Dennis Tim zeigt den "E-Bauer aus Passeier"

Mountainfilm Graz – Der Wandel der Schwerpunkte zu Umwelt und Natur

Mittwoch, 16. November 2022 | 06:15 Uhr

Das Mountainfilm Festival Graz 2022 ist Dienstagabend mit u. a. zwei Filmen gestartet, die zeigen, wie sehr sich die Veranstaltung seit 1986 wandelte. Schwerpunkte sind nicht mehr nur alpinistische oder sportliche Leistungen. Natur und Umwelt und menschgemachte Veränderung sind nun ebenso wichtig. “Der E-Bauer aus Passeier” beschreibt Nischen, aus denen sich eine energie-autarke Landwirtschaft entwickeln kann. “Insektenkiller” zeichnet ein düsteres Bild von Agrochemie-Lobbys.

Walter Moosmair ist der titelgebende Südtiroler “E-Bauer aus Passeier” im Film des Deutschen Dennis Timm, der in der Kategorie Menschen & Kulturen startet. Der Landwirt mit seinem Hof hoch über dem Talgrund hat es sich zum Ziel gesetzt, seine Wirtschaft elektrisch zu betreiben. An einer der höchstgelegenen besiedelten Stellen Südtirols, an Hängen, an denen ein Bauer bei der Mahd eigentlich schon Seilsicherung braucht? Geht alles, wenn man ein Tüftler ist. Und bereit, als Pionier ungewöhnliche Wege zu gehen.

Der Stadl von Moosmair ist – sonnseitig gelegen – zugepflastert mit Photovoltaikzellen. Das Dach ziert nicht ein geschnitzter hölzerner Glockenturm, sondern ein Windrad Marke Kleinkraftwerk, der große Standfuß gebaut aus Kastanienholz aus dem eigenen Wald. Das leistet rund 600 Watt, nicht viel, aber eine gute Ergänzung. Einen früheren Motormäher hat der E-Bauer von Benzin auf E-Betrieb umgebaut, seine Tüftelei hat mittlerweile Reife für eine Kleinserie erreicht. Ein Wasser-Kleinkraftwerk im Tal liefert zusätzlich Energie. Für Fahrten am Gehöft und ins Tal gibt es einen E-Zoe samt Ladestation. Will die Familie einmal die Mutter der Ehefrau von Moosmair bei Stuttgart besuchen, leiht man sich für eine Woche einen Tesla von einem Hotel im Tal. Das früher so geliebte Motorrad von Moosmair setzt mittlerweile Spinnweben an – “I hob koa Luscht mehr auf Verbrenner ned” – man glaubt’s dem Moosmair gern.

“Insektenkiller – wie Chemieriesen unser Ökosystem zerstören” ist eine seltsame Mischung aus unverhohlener Bewunderung für aufopferungsvolle Einzelkämpfer weltweit und dem Bestreben, agrochemische Konzerne zu stellen, die mit Neonikotinoiden ein Vermögen verdienen, aber offenbar Umweltschäden sonder Zahl in Kauf nehmen. In Österreich sind Neonikotinoide als Pestizid im Einsatz bei der Zuckerrübenernte vor allem in Niederösterreich ins Gerede gekommen.

Die Franzosen Sylvain Lepetit, Miyuki Droz Aramaki und Sébastien Séga (Kategorie Natur & Umwelt) zeigen in weltweiten Beispielen eindringlich, was ein kaum zu kontrollierender Einsatz von Pestiziden – offiziell zum Segen der Landwirtschaft und der Ernährung einer wachsenden Milliardenzahl von Menschen – bewirkt: ein massenhaftes Sterben von Insekten, die oft gar nicht als Pflanzenschädlinge direkt ins Visier genommen werden. In Japan ist der Shinji-See binnen einem Jahr “gekippt” und fast ohne Fischbestand – laut einer Forscherin der Universität Tokio wegen des intensiven Einsatzes und der Ausschwemmung von Neonikotinoiden in den umliegenden Reisfeldern – quasi Kollateralschaden.

Nicht immer ist die Dramaturgie des Streifens schlüssig – neben der Karikatur eines US-amerikanischen Agrochemielobbyisten zeichnen vor allem Inserts von Werbefilmen von Saatgut- und Pestizid-Giganten ein düsteres, verantwortungsloses Bild von industrieller Landwirtschaft. Dem gegenüber stehen Forscher und Landwirte, die die Schädlichkeit nachzuweisen versuchen und dabei berufliche Nachteile erleiden. Doch wie es ein Forscher formuliert: “Mit dem Wegsterben der Insekten stürzt die unterste Ebene des Kartenhauses der Welt ein.” Im Abspann des Films heißt es: Anfragen an die genannten Agrochemie-Konzerne blieben unbeantwortet.

Das International Filmfestival Graz dauert von 15. bis 19. November.

Infos unter www.mountainfilm.com

Von: apa

Bezirk: Burggrafenamt

Kommentare

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1 Kommentar auf "Mountainfilm Graz – Der Wandel der Schwerpunkte zu Umwelt und Natur"


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Marco schwarz
Marco schwarz
Superredner
21 Tage 10 h

Ach du grüne Energie. Hat sich der Moosmair überhaupt mal gefragt, woher das ganze “grüne Glump” kommt? 99% aus China.
Ihr wisst wie die Bestandteile der Batterien zu uns kommen, bzw. wie sie gefördert werden? Wir sprechen hier bei uns einen ökologisch reinen Fussabdruck zu haben, während dafür aber in den Herstellerländern normal weiterproduziert wird, ohne Rücksicht auf jeglichen CO2 Ausstosswert. Tja, grüne Energie geht gut, aber nicht wie bisher auf Kosten von Anderen!!!!

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