Der schönste Bilderrahmen der Welt

Meer aus Schwarz-Weiß: Der “Eiserne” der Staatsoper 2018/19

Freitag, 02. November 2018 | 13:27 Uhr

“Loin d’ici” heißt das neue Kunstwerk, das in der aktuellen Saison 2018/19 den Eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper ziert. Ein Blick in die Ferne, ein Meer in Schwarz-Weiß. Der belgische Künstler Pierre Alechinsky hat die 176 Quadratmeter Fläche im “schönsten Bilderrahmen der Welt” gestaltet, wie Staatsoperndirektor Dominique Meyer bei der Präsentation am Freitag sagte.

Alechinsky, der vor wenigen Tagen 91 Jahre alt geworden ist, hat sich in seiner langjährigen Beschäftigung mit der Druckgrafik immer mehr der Reduktion der Mittel und der Konzentration der Form verschrieben. 2.000 Lithografien hat er geschaffen, für die Staatsoper entschied er sich, das Meer zu evozieren. Eine Erinnerung an den Atlantikwall sei es für ihn, wird er in einem Interview mit Jury-Mitglied Hans-Ulrich Obrist zitiert. “Das Meer bedeutete, denjenigen zu erwarten, der vom Meer kommt.”

Sie sehe darin auch eine biografische Note, so Albertina-Kuratorin Antonia Hoerschelmann am Freitag. Alechinskys Familie habe jüdisch-russische Vorfahren, die aus Odessa stammten. Das tiefe Schwarz, das auf der Fläche breiten Raum einnimmt und eine von einer Welle durchzogene Wasserfläche vom Horizont trennt, sieht sie im Sinne einer inneren Dunkelheit, die Alechinsky Zeit seines Lebens in sich trage. Der Künstler, der zu den zentralen Figuren der französischen Gruppe CoBrA zählt und heuer mit dem “Praemio Imperiale” ausgezeichnet wurde, stelle in seinem Werk stets auch eine “Brücke zwischen westeuropäischer und asiatischer Kultur” her, erzählte Kathrin Messner von “museum in progress”, die mit der Umsetzung des Vorhang-Projekts betraut sind.

Für Direktor Meyer war Alechinsky auch ein persönlicher Wunschkandidat für die Gestaltung des Eisernen, die jede Saison seit 1998 von einem anderen international renommierten Künstler vorgenommen wird. Er habe ihn bereits vor vielen Jahren kennengelernt, als Alechinsky eine Auftragsarbeit im französischen Kulturministerium ausführte, und Meyer dort als Berater tätig war. Umso mehr freue es ihn nun, sein Werk den etwa 600.000 Opernbesuchern und 280.000 Teilnehmern von Führungen durch das Haus, bekannt zu machen. Dass diese vor dem großformatigen Bild mehr Zeit verbringen werden, als in einem Museum oder einer Galerie üblich, nimmt der Künstler selbst im Interview zur Kenntnis. “Hier sind sie zum Betrachten verurteilt.”

Von: apa

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