Abbruch.

Von: apa