Voller Einsatz beim Konzert von Manu Chao

Manu Chao mit weltmusikalischer Lebensfreude beim Frequency

Sonntag, 21. August 2016 | 05:25 Uhr

Gerne wird bei Sommerfestivals ein gewisser Geist beschworen: Woodstock und Konsorten müssen quasi seit Jahrzehnten herhalten, um heutigen Generationen als Vergleich zu dienen. Wer im 21. Jahrhundert aber eindeutig das Feeling längst vergangener Zeiten versprüht, ist der Franzose Manu Chao. Mit seiner Band sorgte er zum Abschluss des Frequency in St. Pölten für gute Laune ohne Kompromisse.

Wobei man Jose-Manuel Thomas Arthur Chao zugutehalten muss, dass er selbst das Publikum mit kaum Kontakt zu seinem Material ohne Probleme um den Finger wickeln kann. Mit ordentlich Verve und noch mehr Sympathie ausgestattet, sorgte der 55-Jährige mit seiner Band für viel Bewegung vor und auf der Bühne. Hits? Ja, die gab es auch, aber grundsätzlich klang hier vieles gleich – was keineswegs als langwierige Konzertsituation auszulegen war. Vielmehr durfte man sich mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und einer perfekt disponierten Bläser-Partie in die frühen Morgenstunden wiegen. Auftritte mit politischer Agenda und qualitativem Zusatz sind ohnehin eine fix gebuchte Bank bei Manu Chao.

Kaum weniger überzeugend lief das Parallelprogramm auf der zweiten Bühne ab: Die südafrikanischen Die Antwoord konnten von den US-Rockern Limp Bizkit eine reichlich enthusiasmierte Fanschar übernehmen, die nach gut einer Stunde einfach gestricktem, aber offenbar bestens funktionierenden Rap-Rock für noch eine Schippe mehr Verrücktheit gewappnet waren. Als Kerngruppe zu Zweit unterwegs, gab das Duo genau das, was man sich wünschen konnte: Verquere Sounds, klare Ansagen und reichlich Mittelfinger, um die Menschen vor der Bühne zu ebensolchen Ausdrucksweisen zu bewegen. Und ja, es funktionierte,

Noch etwas spärlicher besucht war die Darbietung von Coheed and Cambria am Nachmittag: Die US-Rockband, deren Sänger Claudio Sanchez mit der eindruckvollsten Haarpracht des ganzen Festivals punkten konnte, sorgte auch in gelichteten Reihen für ordentlich Stimmung. Zwar hat man sich mit dem aktuellen Album “The Color Before The Sun” von dem eigenen Science-Fiction-Konzept, das auch den Bandnamen prägt, entfernt – aber auch ohne die Weiten des Alls konnte das tief im Progressive Rock verwurzelte Liedgut punkten. Dennoch waren es Großtaten wie “Welcome Home” oder der Setopener “In Keeping Secrets Of Silent Earth”, die dank zweifacher Lead-Führung und mehrstimmigem Gesang alle Wünsche zufriedenstellten.

Ähnlich gelagert, aber noch weiter in die Vergangenheit reichte der Auftritt von Skunk Anansie: Die britische Gruppe rund um Frontfrau Skin ist zwar nach wie vor aktiv, hatte aber eindeutig ihre Hochzeit im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrtausends. Das belegte man aber auch eindrucksvoll dank Nummern wie “Hedonism” oder dem düsteren Ausflug “Charlie Big Potato”. Vor allem aber war es die 49-jährige Sängerin, die mit ihrer unbändigen Energie knapp eine Stunde lang das gesamte Publikum auf ihre Seite zog: Egal ob mit trendigem Kapperl, für eines der Highlights mitten im Publikum unterwegs oder ganz einfach voll motiviert in die Menge brüllend – so eine Leistung wünscht man sich jeden Tag.

Dass Alternative Rock gut ankommt, bewiesen auch Bloc Party: Die Band um Sänger Kele, die sich für das aktuelle Album “Hymns” nicht nur inhaltlich eine Spur neu definiert hat, sondern auch das eigene Line-up veränderte, konnte dank leicht angepasster Lichtverhältnisse – die Traisen zog zu diesem Zeitpunkt wohl erstmals weniger Leute an als das musikalische Angebot – den standesgemäßen Andrang in voller Linie befriedigen. Älteres Material, das stärker einer Rockidee nachspürte, aber auch aktuelle Songs mit stärkerem Elektronikeinschlag fanden gleichermaßen ihre Abnehmer und wurden gefeiert. Womit die Band quasi einen Aufwärmer zu den famosen Bob Moses gab, die im Night Park als Auftakt für den entsprechenden Übergang in die reichlich programmierten Nachtstunden sorgten.

Insgesamt lässt sich allerdings zusammenfassen – und dafür waren auch die zwischen hartem Blues-Rock und leicht elektronischen Beats changierenden Kills ein gutes Beispiel -, dass das diesjährige Frequency wohl nicht alle Erwartungen erfüllt hat. Zwar wurde dank Rock, Pop, Reggae, Hip-Hop und den diversesten Spielarten der elektronischen Musik ein vielleicht so breites Publikum wie nie angesprochen. Allerdings waren es im Endeffekt nur Schlaglichter, die die unterschiedlichsten Erwartungen erfüllen konnten. Abwechslung ist zwar immer ein hoch anzurechnendes Gut. Aber wenn darunter die Qualität sowie der quantitative Anspruch leiden, dann sollte man sich wahrscheinlich für kommende Ausgaben etwas überlegen.

(S E R V I C E – www.frequency.at)

Von: apa

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