Das Raumkonzept von Loos war seiner Zeit weit voraus

Madrider CaixaForum würdigt den revolutionären Adolf Loos

Mittwoch, 28. März 2018 | 12:29 Uhr

Das renommierte Madrider Kunstzentrum CaixaForum widmet eine umfassende Ausstellung dem österreichischen Architekten Adolf Loos (1870-1933). “Adolf Loos. Private Räume” wurde von der spanischen Kunsthistorikerin Pilar Percerisas kuratiert, eröffnet wurde die Ausstellung am Mittwoch. Mehr als 200 Objekte – Fotos, Zeichnungen, Baupläne, Modelle, Möbel oder Lampen von Loos – wurden zusammengetragen.

“Es wäre wünschenswert, während einiger Jahre völlig auf Ornamente zu verzichten, so dass sich unser Denken auf die Konstruktion von Bauten konzentrieren kann, die nur durch ihre Nacktheit wirken.” Diesen Satz des damals schon weltberühmten amerikanischen Architekten Louis Sullivan muss sich Adolf Loos während seines USA-Aufenthalts von 1893 bis 1896 tief eingeprägt haben. Denn als der österreichische Architekt nach Wien zurückkam, stellte er mit seinem neuen, revolutionären Architekturverständnis alles auf den Kopf. Mit seiner minimalistisch-funktionalen Architektur grenzte er sich bewusst von der Wiener Historismus-Dekadenz ab.

Als energischer Gegner des damaligen Jugendstils und der Wiener Secession, machte er sich viele Feinde. Vor allem unter den Künstlern der Wiener Werkstätte. “Doch sein Verzicht auf Ornamente, sein neues Raumkonzept und sein architektonisches Denken waren derart modern, dass er die Türen zur modernen und postmodernen Architektur öffnete. Ohne ihn gäbe es kein Bauhaus, und wir würden ohne ihn höchstwahrscheinlich auch keine Duplex-Wohnungen kennen”, versichert Pilar Percerisas im Gespräch mit der APA.

“Er war mehr als ein Architekt. Er war eine Art Bildhauer von Räumen. Ein Marcel Duchamp der Architektur”, meint die spanische Kunsthistorikerin. Sie gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn sie über den österreichischen Architekten (1870-1933) spricht. Ihre Bewunderung für den “Wegbereiter der modernen Architektur” spiegelt sich auch in der Ausstellung wider.

Nie zuvor gab es eine so umfangreiche Ausstellung über den in Brünn geborenen Architekten, versichert die Kuratorin. Der Kulturstiftung der Großbank La Caixa ist es in Zusammenarbeit mit dem Designmuseum aus Barcelona gelungen, 218 Ausstellungsstücke zusammenzutragen. Fotos, Zeichnungen, Baupläne, Bücher, Zeitschriften, Modelle und 120 von Adolf Loos designte Spiegel, Lampen, Uhren und vor allem Möbel. Schreibtische, Bücherregale, Kästen, Sofas, Kleiderständer und 50 verschiedene Stühle, vom Chippendale-Sessel bis hin zu den Stühlen in den von Loos dekorierten Wiener Cafes wie der American Bar, dem Cafe Museum oder dem Cafe Capua. Fototapeten im Hintergrund zeigen die Ausstellungsstück an den historischen Orten, für die sie geschaffen wurden.

Neben der Albertina, dem Wien Museum und dem Münchener Architekturmuseum waren es vor allem Wiener Privatsammler wie Julius Hummel, Markus Kristan, Ernst Poil oder J&L Lobmeyr, die ihre Loos-Werke für die Madrider Sonderschau zur Verfügung stellten.

Doch warum konzentriert sich die Ausstellung, die noch bis zum 24. Juni im CaixaForum gezeigt wird, so sehr auf Adolf Loos Innenarchitektur? “Weil hier am deutlichsten sein moderner und revolutionärer Charakter veranschaulicht werden kann”, versichert Kuratorin Pilar Percerisas.

Heute bejubelt und verehrt, stieß Loos mit seinen kantigen, schachtel- und würfelartigen Gebäuden Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst auf Ablehnung. Als bestes Beispiel gilt hier die legendäre Empörung über das Wohn- und Geschäftshaus, welches er für Goldman & Salatsch am Wiener Michaelerplatz gegenüber der kaiserlichen Hofburg baute. Auch im Inneren überraschte er seine Zeitgenossen nicht immer im positiven Sinne mit eingeschnittenen Fenstern, klaren Linien, ganz neuen, mehrgeschoßigen, teilweise ineinander verschachtelten Raumkompositionen. Diese nicht dekorative Innenarchitektur- und Ausstattungen verstanden damals nur wenige.

Adolf Loos war ein strenger Funktionalist, der aber großen Wert auf das Wohlbefinden und die Behaglichkeit der Menschen legte, die in seinen Gebäuden lebten. So kombinierte er seine minimalistisch-kantige Innenarchitektur mit edlen Materialien wie Marmor und römischen Säulen. “Was gut ist, wird niemals unmodern”, rechtfertigte Loos die Benutzung römischer Baukunst und Dekors aus verschiedenen Epochen. Er hatte Recht: Das pelzige Schlafzimmer, das Loos 1903 für seine erste Frau Lina kreierte, bestich mit einer nahezu irritierenden Modernität.

Auf interessante Weise führt die Madrider Ausstellung die Besucher thematisch und chronologisch geordnet durch das Leben und Werk des berühmten österreichischen Architekten. Es geht um seinen Kampf gegen die Wiener Dekadenz, sein Verhältnis zu Otto Wagner und Josef Hoffmann. Seine Innenausstattungen werden aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet – “maskuline und weibliche Räume”, “Funktion und Form der Möbel”, “Tradition und Moderne”. In der Summe ergibt sich so ein kaleidoskopischer Blick auf einen Bauvisionär.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz