Gustav Klimts Werke als Projektion und Spiegelung im U-Boot-Bunker

Klimt macht einstigen U-Boot-Bunker zum Kulturtempel

Donnerstag, 11. Juni 2020 | 13:21 Uhr

Im Becken spiegelt sich alles unverzerrt: das blasse Gesicht von Adele Bloch-Bauer, das Gustav Klimt in seiner “Frau in Gold” verewigt hat, und der Goldfisch, dem Paul Klee eine Reihe von Gemälden gewidmet hat. In Bordeaux hat ein einstiger deutscher U-Boot-Bunker eine neue Bestimmung gefunden: Auf rund 11.000 Quadratmetern werden Multimediaschauen zwischen 16 Meter tiefen Wasserbecken projiziert.

Der Startschuss der “Bassins de Lumieres” in dem insgesamt über 40.000 Quadratmeter großen Bollwerk wurde am Mittwoch mit zwei Schauen gegeben: “Gustav Klimt, von Gold und Farben” sowie “Paul Klee, die Musik malen”. Wegen der Coronapandemie wurde die ursprünglich für 17. April geplante Eröffnung des Zentrums für digitale Kunstschauen verschoben. Es soll weltweit die größte dauerhafte Einrichtung seiner Art sein.

Klimts eng umschlungenes Paar aus seinem im Belvedere befindlichen Werk “Der Kuss” taucht auf, ebenso sein Gorilla aus “Die feindlichen Gewalten” aus dem berühmten Beethovenfries in der Secession – eine Flut an Motiven und Bildausschnitten. Dazwischen Bilder von Egon Schiele, während aus dem Hintergrund Wiener Musik erklingt. Denn Besucher sollen in den Kontext der damaligen Zeit eintauchen.

Man wolle Inhalte vermitteln, keinen Kitsch, sagte der Direktor der “Bassins de Lumieres”, Augustin de Cointet de Filain. Die Klimt-Schau dauert rund 35 Minuten, die zu Paul Klee 10 Minuten, dazwischen als Schnitt die Projektion eines U-Boots – ein Augenzwinkern in Richtung Vergangenheit.

Der U-Boot-Bunker ist eines der fünf Marine-Bollwerke, das die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs an der französischen Atlantikküste errichtet hatten. Erbaut wurde er zwischen 1941 und 1943. Über 6.500 Arbeiter wechselten sich beim Gießen von 600.000 Kubikmeter Beton ab. Wie in La Rochelle, Saint-Nazaire, Brest und Lorient hielten die Nazi-Bollwerke den alliierten Bombenanschlägen weitgehend stand. Da der Abriss der Masse unmöglich war, wurde der Bunker von verschiedenen Unternehmen unterschiedlich genutzt, unter anderem auch für Festivals und Fotoausstellungen.

Betrieben wird das Zentrum von “Culturespaces”, die mehrere Museen und Sehenswürdigkeiten in Frankreich verwalten, darunter die Zentren für digitale Kunstschauen in Paris und Les Baux-de-Provence bei Avignon. Mit seinen mehr als 11.000 Quadratmetern Projektionsflächen ist Bordeaux jedoch dreimal so groß wie Baux und fünfmal so groß wie Paris, das bereits ein Jahr nach seiner Eröffnung im April 2018 mehr als eine Million Besucher angezogen hat. Dort wird derzeit unter anderem “Monet, Renoir… Chagall” gezeigt. Aufgrund des Publikumserfolgs will “Culturespaces” 2021/22 jeweils in New York und Dubai Zentren eröffnen.

Die drei Einrichtungen sind nicht vergleichbar. In Paris werden die Kunstausstellungen in einer einstigen Gießerei präsentiert, in Baux-de-Provence in ehemaligen Steinbrüchen. “Die Schauen werden stark durch die geschichtsträchtigen Orte bestimmt”, erklärte Augustin de Cointet de Filain. In Paris, das mit etwa 3.300 Quadratmetern Projektionsfläche die kleinste Einrichtung ist, liege der Schwerpunkt mehr auf den Details der Bildelemente, in Bordeaux könne man die Werke und Motive spektakulär vergrößern. So wie Adele Bloch-Bauer.

Von: APA/dpa

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