Antisemitische Karikaturen aus dem Wochenblatt „Kikeriki“

Mahlerwochen: Antisemitismus in der Wiener Presse zur Zeit Mahlers

Dienstag, 14. Juli 2015 | 19:43 Uhr

Toblach – Der Antisemitismus in Wien nahm im Zuge des 19. Jahrhunderts  in dem Maße zu, wie Scharen von mittellosen Juden, auf der Flucht vor den Pogromen in Russland und den slawischen Gebieten nach Westen zogen und sich in den östlichen Provinzen dem viel toleranteren Vielvölkerstaat der Habsburger Monarchie niederließen.

Vor allem war es der gütige Kaiser Franz Josef, der mit seinen Liberalisierungsdekreten den Juden Raum für Handel und sozialen Aufstieg gewährte und ihnen eine bleibende Heimstatt gewährte. Joseph Roth, selbst Jude, würdigt in seinem „Radetzkymarsch“ den gütigen Kaiser, wie er früh am Morgen Galizische Juden empfängt und sich ihre Anliegen vortragen lässt. Die Wiener Gründerzeit mit der gewaltigen urbanistischen Expansion, dem Ringstraßenprunk und dem rasanten Wirtschaftswachstum lockte wiederum Massen von mittellosen Juden nach Wien und gab ihnen die Illusion, sich durch Arbeit einen menschenwürdigen Platz in der Gesellschaft zu verdienen.

Doch es gab deren zu viele und die Konkurrenz des einheimischen Proletariats versperrte ihnen den Weg des sozialen Aufstiegs. So vegetierten die meisten weiter als Untermenschen am Rand der Gesellschaft. An ihnen entzündete sich der eigentliche Antisemitismus, der nicht kulturell, sondern rassisch geprägt war. Der junge Hitler, der sich damals mittellos in Wien herumtrieb und der antisemitischen Hetzkampagne gegen die Juden durch die „Alldeutsche Bewegung“ des Georg Schönerer verfiel, hatte vor allem diese mittellosen, asozialen, strenggläubigen Juden im Visier, die  in großen Familienverbänden auf kleinstem Raum in der Leopoldstadt zusammenlebten und ein Bild der Verwahrlosung und Fremdheit ergaben.

Laut Stefan Zweig war der rassischen Antisemitismus, der sich im alldeutschen Symbol der „Blauen Blume“ ausdrückte, der viel gefährlichere als jener politische des christlich-sozialen Wiener  Bürgermeisters Dr. Lueger, der das jüdische Kapital zum Problem einer gerechten Verteilung des Wohlstandes unter den Bürgern erklärte und den jüdischen Finanz-Cliquen den Kampf ansagte. Dr. Lueger, der alljährlich wochenlang in der Brixner Guggenberg-Klinik Kuren machte, war es denn auch, der den Tiroler Antisemitismus inspirierte, der sich in der auflagenstärksten hiesigen Tageszeitung „Der Tiroler“ aus christlicher Sicht vehement antisemitisch gebärdete und vor allem in der Ferienzeit gegen die reichen jüdischen Sommergäste wetterte.

Der Antisemitismus zur Zeit Mahlers wurde also aus zweierlei Richtung verschärft, durch die politische Stimmungsmache der Christlich-Sozialen unter ihrem leutseligen und populären Anführer Dr. Lueger, und durch die gewaltbereiten rassischen Umtriebe der Alldeutschen unter Georg Schönerer. Eine Mischung von alledem fand in den zahlreichen Vignetten und Witzen der satirischen Blätter Wiens seinen Niederschlag: in der „Bombe“, im „Floh“, in den „Wiener Caricaturen“, in „Der Humorist“.  Während in diesen neben jüdische Unarten auch wienerische Missstände gegeißelt wurden, hatte das Wochenblatt „Kikeriki“, das sich als „humoristisch-politisches Volksblatt“ definierte, ein einziges Feindbild: den habgierig feilschenden schlauen Juden, der sich zum Schaden der Allgemeinheit in der Gesellschaft breit macht und die Grundfeste der Monarchie erschüttert. Ein gehässiges Feindbild, der den Juden mit einem Hahnenkopf – von daher der Name des Magazins – karikiert und ihm nicht nur Geschwätzigkeit, sondern auch hemmungslose Zeugungsbereitschaft unterstellt.  (Hubert Stuppner)

Die Ausstellung wurde im 1. Stock des Kulturzentrums Grand Hotel Toblach eingerichtet.

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Von: ©ka