Die Albertina will im April wieder aufsperren

Nach Theatern schließen die Museen, Finanzhilfen urgiert

Mittwoch, 11. März 2020 | 18:42 Uhr

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus bringen das österreichische Kulturleben in wesentlichen Teilen zum Erliegen. Nach den bereits gestern vollzogenen Sperren der meisten Theater, Musik- und Konzerthäuser sind seit Mittwoch auch die meisten österreichischen Museen und viele Bibliotheken geschlossen. Vorläufig gelten die Maßnahmen bis 3. April.

Nur wenige Kulturinstitutionen finden Wege, zumindest teilweise geöffnet zu halten, und versuchen dem Erlass der Bundesregierung mit einer Einschränkung der Besucherkapazitäten Rechnung zu tragen. In jedem Fall muss laut den Anordnungen verhindert werden, dass “mehr als 100 Personen in einem geschlossenen Raum zusammenkommen”. Auch in Deutschland, wo etwa in den Kulturmetropolen Berlin und München ähnlich drastische Maßnahmen wie in Österreich getroffen wurden (in Berlin gilt allerdings eine Grenze von 1.000 Personen), sind die Auswirkungen dramatisch und die Versuche, ein gewisses Kulturangebot dennoch aufrecht zu erhalten, mannigfaltig: Die Elbphilharmonie in Hamburg will ein Konzert von James Blunt am Mittwochabend im leeren Haus frei im Internet streamen, die Berliner Staatsoper Unter den Linden plant ähnliches für eine “Carmen” am Donnerstag und für die Premiere der Mozart-Oper “Idomeneo” am 22. März. Im Theater an der Wien soll die “Fidelio”Inszenierung von Christoph Waltz, deren für Montag (16.3.) geplante Premiere abgesagt wurde, wie geplant im Fernsehen ausgestrahlt werden (20. März, live-zeitversetzt um 21.20 Uhr auf ORF 2).

Immer lauter werden die Stimmen, die angesichts der zu erwartenden dramatischen wirtschaftlichen Auswirkungen der Maßnahmen auf Kulturschaffende und Kulturinstitutionen Ausgleichszahlungen der öffentlichen Hand fordern. An den großen Theatern, Konzert- und Opernhäusern ist der tägliche Einnahmenausfall beträchtlich, auch die Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, Johanna Rachinger, die derzeit den Vorsitz der Bundesmuseen-Direktorenkonferenz innehat, sagte, der Entfall von Eintrittsgeldern und Mieteinnahmen werde in den Museen zu einer schwierigen wirtschaftlichen Situation führen, die sicher thematisiert werden müsse: “Es wird schwierig werden, unsere Budgets zu halten.”

Von SPÖ und NEOS, den Gewerkschaften und den Künstlerverbänden werden Forderungen nach einem Katastrophenfonds und einem diesbezüglichen politischen Krisengipfel erhoben. Hilfe, die etwa für den Tourismusbereich versprochen worden sei, müsse auch “auf unsere schwer betroffene Branche ausgedehnt bzw. adaptiert werden”, heißt es in einem Offenen Brief der Verbände der Film-, Musik- und Buchwirtschaft. Die österreichische Staatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne), aber auch die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) versprachen, sich für betroffene Künstler und Kultureinrichtungen einzusetzen.

Von: apa