Seit 1902 können Bergführer Lawinenausbildungskurse belegen

Lawinenwissen, Reggae, Krippenbau tragen nun Kulturerbetitel

Donnerstag, 29. November 2018 | 16:45 Uhr

Das “Wissen im Umgang mit Lawinengefahr” ist am Donnerstag bei der Tagung des zwischenstaatlichen UNESCO-Komitees auf Mauritius auf die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden. Die erfolgreiche gemeinsame Einreichung mit der Schweiz ist die fünfte Eintragung mit Österreich-Bezug.

Zusätzlich hat das Komitee die unter anderem durch Bob Marley bekannt gewordene Reggae-Musik aus Jamaika zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Nach dem Beschluss des zuständigen Ausschusses am Donnerstag in Mauritius tanzten die Staatenvertreter spontan zu Marleys Song “One Love”, wie eine UNESCO-Sprecherin berichtete. Seinen ersten Eintrag auf die Liste des immateriellen UNESCO-Kulturerbes feiert Polen mit der Tradition der bunten Krakauer Weihnachtskrippen.

Vertreter des Österreichischen Alpenvereins, des Österreichischen Berg- und Skiführerverbands sowie der Österreichischen Lawinenkommissionen haben gemeinsam mit Schweizer Verbänden und Institutionen die Kandidatur für das Lawinenwissen erarbeitet. Sie betont die gemeinschaftlichen und identitätsstiftenden Elemente im Umgang mit dieser Naturgefahr.

“Die Vermittlung dieses Erfahrungswissens geschah jahrhundertelang mündlich von einer Generation zur nächsten und manifestierte sich u.a. in Bauernregeln. Schriftlich dokumentiert wurden seit dem 17. Jahrhundert vor allem Schadenslawinen. Die entsprechenden Dokumente werden in Vorarlberg noch heute in den Schulen verwendet, um Kinder für die Lawinengefahr zu sensibilisieren”, heißt es dazu seitens der österreichischen UNESCO-Kommission.

Seit 1902 können Bergführer Lawinenausbildungskurse belegen, “wobei der jahrelange Austausch zwischen erfahrenen und angehenden BergführerInnen nach wie vor ein zentrales Element der Ausbildung darstellt. Ab den 1950er Jahren wird Erfahrungswissen von wissenschaftlichen Forschungen ergänzt.”

“Wir sind sehr stolz über diesen gemeinsamen Erfolg mit der Schweiz. Der tagtägliche Umgang mit der Lawinengefahr verbindet die Menschen in den Alpenländern – über kollektive und persönliche Erlebnisse werden Maßnahmen zur Bewältigung sowie Prävention getroffen. Der Umgang mit Lawinengefahr ist wichtiges kulturelles Erbe und trägt wesentlich zu einem besseren Verständnis von traditionellem Wissen als Zukunftsressource bei”, wird Sabine Haag, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, in einer Aussendung zitiert. Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) sieht in der Aufnahme “ein weiteres starkes Zeichen dafür, dass Österreichs kulturelles Erbe vielfältig ist und auch international gewürdigt wird”.

Weltweites Aufsehen erregte allerdings vor allem die erfolgreiche Kandidatur des Reggae. Die Kommission würdigte den Beitrag dieser Musik zum internationalen Bewusstsein “über Fragen der Ungerechtigkeit, des Widerstandes, der Liebe und Menschlichkeit”. Der Sound der Musikrichtung aus dem karibischen Inselstaat Jamaika kommt fröhlich und sorgenfrei daher. Doch das täuscht etwas: Themen wie Unterdrückung, soziale Ungleichheit und politische Entfremdung sind zentrale Merkmale der Texte von Reggae-Größen wie Bob Marley, Peter Tosh und Jimmy Cliff.

Seinen ersten Eintrag auf die Liste des immateriellen Unesco-Kulturerbes feiert Polen mit der Tradition der bunten Krakauer Weihnachtskrippen. “Es ist eine der schönsten polnischen Traditionen”, begrüßte Kulturminister Piotr Glinski am Donnerstag die Entscheidung. Die Krakauer Krippen – auf Polnisch “Szopka” genannt – stellen Elemente der historischen Krakauer Architektur dar und zeigen südpolnischen Lokalkolorit und Lokalpatriotismus. Maria und Josef, Hirten und Könige werden dabei oft von Türmen, Erkern und Kuppeln, die etwa der Kathedrale auf dem Krakauer Wawelhügel oder der Marienkirche auf dem Marktplatz nachempfunden sind, fast verdeckt.

In die Liste des immateriellen Welterbes wurden nach Mitteilung am Donnerstag unter anderem auch das Feldspiel Hurling aus Irland, die Kampfkunst Chidaoba aus Georgien, traditionelle Frühlingsriten der kasachischen Pferdezüchter, die Wallfahrt “La Romeria” aus Mexiko und die Klöppelherstellung aus Slowenien aufgenommen. Auch die spanischen Trommelkonzerte “Tamboradas” gehören dazu, ebenso traditionelles Marionettentheater aus Sri Lanka und das Töpferhandwerk der Frauen in Sejnane (Tunesien).

Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Seit 2003 unterstützt die UNESCO die Förderung, Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen. Aus Österreich sind außerdem der Blaudruck, die Falknerei, das Imster Schemenlaufen und die Hohe Schule und Klassische Reitkunst der Spanischen Hofreitschule auf der rund 470 Einträge umfassenden Liste vertreten. Bis Samstag wird noch über weitere Neuzugänge beraten.

Von: APA/dpa

Kommentare

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2 Kommentare auf "Lawinenwissen, Reggae, Krippenbau tragen nun Kulturerbetitel"


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Orschgeige
Orschgeige
Superredner
11 Tage 1 h

Habe auch das Gesuch auf Eintragung in das Kulturerbe für das Plumsklo auf unserer Almhütte bei der UNESCO eingereicht. Die Chancen stehen anscheinend nicht schlecht!

Jefe
Jefe
Tratscher
10 Tage 19 h

Hoffe du hast ein Foto hin geschickt wo man den “Hittenkinig” sieht….obo den kennt eh keiner mehr

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