Staatsoperndirektor Dominique Meyer geht in seine letzte Spielzeit

Meyer sagt mit sechs Premieren als Staatsoperndirektor adieu

Mittwoch, 03. April 2019 | 13:07 Uhr

Mit sechs Opernpremieren verabschiedet sich Staatsoperndirektor Dominique Meyer aus Wien: Der Chef des Hauses am Ring präsentierte am Mittwoch die Vorhaben für seine letzte Saison. Dazu zählen mit Olga Neuwirths “Orlando” und Albin Fries’ Kinderoper “Persinette” auch zwei Uraufführungen. Insgesamt sind in der Spielzeit 2019/20 58 verschiedene Opern und 21 Ballette an der Staatsoper zu sehen.

Zugleich wird in der kommenden Saison vielfach der Abschied des Hauschefs präsent sein. Mit einem Galakonzert am 28. Juni 2020 verabschiedet sich die Staatsoper von ihrem scheidenden Direktor, der die Leitung an Bogdan Roscic übergeben wird. Bei der Gala treten viele der in der Ära Meyer engagierten Ensemblesänger nochmals auf. Seine persönlich letzte Vorstellung am Haus wird dann am 30. Juni der “Falstaff” unter dem Dirigat von Zubin Mehta. “Das ist ein schönes Abschiedsprogramm – nicht zu schwer mit ein bisschen Charme. Es endet gut”, zeigte sich Meyer versöhnlich, in dessen Amtszeit 3.231 Vorstellungen am Ring angesetzt waren – mit 107 Titeln von 44 Komponisten.

Den Auftakt des letzten Meyerschen Premierenreigens stellt dann mit Benjamin Brittens “A Midsummer Night’s Dream” ein Werk des 20. Jahrhunderts dar, das am 2. Oktober in der Inszenierung von Irina Brook auf die Bühne kommt, wobei Simone Young im Graben das weibliche Führungsduo komplettiert. Auch ein Frauenduo wird dann am 8. Dezember für die Uraufführung von Olga Neuwirths “Orlando” verantwortlich zeichnen, ist hier doch Karoline Gruber als Regisseurin verpflichtet. Mit dem Hausdebütanten Matthias Pintscher gibt bei der Gelegenheit allerdings auch ein Mann am Pult seinen Einstand in der Staatsoper.

Eine zweite Uraufführung folgt dann ebenfalls noch im Dezember, wenn am 21. des Monats die Kinderoper “Persinette” von Albin Fries in der Regie von Matthias von Stegmann im Haupthaus Premiere feiert, wobei mit Olga Bezsmertna einer der Staatsopernstars die Titelpartie singt. Ins Beethoven-Jahr zum 250. Geburtstag des Komponisten 2020 klinkt man sich dann am 1. Februar mit der “Fidelio”-Urfassung “Leonore” ein – ein langgehegter Wunsch von Meyer. In der Regie von Amelie Niermeyer singen unter anderen Jennifer Davis, Benjamin Bruns und Thomas Johannes Mayer.

Ebenfalls einen Klassiker hat man am 22. Mai im Talon, wenn Mozarts “Cosi fan tutte” die Mutis ans Haus bringt: Altmeister Riccardo Muti führt das Staatsopernorchester im Graben, während Tochter Chiara Muti die Inszenierung mit Sängern wie Genia Kühmeier und Marianne Crebassa übernimmt. Den Abschluss des Premierenfeuerwerks begeht man dann am 15. Juni mit Verdis “Un ballo in maschera”, der von Gärtnerplatz-Direktor Josef Ernst Köpplinger mit Stars wie Francesco Meli und Ludovic Tezier gestaltet wird.

Nicht zuletzt hat auch Ballettdirektor Manuel Legris neben der traditionellen Nurejew Gala am 25. Juni 2020 zum Abschied noch zwei Ballettpremieren im Talon: Am 2. November ist George Balanchines “Jewels” zu erleben, während am 4. März der dreiteilige Abend mit “Movements to Stravinsky” von Andras Lukacs, “Between Dogs and Wolves” von Pontus Lidberg und “White Darkness” von Nacho Duato angesetzt ist.

Klingen sollen im Haus aber nicht nur die Werke, sondern auch die Namen, und so finden sich unter den Sängern der kommenden Saison Stars wie Anja Harteros und Angelika Kirchschlager, Anna Netrebko und Nina Stemme, Sonya Yoncheva und Roberto Alagna, Placido Domingo, Rene Pape oder Bryn Terfel. Dabei feiern einige der Sänger auch persönliche Rollendebüts auf den Brettern der Staatsoper, wenn etwa Waltraud Meier erstmals in der “Salome” die Herodias singt, Max Emanuel Cencic seinen Einstand als Polinesso in “Ariodante” gibt, Andreas Schager in der “Frau ohne Schatten” zum ersten Mal den Kaiser singt oder Aida Garifullina mit der Violetta aus der “Traviata” und der Mimi aus der “Boheme” gleich mit zwei Großpartien debütiert. Am Pult im Orchestergraben feiert indes Altmeister Hartmut Haenchen seinen Staatsopern-Einstand.

Insgesamt gibt es in der kommenden Spielzeit 223 Opernvorstellungen sowie 54 Einsätze des Balletts. Neben dem szenischen Spielplan sind auch acht Solistenkonzerte, die Matinee-Reihe mit jungen Ensemblesängern und die Kammermusikreihe der Wiener Philharmoniker mit sieben respektive zehn Terminen angesetzt. Die Zahl der im Streamingdienst www.staatsoperlive.com übertragenen Vorstellungen beläuft sich auf 45. Und in den warmen Monaten April, Mai, Juni und September gibt es je rund 20 Vorstellungen, die in der Schiene “Oper live am Platz” auf den Herbert-von-Karajan-Platz übertragen werden.

Nicht zuletzt führt man die Feierlichkeiten zum 150-Jahr-Jubiläum der Staatsoper fort, in deren Rahmen bereits ein Symposium abgehalten wurde und die am 25. Mai mit der Premiere der “Frau ohne Schatten” einen ersten Höhepunkt erreichen. Am 16. Mai eröffnet zuvor noch im Theatermuseum eine Ausstellung zum Ballett an der Staatsoper, während am 26. Mai mit einem Open-Air-Konzert am Karajan-Platz der glamouröse Abschluss erreicht wird. Eine ganze Jubiläumswoche soll überdies mit Großschirmen in den Landeshauptstädten und etwa auch in Moskau die Feiern begleiten. “Es wird nicht nur ein kleines Fest für uns, sondern breit und international”, freute sich Meyer.

Anlässlich der Präsentation der Vorhaben für seine letzte Spielzeit als Direktor präsentierte Meyer am Mittwoch auch die aktuelle Bilanz seines Hauses. “Diese Zahlen sind ein Traum”, zeigte sich der 63-Jährige euphorisch. Im Jahresvergleich der Vorstellungen von 2. April 2018 zu 2. April 2019 sind die Einnahmen von 23,727 Mio. Euro auf 25,911 Mio. Euro gestiegen.

Die durchschnittlichen Einnahmen pro Vorstellung stiegen von 119.833 auf 132.198 Euro. Entsprechend gut gestaltete sich auch die Sitzplatzauslastung. “Die Auslastung hat Zahlen wie in der Sowjetunion”, zeigte sich Meyer selbst verblüfft. Insgesamt stieg diese von 98,55 auf 99,21 Prozent. Im Opernbereich verzeichnete man 99,37 Prozent (nach 98,85 Prozent), im Ballett gar 99,88 Prozent (nach 98,02 Prozent). “Erstmals in der Geschichte sind die Zahlen des Balletts damit besser als in der Oper”, betonte Meyer.

Die persönliche Gesamtbilanz des mit Ende der Saison 2019/20 an Bogdan Roscic übergebenden Staatsoperndirektor: “Gott sei Dank sind unsere Ergebnisse fantastisch.” Wenn in der kommenden Spielzeit alles planmäßig gehe, werde er einen Finanzpuffer von 16 Mio. Euro an seinen Nachfolger übergeben können: “Es ist mir sehr wichtig, dass man nicht sagen kann, dass der Meyer das Haus in einem schlechten Zustand hinterlassen hat.”

Mit einem Galakonzert am 28. Juni 2020 verabschiedet sich die Staatsoper von ihrem scheidenden Direktor, der die Leitung an Roscic übergeben wird. Bei der Gala treten viele der in der Ära Meyer engagierten Ensemblesänger nochmals auf. Seine persönlich letzte Vorstellung am Haus wird dann am 30. Juni der “Falstaff” unter dem Dirigat von Zubin Mehta. “Das ist ein schönes Abschiedsprogramm – nicht zu schwer mit ein bisschen Charme. Es endet gut”, zeigte sich Meyer versöhnlich, in dessen Amtszeit 3.231 Vorstellungen am Ring angesetzt waren – mit 107 Titeln von 44 Komponisten.

Von: apa

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