Ein Schrebergarten auf der Schmelz dient Markovics als Kulisse

Markovics dreht seinen dritten Kinospielfilm “Nobadi”

Donnerstag, 12. April 2018 | 15:05 Uhr

Kleingartenidylle in der Großstadt: Ein Schrebergarten auf der Schmelz dient Karl Markovics derzeit als Kulisse für seinen dritten Kinospielfilm. “Nobadi” handelt “im Großen von der Verletzlichkeit der menschlichen Existenz”, sagte der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler am Donnerstag im Rahmen eines Setbesuchs im 15. Bezirk. In die heimischen Kinos kommt der Film 2019.

Ein Magnolienbaum in fast voller Blüte, erste Narzissen, die ihre Blüten öffnen und ein holzverkleidetes Schrebergartenhäuschen aus der Gründerzeit mit niedriger Decke und einer engen Treppe, die in ein Mansardenzimmer führt: “Einerseits ein Idyll, andererseits etwas hermetisch gegenüber der Außenwelt Abgeschnittenes”, beschrieb Markovics, warum die Wahl des Drehortes gerade auf die Kleingartensiedlung auf der Schmelz fiel.

In “Nobadi” erzählt Marcovics die Geschichte zweiter Menschen, die nichts miteinander gemeinsam haben, aber ein paar Stunden miteinander teilen. Ein alter Mann am Ende seines Lebens, ein junger afghanischer Flüchtling, der für vier Euro die Stunde ein Loch gräbt, für einen toten Hund, der fünf bis sechs Stunden im Vorbau des Häuschens liegt, viel mehr wollte Markovics, der eine erste Fassung für das Drehbuch in nur sieben Wochen schrieb, vorerst über den konkreten Inhalt nicht preisgeben.

Nur soviel: Vergangenes und Zukünftiges begegnen einander anhand der Figuren des Filmes. “Die Vergangenheit klarerweise verkörpert von der Hauptfigur des Heinrich Senft, der am Ende seines Lebens steht und den, nachdem sein Hund, sein letzter Lebensgefährte, gestorben ist, nichts mehr im Leben hält. Und eben die Zukunft in Gestalt eines jungen afghanischen Mannes, der versucht, überhaupt eine Zukunft zu bekommen, indem er aus seiner Heimat geflohen und hierhergekommen ist”, umriss der 54-Jährige die Hintergründe der Handlung.

Zutage komme im Laufe der Handlung die Bedingung von Vergangenheit und Zukunft. “Wenn man mit der Vergangenheit nicht im Reinen ist, so wird die Zukunft immer auch eine Altlast in der Vergangenheit sein”, brachte es Markovics am Set des achten Drehtages auf den Punkt. “Aus dem Loch im Hintergarten kommen jetzt keine buchstäblichen Leichen. Was da rauskommt verrate ich nicht, aber es wird der absolute Knaller”, verkündete der für seinen ersten Film “Atmen” mehrfach ausgezeichnete Drehbuchautor launig. Im Film erzähle er aber auf jeden Fall eine Geschichte, aus der sehr konkret klar werde, “welche Vergangenheit sich mit welcher Zukunft versöhnen muss oder könnte.”

Auslöser für den Film war für Marcovics die vom früheren SPÖ-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil im Zuge der Flüchtlingssituation einberufene Sicherheitskonferenz mit dem Westbalkanstaaten. “Ich hatte plötzlich ein ganz übles Gefühl. Plötzlich war wieder eine Fiktion da, wie man sie nicht gerne hat: Nämlich, dass Täter und Opfer umgedreht werden”, so der Regisseur.

Mit Borhan Hassan Zadeh als afghanischer Flüchtling Adib Ghubar gelang es Markovics, einen 23-Jährigen zu verpflichten, der die Thematik der Flucht aus eigener Hand kennt. 2012 kam der junge Mann, der neun Sprachen und Dialekte spricht und in Afghanistan bereits mit 14 Jahren ein Restaurant führte, nach Österreich. Nach ersten Erfahrungen mit kleinen Theater- und Musikerrollen im Rahmen eines von der Schauspielerin Hilde Dalik ins Leben gerufenen Projekts, ist “Nomadi” der erste Film und die erste Hauptrolle des Afghanen. Dalik war es auch die Zadeh zum Casting schickte.

“Am zweiten Drehtag war es ein bisschen schwierig”, räumte Zadeh gegenüber der APA ein. “Mit Karl Markovics fühlt es sich aber so an, als sei es gar nicht so schwer”, streute der 23-Jährige seinem Regisseur Rosen, den er als sehr motivierend erlebe. Weitere Filmrollen könne er sich durchaus vorstellen – “es macht Spaß” – wenn dann aber in Kombination mit seinem absoluten Traumberuf als Flugbegleiter. ” Eine Bewerbung habe ich gerade geschrieben”, erzählte Zadeh.

Neben Zadeh spielt Heinz Trixner den 91-jährigen Einzelgänger Heinrich Senft. In “essenziell wichtigen Nebenrollen”, so Markovics, sind darüber hinaus Konstanze Dutzi, Tala AL Deen, Maria Fliri und Julia Schranz in zu sehen. Gedreht wird seit 3. April und noch bis 17. Mai an 30 Tagen in Wien und Niederösterreich. Kinostart des von Epo-Film produzierten Streifens ist 2019. Den Verleih übernimmt Thimfilm.

Von: apa