Installation "Alepo" von Francisco Leiro

Madrider Kunstmesse – Frauen, Zukunft und polemische Zensur

Sonntag, 25. Februar 2018 | 13:00 Uhr

Es kommt nicht oft vor, dass eine leere Wand zum am häufigsten fotografierten Objekt einer Kunstmesse wird. Genau das ist auf der 37. Ausgabe der Madrider ARCO geschehen. Es handelte sich um die Außenwand des Stands der deutsch-spanischen Galeristin Helga de Alevar, an der die 24-teilige Fotoserie “Presos Politicos” des bekannten spanischen Provokationskünstlers Santiago Sierra hing.

Noch bevor die Messe für zeitgenössische Kunst am Mittwoch ihre Tore öffnete, bat der Direktor des Ifema-Messegeländes die Galeristin, das Werk zu entfernen. Schon seit Monaten hält die Debatte um “politische Gefangene” im Zuge des Katalonien-Konflikts ganz Spanien in Atem und man wolle die Polemik nicht noch anfeuern.

Natürlich trat damit genau das Gegenteil ein. Künstler, Kulturschaffende, ARCO-Direktor Carlos Urroz und Kataloniens separatistische Politiker waren empört über die Autozensur. Madrids Bürgermeisterin kam aus Protest nicht einmal zur Eröffnung der Messe. Regierungspolitiker und Andersdenkende erklärten hingegen, dass man die Separatisten mit ihren Hirngespenstern über politische Gefangene nicht auch noch unterstützen solle. Resultat: Wie ein Schatten lag die Polemik die ganze Zeit über der Messe.

Dabei zeigte sich die ARCO heuer politisch eigentlich relativ brav und kommerziell. Die große Mehrheit der 208 Galerien aus insgesamt 29 Ländern zeigte vor allem viel Malerei, Fotoarbeiten und Skulpturen, die nicht anecken. So auch die vier Galerien aus Österreich, die im Hauptprogramm der ARCO teilnahmen. Die Galerie Krobath präsentierte Werke von Ugo Rondinone, Julian Opie, Katja Strunz und dem jungen österreichischen Künstler Sebastian Koch. Die Galerie Nächst St. Stephan lockte Sammler und Kunst-Fans unter anderem mit Bildern von Imi Knoebel, Skulpturen von Katharina Grosse und Installationen von Manfred Pernice an.

Am Stand der Galerie Krinzinger gehörten zu den Hinguckern heuer Werke von Secundino Hernandez, Marina Abramovic, Martha Jungwirth, Hans Op de Beeck und Brigitte Kowanz. Die Nachfrage nach Jonathan Meeses Arbeiten war groß. Werke von Hernandez konnten an eine spanische Sammlung verkauft werden. Hans Op de Beecks Arbeit ging an einen Schweizer Sammler. Man war sehr zufrieden mit den Verkäufen.

Wie die anderen österreichischen Galerien war auch Markus Peichl von der Wiener Galerie Crone mehr als zufrieden mit den Verkäufen. “Wir konnten bereits drei Mal umhängen und haben von allen Künstlern Arbeiten verkauft”, so Peichl im Gespräch mit der APA. Drei großformatige Öl-auf-Leinwand-Arbeiten von Antony Valerian seien bereits am ersten Tag nach zwei Stunden weg gewesen.

Luser-Skulpturen gingen an eine renommierte spanische Institution, eine Peter-Miller-Fotoarbeit an ein Potsdamer Privatmuseum und eine frühe Arbeit von Hanne Darboven aus dem Jahr 1973 an eine Wiener Sammlung. Ein Museum aus Istanbul kaufte eine Öl-Malerei von Emmanuel Bornstein. “Ich habe das Gefühl, in diesem Jahr waren mehr internationale Sammler auf der ARCO als je zuvor”, meint der Wiener Galerist.

Sein Eindruck täuscht nicht. Um die Verkäufe anzukurbeln, lud ARCO in diesem Jahr über 300 internationale Kunstsammler nach Madrid ein. Während die vier österreichischen Galerien im Hauptprogramm liefen, zeigte die Wiener Galerie Emanuel Layr in der Sparte “Zukunft” Werke der französischen Künstlerin Lili Reynaud Dewar. ARCO hatte nämlich zum ersten Mal kein Land als Ehrengast eingeladen, sondern ein Konzept – “Zukunft”. Ein komplexes Thema, welches Kuratorin Chus Martinez unter das Motto des argentinischen Poeten Jorge Luis Borges stellte: “Zukunft ist nicht das, was passiert, sondern das, was wir daraus machen”.

Wie die Sparte “Zukunft” wurden in diesem Jahr auch alle anderen Sparten wie “Opening” oder “Dialoge” ausschließlich von Frauen kuratiert. Ein klares und bewusstes Statement der ARCO-Direktion in Zeiten der #Metoo-Debatten und Forderungen nach mehr Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern. Dass hier auch im Kunstbereich noch viel zu tun ist, darauf wiesen Dutzende von Künstlerinnen hin, indem sie auf dem Kopf große Ausrufe-Schilder aus Pappe trugen, um auf sich aufmerksam zu machen.

Wie ARCO gingen am Sonntag auch die anderen Kunstmessen zu Ende, die parallel zur ARCO stattfanden und die spanische Hauptstadt eine Woche lang in eine regelrechte Kunst-Party verwandelten. Auf der JustMadrid für junge, aufstrebende Künstler zeigte auch die Klagenfurter Galerie 3 / Flux 23 wundervolle Werke von Maria Legat, Andrea Vilhena und Karen Elliot.

ARCO Madrid: 21. bis 25. Februar. Infos unter www.ifema.es/arcomadrid_06)

Von: apa