94-jähriger erhält hoch dotierte Auszeichnung

Kiesler-Preis geht an den französischen Architekten Friedman

Freitag, 23. Februar 2018 | 10:35 Uhr

Der Österreichische Friedrich Kiesler-Preis für Architektur und Kunst geht heuer an den 94-jährigen französischen Architekten Yona Friedman. Die internationale Preisjury würdigte ihn als “einen Giganten unter den Architekten”. Der Termin zur Verleihung der mit 55.000 Euro dotierten Auszeichnung steht noch nicht fest.

“Während seines gesamten Berufslebens von mehr als sechs Jahrzehnten war er kompromisslos in seiner Präzision und visionär in seinem Denken. Bis heute ist er enorm einflussreich als Architekt realisierbarer Utopien, als Stadttheoretiker, Designer und Lehrender”, heißt es in der Begründung der Jury. Seine Architekturkonzepte seien “eng mit der Dynamik von sozialen Strukturen und der Veränderlichkeit der Bedürfnisse von Nutzer/innen verbunden. Diese Themen, die er seit dem Beginn seiner Arbeit betont, gewinnen in den heutigen Tagen, bedingt durch die derzeitigen Entwicklungen der Migration und einer Art von neuem Nomadentum, immer mehr an Bedeutung. Sein eigener biografischer Hintergrund als Migrant ist Grund dafür, dass seine Ideen und sein Engagement für eine zutiefst menschliche Architektur und Gesellschaft auf existenziellen Erfahrungen basieren und daher sein Werk auch als ein politisches qualifiziert.”

Yona Friedman wurde am 5. Juni 1923 in Budapest geboren, wo er an der Technischen Hochschule studierte. Er flüchtete nach Israel, setzte dort seine Ausbildung fort und sammelte erste praktische Erfahrungen als Architekt. 1957 zog er nach Paris, wo er bis heute lebt und arbeitet. 1958 veröffentlichte er das Manifest “L’Architecture Mobile”, zugleich Gründungsdokument der “Groupe d’etude d’architecture mobile” (GEAM), und entwickelte Raumstadtkonzepte wie “La Ville Spatiale”. Er lehrte u.a. am Massachusetts Institute of Technology, an der Harvard University und Princeton University. Seine Arbeiten umfassen städteplanerische Modelle, theoretische Texte sowie (Animations-)Filme und waren bei mehreren Kunstbiennalen sowie der documenta 11 (2002) in Kassel vertreten.

Friedman zeigte sich “außerordentlich glücklich”, den Kiesler-Preis zu erhalten. Er fühle “besondere Freude, dass es diese spezielle Stiftung ist, die mein Werk anerkennt. Ich kenne einige von Kieslers Arbeiten, von Publikationen und von Ausstellungen im Centre Pompidou in Paris, und ich bewundere ihn und seine Ideen ungemein”, hieß es in einem Statement. In Kieslers Modellen des “Endless House” habe er gleich große Ähnlichkeit zu seinen eigenen Ideen entdeckt. “Es gab so wenige Künstler und Architekten, die mutig genug waren, konträr zur Mainstream-Architektur Stellung zu beziehen. Kiesler war einer dieser wenigen, und vielleicht sogar der entschlossenste. Ich glaube, dass Ideen wichtiger sein können als die Objekte selbst. Eine Auffassung, die 2.500 Jahre zurückreicht, aber oft vergessen wird …”

Die Auszeichnung wird abwechselnd alle zwei Jahre von der Republik Österreich und der Stadt Wien “für herausragende Leistungen im Bereich der Architektur und der Künste, die den experimentellen und innovativen Auffassungen Friedrich Kieslers und seiner Theorie der ‘correlated arts'” entsprechen”, vergeben. Bisherige Preisträger waren Frank O. Gehry (1998), Judith Barry (2000), Cedric Price (2002), Asymptote Architecture / Hani Rashid + Lise Anne Couture (2004), Olafur Eliasson (2006), Toyo Ito (2008), Heimo Zobernig (2010), Andrea Zittel (2012), Bruce Nauman (2014) und Andrés Jaque (2016). “Der 11. Kiesler-Preisträger erweist sich in seinem Denken als Weltbürger, als Fortführer und Fortentwickler des immanent brisanten Themas der Menschheit einer friedlichen Koexistenz in einer überbevölkerten Welt, wobei Yona Friedman auch großen Respekt vor der Geschichte der bestehenden urbanen Struktur hat”, so Peter Bogner, Direktor der Friedrich Kiesler Stiftung.

Von: apa