Berührender Abend mit Österreichs Everest-Oldies

Mountainfilm 2018 macht auch Mount Everest-Besteigung von Messner zum Thema

Freitag, 16. November 2018 | 08:45 Uhr

Das diesjährige Mountainfilmfestival hat am Donnerstagabend seinen emotionalen – und wohl auch von der historischen Dimension her – Höhepunkt erlebt. Im beinahe ausverkauften Grazer Stefaniensaal trafen sich fünf ehemalige Teilnehmer der legendären österreichischen Expedition vom Frühjahr 1978 auf den Mount Everest.

Die damalige Expedition zeitigte nicht nur die österreichische Erstbesteigung des mit 8.848 Metern Seehöhe höchsten Berges der Welt, sondern kurz nach dem Gipfelsturm des Teams um Wolfgang Nairz auch die erstmalige Besteigung des Mount Everest ohne Sauerstoff durch den Südtiroler Reinhold Messner und den Zillertaler Peter Habeler.

Festival-Mastermind Robert Schauer, Alpinist und Filmemacher, war damals der jüngste Teilnehmer an der Expedition. Schauer holte für den besonderen Anlass fast alle seiner noch lebenden Bergkameraden von einst nach Graz. Nach dem philosophisch-nachdenklichen Einstimmungsfilm “Pillars” (Stützen, Pfeiler), der die Naturverbundenheit und die damit einhergehende Glücksempfänglichkeit der nepalesischen Bevölkerung zum Inhalt hatte, sowie der einfühlsamen TV-Doku “Zurück zum Everest – Die Expedition 1978” des ORF-Journalisten Siegfried Giuliani, kam es auch diesseits der Leinwand zum Wiedersehen der einstigen Extrem-Bergkameraden.

Zu Wort kamen die beiden damaligen Teamärzte Raimund “Manni” Margreiter und Oswald Oelz, Expeditionsleiter Wolfgang Nairz, der Grazer Hanns Schell und Robert Schauer selbst; zusätzlich auf das Podium geholt wurde der Lungauer Alpinist und Bergführer Rupert Hauer, der in diesem Jahr zwei Mal, jeweils mit einer Gruppe von ihm geführter Touristen, den Mount Everest über die tibetanisch-chinesischen Nordseite bezwang.

Besonders interessant war, dass sich praktisch alle der anwesenden Everest-1978-Veteranen darin einig waren, dass die durch die seinerzeitige Expedition begründete Freundschaft das bleibendste und wertvollste Ergebnis ihrer Everest-Erfahrungen ist. Lediglich Lokalmatador Schell war es anzumerken, dass er bis heute damit hadert, damals und auch später nicht selbst auf dem höchsten Gipfel der Welt gestanden zu sein.

Die Podiumsdiskussion war nur die Live-Fortsetzung der großartigen Doku Giulianis, der mit fachmännischem Geschick und viel Einfühlungsvermögen alle noch lebende Expeditionsteilnehmer – im Film auch mit dabei Reinhold Messner und Peter Habeler – auf ihrer Nostalgiereise 40 Jahre nach der österreichischen Erstbesteigung mit der Kamera begleitete.

Giuliani verwendete dafür teils Filmmaterial von damals und Bilder von der heutigen Situation. Fast erschreckend der Vergleich: Trotz der exorbitanten Kosten – ein Everest-Aspirant muss heute außer Gesundheit und körperlicher Fitness auch mindestens 95.000 Euro für seine Höchster-Berg-der-Welt-Ambitionen einbringen – ist das Basislager auf der Südseite zu einer Zeltstadt beträchtlichen Ausmaßes angewachsen.

Zu denken gab auch die Rede des extra aus Wien angereisten nepalesischen Botschafters Prakash Kumar Suvedi, der an die bedrohlichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Himalaya-Natur und die Lebensweise der Bevölkerung seines Landes hinwies.

Zum Abschluss des über drei Stunden dauernden Marathonabends gab es für den Eintrittspreis von 21 Euro für das Publikum auch noch die von Reinhold Messner höchtselbst für Servus TV gedrehte Doku “Der letzte Schritt” zu sehen. Diese brachte nach Giulianis einen bleibenden Eindruck hinterlassender Vorgabe wenig Relevantes zur Ergänzung der österreichischen Berg-Erfolgssaga von 1978.

(S E R V I C E – www.mountainfilm.com)

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz