Neue Bücher: "Hoch über allem" von Sepp Mall

Science-Fiction aus China, Love Story aus Südtirol

Mittwoch, 25. Oktober 2017 | 08:20 Uhr

Cixin Liu ist einer der bekanntesten und produktivsten chinesischen Science-Fiction-Autoren. Sein Roman “Die drei Sonnen” gilt als Genre-Meilenstein. Der Heyne-Verlag hat nun die Novelle “Spiegel” als deutsche Erstausgabe im Taschenbuch-Format veröffentlicht, ergänzt mit zwei Leseproben von anderen, üppigeren Werken des Schriftstellers. Als Einstieg in die Erzähltechnik des 54-Jährigen, der Wissenschaft, chinesische Kultur und das Fantastische schlüssig verbindet, eignet sich das Büchlein ideal.

Über nur knapp mehr als 100 Seiten liefert Cixin Liu eine faszinierende Kosmogonie, eine mystische Erzählung über den Ursprung der Welt. “Die titelgebende Spiegelsimulation erschafft aus Computercode nicht nur ein digitales Ei, (…) sondern lässt auch noch ein digitales Huhn entstehen”, fasst Sebastian Pirling, verantwortlich für die deutsche Übersetzung, im Nachwort zusammen.

“Hoch über allem” – Rückblick auf eine Beziehung

Es beginnt wie ein Haneke-Film: Eine bürgerliche Familie bricht in den Weihnachtsurlaub auf. Ein “Chalet am See” wurde gemietet, ein Elternpaar, Jakob und Irene, der Sohn mit seiner Freundin, sowie Jakobs Schwiegermutter. Schon am Heiligen Abend sprengt ein Anruf die Idylle: Emma, Jakobs Tochter aus einer früheren Beziehung, berichtet aufgeregt davon, dass ihre Mutter Maria in ein Krankenhaus in ihrer Südtiroler Heimat eingeliefert wurde. Der Zustand sei kritisch, sie wisse jedoch nichts Genaues. Emma reist an und bricht schon nach kurzer Zeit mit ihrem Vater Richtung Spital auf.

Doch der Südtiroler Sepp Mall (geb. 1955) entwickelt in seinem Roman “Hoch über allem” aus dieser Ausgangssituation keinen demaskierenden Psychothriller, keinen verstörenden Krimi, sondern eine sensible Erinnerungsfahrt in die Vergangenheit einer Beziehung. Im Versuch, sich der entfremdeten Tochter wieder anzunähern, tauchen Schlüsselszenen von einst auf, in denen der Leser verfolgt, wie Maria (von ihren Freunden “Marilyn” genannt) als Südtiroler Bergbauerntochter einst als Studentin in Wien Fuß zu fassen suchte und ihren Partner mit ihrer Sprunghaftigkeit und Zerrissenheit irritierte.

Von: apa

Bezirk: Bozen