Sie wollten Spaß haben: Maneskin rockten groß auf

Maneskin als Abräumer bei perfektem Nova-Rock-Festivaltag

Samstag, 11. Juni 2022 | 00:28 Uhr

Auf das Matschchaos folgte der perfekte Festivaltag: Am Freitag gab es beim Nova Rock gute Musik, Sonne sowie regen Andrang vor den Bühnen. Die großen Abräumer waren Maneskin, die eine energiegeladene Rockshow abzogen. Super Stimmung herrschte danach auch bei Kraftklub, parallel dazu kamen Headbanger bei Korn voll auf ihre Kosten. Die für Foo Fighters eingesprungenen Placebo konnten da in Sachen Zuspruch nicht mithalten, die Darbietung überzeugte aber.

“Habt ihr Lust auf ein bisschen alte Schule?”, fragte Sänger Brian Molko während des Sets. Das Grundgefühl des zweiten Festivaltags brachte er damit auf den Punkt, standen doch großteils die Songs und nicht überzogene Effekte im Mittelpunkt. Wohl aber betteten Placebo ihren dichten Soundteppich in ansprechende Visuals. Hoch anzurechnen ist der Gruppe, dass man sich nicht auf der Vergangenheit ausruhte, sondern viele Nummern vom neuen Album “Never Let Me Go” mitbrachte. Klassiker wie “Bionic” und “The Bitter End” durften allerdings nicht fehlen.

Apropos alte Schule: Auch junge Bands wissen, wie man echten Rock spielt. Maneskin kamen zum Nova Rock, legten einen perfekten Auftritt hin und räumten ab. Die Italiener waren der heimliche Headliner auf den Pannonia Fields. Das Quartett, das sich im vergangenen Jahr einen Namen mit dem Sieg beim Song Contest gemacht hatte, bewies eindrucksvoll, dass es keine Eintagsfliege ist, sondern das Zeug zu etwas ganz Großem hat. “Es geht darum, Spaß zu haben und die Energie mit dem Publikum zu teilen”, sagte Sänger Damiano David zur APA.

Und sie hielten Wort: Den Durchbruchshit “Zitti E Buoni” feuerten Maneskin gleich als Opener ab. Man hat ja genug andere Gassenhauer im Köcher: Ob die Musiker zu “Gasoline” über den Laufsteg tanzten oder auf diesem nebeneinander – fallweise übereinander – zu “I Wanna Be Your Slave” mächtige Rhythmen und Gitarrenlicks über das Gelände schleuderten, es war das perfekte Rockkonzert mit Glam, Härte und Verve.

Die Stimmung ebbte bei Kraftklub nicht ab, es war richtig eng vor der Blue Stage, es wurde getanzt und mitgesungen. Die Mischung aus Indie, Rock und Rap mit deutschen Texten funktioniert nach wie vor. An Gesellschaftskritik haben die Ostdeutschen nach längerer Pause nichts eingebüßt. Sänger Felix Brummer mahnte gegen Rechtsextremisten, die bei Coronademos die “Schwurbler”, wie er sagte, unterwandert hätten. Ein Wiedersehen gab es überdies mit den Sportfreunden Stiller, die ihren “Softpop” (Eigendefinition) lustvoll servierten. Neues Material wird es heuer auch noch geben, machte die Single “I’m Alright!” mit Reggae-Vibes doch Lust auf das kommende Album.

Und die Metalheads? Wurden bei Korn auf der Red Stage bedient, wenngleich die US-Band zunächst mit einem durchwachsenen Sound zu kämpfen hatte. Sänger Jonathan Davis und Konsorten wussten aber mit viel Spielfreude derlei Kleinigkeiten wettzumachen, setzten ihren großen Hit “Falling Away From Me” gleich als Einstieg und spielten sich sukzessive in eine Rausch. “Jeder hat dieselbe Vision”, hatte Gitarrist Brian “Head” Welch vorm Auftritt zur APA über seine Mannschaft gesagt. Stimmt, hier zogen alle am selben Strang.

Eine Einheit waren auch Heilung: Die deutsch-dänisch-norwegische Gruppe war sicherlich der Ausreißer an diesem Tag, wenn nicht am ganzen Festival. Der Mix aus Folklore, okkulten Symbolen und Tribal-Ästhetik zog vielleicht nicht die Massen an, wussten aber von Beginn an in den Bann zu ziehen. Fast zwei Dutzend in Felle gehüllte Menschen bevölkerten die Bühne, schwangen Speere und Schilde, hämmerten auf Trommeln und Felle, während ritueller Gesang die Nacht durchdrang. Wer davon nicht berührt wurde, hat nicht zugehört.

Eine Zeitreise der anderen Art gab es hingegen bei Dog Eat Dog zu erleben, haben die 90er-Crossover-Legenden doch nichts an Durchschlagskraft eingebüßt und wussten als Headliner auf der Red-Bull-Stage ihre Anhänger mitzunehmen. “Rocky”, “Isms”, “No Fronts” – kein Hit wurde ausgelassen, keine Kehle blieb still. “Es ist wirklich ein Geben und Nehmen”, meinte Bassist Dave Neabore über die Shows der Truppe und hatte damit definitiv nicht zuviel versprochen.

Wie viele Menschen sich gleichzeitig im Crowdsurfing üben können, wollten While She Sleeps austesten: Die britische Metalcore-Band sorgte am Nachmittag erstmals für richtig viel Stimmung vor der Blue Stage, wobei Shouter Lawrence “Loz” Taylor nicht müde wurde, die Leute zu animieren. Harte Gitarren, massive Breakdowns und reichlich Bewegung im Pit waren ein Garant für verschwitzte, aber auch glückliche Gesichter. Regen und Müdigkeit? Waren zu diesem Zeitpunkt längst vergessen.

Begonnen hatte der Tag ja mit Frauenpower, rockte zunächst die charismatisch-fröhliche spanische Indie-Girl-Formation Hinds auf der Blue Stage. Dann versprühte bei The Last Internationale Sängerin Delila Paz mit röhrender Stimme und Laufbereitschaft viel Energie. Gitarrist Edgey Pires schleuderte fette Gitarren-Soli über die Pannonia Fields. Die Band hat eine Intention: “Unsere Botschaft ist radikal, wir hassen den Status Quo, wir mögen diese Politiker nicht, egal ob linker Flügel, rechter Flügel oder Hühner-Flügel.”

Links, rechts, mitte? Egal, am morgigen Samstag werden die Menschen die Pannonia Fields wieder zum Beben bringen. Neben alten Haudegen wie Bad Religion oder The Offspring werden etwa die Dänen Volbeat ihren Elvis-Metal darbieten, während Seiler und Speer den Austropop auf ihre Weise ins Heute holen. Wem das zu geradlinig ist, der kann sich abschließend bei Deichkind in Dadaismus und Party-Ekstase üben. Das Leben musst weitergehen – und das Festival auch.

Von: apa

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