Abramovic verwendet den menschlichen Körper als "Material"

Marina Abramovic mit Globart Award 2018 geehrt

Donnerstag, 26. April 2018 | 08:20 Uhr

Vor der berühmten Theseusgruppe von Antonio Canova auf der Prunkstiege des Wiener Kunsthistorischen Museums hat die Performancekunst-Pionierin Marina Abramovic am Mittwochabend den Globart Award 2018 entgegengenommen. Die Marmorstatue symbolisiere Kraft und Mut, zeigte sich die 71-Jährige vom Schauplatz angetan und bedankte sich für den glamourösen Rahmen der Verleihungs-Zeremonie.

Anders jedoch als jene Künstler, die mit Marmor, Leinwand oder etwa wie der Globart-Preisträger Michael Haneke mit Film arbeiteten, sei sie glücklich, den menschlichen Körper als ihr Material gefunden zu haben. Und besonders glücklich sei sie auch, nach einer 50-jährigen Karriere, in der sich anfangs niemand für ihre immaterielle Kunst interessiert habe, nun vor allem eine junge Künstlergeneration als begeisterte Anhängerschaft ihrer Arbeit zu wissen. Sie nehme den Preis als Ansporn, ihren Weg fortzusetzen. Dieser Weg bedeute Kontinuität in der Veränderung: “Denn nur wenn du dich selbst änderst, kannst du andere ändern!”, sagte die Künstlerin, deren bis 9. Juni laufende Ausstellung “Two Hearts” am Donnerstagabend in der Wiener Galerie Krinzinger eröffnet wird.

KHM-Generaldirektorin Sabine Haag würdigte Abramovic als “eine der einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart”, die “radikal, kontroversiell und hoch angesehen” sei. Alanna Heiss, die Gründerin und frühere Leiterin des New Yorker MoMA PS1 nannte sie eine Forscherin und “queen of excess” und erinnerte sich an die 1989 von ihr betreute Ausstellung von Franz Wests Möbelobjekten in der Gemäldegalerie, mit der zeitgenössische Kunst zwischen den Alten Meistern erstmals Einzug gehalten habe. Schmunzelnd ergänzte Heiss: Der enorme Publikumsansturm habe jedoch leider nicht West gegolten, sondern sei der Öffnung der Ost-Grenze geschuldet gewesen, wie ihr der damalige Erste Direktor Hermann Fillitz erklärt habe.

Die von einer Fanfare von Wolfgang Mitterer, einer Lesung von Elisabeth Orth aus Abramovic’ Autobiografie “Walk through walls” und eindrucksvollen Auftritten des Arnold Schoenberg Chors (für die sich Abramovic Stücke von Bach und Arvo Pärt gewünscht hatte) untermalte Verleihung sah u.a. Ex-Kulturminister Josef Ostermayer, MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein, Kunsthaus Wien-Chefin Bettina Leidl, Konzerthaus-Intendant Matthias Naske und Künstlerin Martha Jungwirth als Gäste.

Die undotierte Auszeichnung, die vor ihr u.a. Hans Küng, Riccardo Muti, Freda Meissner-Blau oder Tino Sehgal erhalten hatten, wurde Abramovic für “ihr künstlerisches Lebenswerk und ihr Vorbild” verliehen: “Sie sprengt nicht nur die Grenzen der Kunst, sondern fesselt unzählige Menschen mit ihrer Suche nach Wahrheit und lässt sie zum Vorbild für Generationen werden”, hieß es in der Begründung.

GlobArt wurde 1997 im Kloster Pernegg gegründet. Man bezeichnet sich als “andere Denkwerkstatt” und versteht sich als “lebendige Allianz zwischen Kunst und Wissenschaft”.

Von: apa