Komponisten-Witwe Lotte Ingrisch ist glücklich

Kinderoper “Tulifant” von Gottfried von Einem im Muth

Freitag, 20. April 2018 | 12:20 Uhr

Nach “Der Besuch der alten Dame” im Theater an der Wien und “Dantons Tod” an der Staatsoper folgt am 12. Mai im Sängerknaben-Konzertsaal MuTh eine weitere Musiktheaterpremiere aus dem Oeuvre des Komponisten Gottfried von Einem, dessen 100. Geburtstag am 24. Jänner gefeiert wurde: Die Kinderoper “Tulifant” hat in der Regie von Beverly und Rebecca Blankenship Premiere.

Bei einem Pressegespräch am Freitagvormittag freute sich Komponisten-Witwe Lotte Ingrisch, von der das Libretto zu der 1984 geschriebenen und 1990 im Ronacher uraufgeführten Oper stammt, über den bisherigen Verlauf des Von-Einem-Jubiläumsjahrs: “Ich bin total glücklich. Ich sage Ihnen warum: Gottfried ist 1996 gestorben und auf einmal hat ihn niemand mehr gespielt. Ich bin immer um halb fünf Uhr früh aufgewacht und hab mich gekränkt. Dann haben mir Freunde gesagt: Beim Bach hat es 200 Jahre gedauert, beim Mahler 50 Jahre. Und jetzt freue ich mich, dass es beim Gottfried eh’ nur 20 Jahre gedauert hat!”

Ingrisch bezeichnete “Tulifant” als “erste grüne Oper. Wir haben sie geschrieben, da hat es die Grünen noch gar nicht gegeben.” Die Parabel über die Verwüstung der Erde durch menschliche Gier erzählt vom kleinen Fridolin, der seinen Vater Tulifant aus der Unterwelt holen soll, um die Erde, versinnbildlicht durch Prinzessin Smaragda, vor dem schlimmen Ausbeuter Wüterich zu retten. Ausgestattet ist er mit drei Wünschen und einem Zaubertuch. Unterwegs trifft er den verschnupften Drachen Müff Müff und die Katze Pelzchen. “Die Oper zeigt, was wir mit der Erde anstellen. Sie zeigt auch, dass wir unseren Planeten respektieren sollen, dass Geld und Fortschritt nicht alles ist”, sagte Sängerknabe David, der den Fridolin singt.

“‘Tulifant’ spiegelt die Ängste, Schwierigkeiten und Sorgen wieder, die wir in unserer Gesellschaft haben”, meinte Sängerknaben-Präsident Gerald Wirth. “Wir leben mit Drei Irrtümern”, unterstrich Ingrisch. Im aramäischen Urtext der Bibel heiße es nicht, man solle sich die Erde untertan machen und herrschen, sondern sie behüten; Gott sei nicht die Wirtschaft und Sinn des Lebens sei nicht der Konsum; und: “Die Erde ist keine Maschine!” Dies sei die Botschaft der Oper, die sich an “Kinder bis 100” richte: “Lasst uns lauter Tulifanten werden!”

Regisseurin Beverly Blankenship zeigte sich von den Proben begeistert: “Es war ist für uns ein Traum, mit den Sängerknaben zu arbeiten. Sie sind Profis bis ins Letzte! Obendrein haben wir uns tolle Talente aus der Musikuni geholt. Es ist fulminant, was sie leisten.” Auch Dirigent Caspar Richter, der bereits die “Tulifant”-Uraufführung im damals noch nicht umgebauten Ronacher dirigiert hatte, lobte den Enthusiasmus und die wunderbaren Stimmen. Es sei ein schwieriger Text, den muss man sorgfältig artikulieren müsse, die Musik schwanke zwischen Richard Strauss und Igor Strawinsky. “Ich hoffe, das Interesse an von Einem bleibt auch über das Gedenken hinaus bestehen.”

MuTh-Chefin Elke Hesse freute sich darüber, mit den Esterhazy Stiftungen einen Koproduktionspartner gewonnen zu haben, der die Realisierung der szenischen Produktion ermöglicht. Ab 17. Juni folgen daher fünf weitere Aufführungen im Schloss Esterhazy. Am 9. Juni gibt es in der Kirche in Maissau das jährliche “Gottfried von Einem Fest”, das heuer musikalisch von Pianist Robert Lehrbaumer und Tenor Alexander Kaimbacher bestritten wird.

INFO: “Tulifant”, Kinderoper in drei Akten. Musik: Gottfried von Einem, Libretto: Lotte Ingrisch, Regie: Beverly und Rebecca Blankenship, Ausstattung: Elisabeth Binder-Neururer, Musikalische Leitung: Caspar Richter, Orchester: Schubert-Akademie. Muth, Wien 2, Am Augartenspitz 1. Premiere: 12. Mai, 16 Uhr. Weitere Aufführungen: 14., 15., 16. Mai, Tickets und Infos: 01 / 347 80 80, mailto:tickets@muth.at, https://muth.at; Aufführungen im Schloss Esterhazy, Haydnsaal: 17.-19., 23., 24. Juni. Gottfried von Einem Fest am 9. Juni, 17 Uhr, in der Kirche zur Heiligen Katharina in Maissau – Oberdürnbach, Karten: 02958 / 82 27 10. www.gottfried-von-einem.at

Von: apa