Wien Museum lockt mit dem menschlichen Körper

“Mit Haut und Haar” – Wien Museum widmet sich Körper

Mittwoch, 18. April 2018 | 13:40 Uhr

Nach der 2016 präsentierten Sex-Schau widmet sich das Wien Museum erneut dem menschlichen Körper – dieses Mal aber eher den permanent sichtbaren Teilen. Die neue Sonderausstellung “Mit Haut und Haar” zeigt, wie sehr Normen und Moden unser äußeres Erscheinungsbild verändert haben und dies noch immer tun. Beleuchtet werden Methoden, Werkzeuge und Ideale in Sachen Schönheit bzw. deren Pflege.

“Ich gehe davon aus, dass sie sich heute bereits mit Haut und Haaren beschäftigt haben”, begrüßte Kuratorin Susanne Breuss die Besucher der Pressepräsentation. Der Körper sei keineswegs nur Natur, sondern stets auch ein Kulturprodukt, wurde betont. Vor allem in jenem Zeitraum, dem sich die Schau widmet, habe es diesbezüglich viele Veränderungen gegeben – also im Zeitraum vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Mit Haar- und Hautpflege kann nicht nur der soziale Status vermittelt werden, auch politische Aussagen können damit getroffen werden – wie es etwa die Punks mit ihrer bunten Haarpracht taten, die als nonkonformistisches Signal zu deuten war bzw. ist. Auch die klare optische Differenzierung der Geschlechter ist damit möglich.

Gegliedert ist die Ausstellung in vier Teile. Der erste Part beschreibt die unterschiedlichen “Blicke auf den Körper”. Wichtigster Artefakt hier ist jenes Instrument, das uns den Blick auf uns erst ermöglicht: der Spiegel. Die Auswahl reicht vom kleinen Taschenspiegel bis zum Spiegelschrank. Kapitel zwei nennt sich “Arbeit am Körper”, es ist unter anderem jenen gewidmet, die mit dieser beauftragt werden können – also etwa Barbiere, Kosmetiker oder Perückenmacher. Zu bewundern ist unter anderem Mobiliar aus einem Friseursalon der vorigen Jahrhundertwende.

“Vorbildliche Körper” verweist dann auf den Umstand, dass die Gestaltung desselben stets von Konventionen und Idolen beeinflusst wird. Eine wichtige Rolle nehmen hier Ratgeber und Zeitschriften ein. Auch heimische Schönheitsköniginnen werden porträtiert, wie etwa die einzige österreichische Miss Universe, Lisl Goldarbeiter, die 1929 als erste Nicht-US-Amerikanerin den Titel holte. Das letzte Kapitel (“Körperzeichen”) zeigt, wie Haar und Haut als visuelle Chiffren fungieren. Das gilt etwa für höfische Perücken, lange Männerhaare, blasse oder gebräunte Haut bzw. geschminkte Gesichter.

Insgesamt 500 Exponate werden gezeigt – darunter Rasiermesser von Franz Grillparzer, eine Perücke von Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst, ein Haarband mit der Aufschrift “Bad-Hair-Day” oder auch Dauerwellenapparate. Der letzte Schrei in Sachen Gesichtsbehaarung ist im Wien Museum übrigens auch in der Führungsebene eingezogen: Direktor Matti Bunzl präsentierte heute stolz seinen offenbar relativ neuen Bart.

Von: apa