Neue Speichermethode wird für Musik der Kultband ausprobiert

Massive Attack will Album auf Erbmaterial DNA archivieren

Montag, 23. April 2018 | 11:36 Uhr

Die britische Kultband Massive Attack möchte ein gesamtes Album mit Hilfe künstlicher DNA speichern lassen. Die atmosphärisch klingende Musik aus dem Album “Mezzanine” soll auf kleinen DNA-Schnipseln codiert werden, die in Glaskügelchen eingegossen werden. Mit dem Album gelang der Band vor 20 Jahren der internationale Durchbruch.

“Wir schaffen es auf diese Weise, die Musik für Hunderte bis Tausende Jahre zu archivieren”, sagte Robert Grass von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. CDs werden eine Haltbarkeit von einigen Jahrzehnten nachgesagt.

Das Team um Grass übersetzte die digitale Tonspur des Albums in den genetischen Code. “Während auf einer CD oder einer Computerfestplatte die Information in einer Abfolge von Nullen und Einsen gespeichert ist, speichert die Biologie genetische Information in einer Abfolge von vier DNA-Bausteinen – A, C, G und T”, erklärt Grass.

Eine US-Firma stelle nun 920 000 kurze DNA-Schnipsel her, auf denen die gesamte Information gespeichert sei. Diese sollen laut ETH in 5000 winzige Glaskügelchen eingebracht werden. Es sei jederzeit möglich, die DNA wieder aus den Kügelchen herauszulösen und zu lesen.

“Im Unterschied zu traditionellen Datenspeichern ist es zwar recht aufwendig und teuer, Informationen auf DNA zu speichern”, sagte Grass. “Von einmal auf DNA gespeicherter Information können wir jedoch mit nur minimalem Aufwand schnell und kostengünstig Millionen von Kopien erstellen.” Die Technik haben die Forscher vor drei Jahren an entwickelt. Neu sei der kommerzielle Einsatz.

Nach Angaben der ETH wird es mit 15 Megabyte die zweitgrößte in DNA gespeicherte Datei. US-Forscher und der Konzern Microsoft hatten bereits über 200 Megabyte auf DNA gespeichert (“Nature Biotechnology” 2018), darunter war die Erklärung der Menschenrechte und ein Video der Band OK Go.

Von: APA/dpa