Vernissage von Künstlern mit anderer Begabung

Kunst überwindet Ausgrenzung

Montag, 30. Mai 2022 | 16:40 Uhr

Bozen – Am Mittwoch, den 8. Juni wird im Foyer des Waltherhauses in Bozen um 18.00 Uhr eine der originellsten und mit Sicherheit die humanitärste Kunstausstellung Südtirols eröffnet. Dazu laden alle Rotarier Südtirols und arbeiten diesbezüglich eng mit dem Südtiroler Kulturinstitut zusammen. Der dritte Verbündete ist die Landesregierung, im Besonderen Landeshauptmann Arno Kompatscher mit den Landesräten Waltraud Deeg, Philipp Achammer, Daniel Alfreider und Giuliano Vettorato.

Das Projekt selbst trägt den klingenden Namen Rotary Art-Handicap Award und ist ein von Hans Christoph von Hohenbühel ins Leben gerufener Kunstwettbewerb für Menschen mit anderer Begabung, der seit 2015 bereits dreimal Südtirols Kulturwelt begeisterte. Die vierte Ausgabe musste wegen der Corona-Krise um ein Jahr verschoben werden, und wird heuer als Zeichen der wiederkehrenden Normalität unter allen Umständen abgehalten.

Freilich waren diese Umstände mehr als beschwerlich. Viele Geschützte Werkstätten waren in ihrer Aktivität sehr eingeschränkt, weil Abstands- und Hygieneregeln beachtet werden mussten und Mitarbeiter immer wieder erkrankt, in Quarantäne oder suspendiert waren. Da ging es letztlich um Kunst trotz Pandemie, um Kreativität im schwierigsten Dauerstress. Und dennoch haben 14 Künstler es geschafft, 20 Werke termingerecht fertigzustellen und einzureichen. Allein das schon ist eine Meisterleistung in der Krise.

Eine kundige Jury, in der Kunstexperten wie Doris Ghetta, Tiziano Rosani, Heinrich Gasser, Paolo Marangoni und Marion Damiani-Piffer mitwirken, hat die Werke geprüft und drei Künstler für ihre Arbeiten mit Förderpreisen bedacht, die mit 1.000, 7.50 und 500 Euro dotiert sind. Alle 20 eingereichten Werke werden im Waltherhaus Bozen vom Mittwoch bis zum Samstag, den 11. Juni 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt. Anlässlich der Ausstellungseröffnung am 8. Juni um 18.00 Uhr erfolgt die Prämierung der Siegerwerke. Zusätzlich wird bei dieser Gelegenheit ein sehr gelungener Werkskatalog der Öffentlichkeit vorgestellt. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.

Es ist erklärtes Ziel einer jeden humanen Gesellschaft, schwächere Mitglieder zu stützen und aktiv einzubeziehen. Entsprechende Zeichen sind immer wieder zu setzen. In den letzten Jahrzehnten ist die Menschheit nur vermeintlich friedlicher geworden, wie Russlands blutiger Feldzug gegen die Ukraine beweist. Auch sind wir alle nicht unbedingt verständnisvoller geworden. Die tiefen Gräben zwischen Impfbefürwortern und Impfgegnern und die vielen Hasstiraden im Internet weisen uns darauf hin, dass nur eine dünne zivilisatorische Kruste über oft destruktiven Emotionen liegt. Umso wichtiger ist es, zu lernen und zu üben, aus schwierigen Gefühlen nützlich Handlungen abzuleiten. Die Kunst lehrt uns genau dies immer wieder, sie gibt auch verzweifelten Situationen neuen Sinn.

Aber vor allem: Ausdruck überwindet Ausgrenzung. Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert seit 2006 etwas, was sie Teilhabe und Inklusion nennt: Schwächere, Benachteiligte in unserer Gesellschaft benötigen nicht etwa die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen, sondern etwas mehr davon, eben mehr Rechte für gleiche Chancen. Dass diese radikale Idee nur langsam Platz greift ist sehr verständlich. Sie entzieht der sogenannten gesunden, unbeeinträchtigten Mehrheit das Vorrecht, bevorzugt zu sein. Sie garantiert aber Menschen mit Beeinträchtigung das, was Goethe an das Ende seines Osterspaziergangs im Faust als Sehnsuchtsidee setzt: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein.“

Von: mk

Bezirk: Bozen

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