Ausgearbeitete Empfehlungen an Lehrkräfte und Bildungspolitik

Mehrsprachigkeit in Südtiroler Klassenzimmern fördern

Donnerstag, 18. Juni 2015 | 18:07 Uhr

Bozen – In Südtirols Schulklassen ist sprachliche Vielfalt längst Alltag. Viele Lehrkräfte wissen jedoch nicht, wie man dieses vorhandene Potential im Unterricht für alle Schüler ausschöpfen kann. Bessere Kenntnisse über Mehrsprachigkeit und den Umgang mit Sprachenvielfalt in den Klassen sollten daher als Pflichtelemente bereits in die Lehrerausbildung aufgenommen werden. Diese und weitere Empfehlungen haben Sprachwissenschaftler der EURAC nun Vertretern aus Bildungspolitik und Lehrerfortbildung auf lokaler und internationaler Ebene übergeben. Ausgearbeitet wurden sie im gerade abgeschlossenen EU-Projekt AMuSE (Ansätze zur Mehrsprachigkeit an Schulen in Europa).

Verpflichtende Module zu sprachwissenschaftlichem Wissen über Mehrsprachigkeit, zum Erst- und Zweitspracherwerb, zu Konzepten und Methoden der Mehrsprachigkeitsdidaktik sowie konkrete Einblicke in Migrantensprachen für die Lehrkräfte, entsprechende finanzielle Ressourcen seitens der Bildungspolitik und mehr Zusammenarbeit mit den Sprachwissenschaftlern. Insgesamt 19 Empfehlungen zur Förderung der Mehrsprachigkeit in der Schule, die sich auf eine begleitende Auswahl von über 90 Empfehlungen aller Projektpartner stützen, sind auf der Internetseite amuse.eurac.edu nachzulesen. Dort findet sich auch eine frei zugängliche Online-Datenbank mit Publikationen und Unterrichtsmaterialien zum Thema Mehrsprachigkeit. Dies sind die Ergebnisse aus dem EU-Projekt AMuSE, die die Sprachforscher des EURAC-Instituts für Fachkommunikation und Mehrsprachigkeit mit Forscherkollegen aus der Schweiz, Österreich, Schweden, Estland und der Türkei in den vergangenen drei Jahren erarbeitet haben. Ziel des Projekts war es, die bereits vorhandene Mehrsprachigkeit in europäischen Schulklassen besser zu nutzen und zum Vorteil für die gesamte Gesellschaft zu fördern.

Zu Beginn des Projekts erhoben die Forscher auch den aktuellen Stand in verschiedenen europäischen Minderheitenregionen und wie die Schulen dort jeweils mit Mehrsprachigkeit umgehen. „Südtirol hat bereits viel Erfahrung im Umgang mit Mehrsprachigkeit, insbesondere mit dem Schutz von autochthonen Minderheitensprachen, und kann in dieser Hinsicht auch als Modellregion gelten. Dennoch scheint ein neuer Blick auf eine immer größer werdende Sprachenvielfalt nötig zu sein“, sagt Andrea Abel, Leiterin des EURAC-Instituts für Fachkommunikation und Mehrsprachigkeit. Als mehrsprachig gelte tendenziell, wer die Landessprachen beherrsche und dazu das Englische oder eine andere klassische Fremdsprache. Die tatsächlich vorhandene Mehrsprachigkeit der Schülerschaft, die auch viele weitere Sprachen umfasst, werde im schulischen Umfeld jedoch nach wie vor zu wenig wahrgenommen und als Potential genutzt. „Die erweiterten Sprachenrepertoires der Schüler finden bislang noch unzureichend Anerkennung“, resümiert Dana Engel, Projekt-Mitarbeiterin der EURAC. Die im Projekt erarbeiteten Empfehlungen haben die Forscher Vertretern aus Bildungspolitik und Lehrerfortbildung übergeben.  

Von: ©mk

Bezirk: Bozen