Dylan erschien nicht zur eigentlichen Preisverleihung

Nun also doch: Bob Dylan hat sich seinen Nobelpreis abgeholt

Sonntag, 02. April 2017 | 14:03 Uhr

Mit mehr als drei Monaten Verspätung hat Bob Dylan seinen Literaturnobelpreis entgegengenommen. Bei einem Treffen unter Ausschluss der Öffentlichkeit habe die Schwedische Akademie der US-Folklegende vor deren Konzert in Stockholm am Samstag die Preisurkunde und die Nobel-Medaille überreicht, sagte Akademie-Mitglied Horace Engdahl am Abend dem Sender SVT.

Auf die Frage, ob der 75-jährige US-Musiker nun endlich seinen Nobelpreis erhalten habe, antwortete Engdahl schmallippig: “Ja.” An der “privaten Feier” nahmen demnach zwölf Mitglieder des Auswahlgremiums für die Vergabe des Literaturnobelpreises teil. Zuvor hatte die ständige Sekretärin der Akademie, Sara Danius, angekündigt, das Treffen in Stockholm werde “im kleinen Kreis” stattfinden, Medien seien nicht zugelassen. Dies sei Wunsch des Preisträgers.

Im Anschluss an die heimliche Übergabe, die entgegen der Tradition wohl im Konzerthaus stattfand, in dem Dylan kurz darauf auf der Bühne stehen sollte, berichtete Danius, alle Anwesenden seien “in bester Stimmung” gewesen und hätten Champagner getrunken. Sie hätten außerdem “ziemlich viel Zeit” damit verbracht, sich die Nobelpreis-Medaille genauer anzuschauen – vor allem die “wunderschön gearbeitete Rückseite”, auf der ein junger Mann unter einem Lorbeerbaum einer Muse lauscht.

Danach besuchen Danius und Co. “Dylans außergewöhnliche Vorstellung”, wie die Chefin der Akademie in ihrem Blog schreibt. Dort hatte sie sich tags zuvor als Fan geoutet, indem sie ein Bild von sich postete: Auf dem Foto strahlt Danius im T-Shirt mit Dylan-Konterfei und der Aufschrift “Literatur 2016”. Dylan selbst fokussierte sich in gewohnter Manier auch bei seinem Stockholmer Konzert ganz auf die Musik.

Im weiten schwarzen Anzug und mit einem weißen Hut mit Krempe auf dem Kopf saß der Sänger mal am Flügel, mal stand er breitbeinig vor dem Mikrofon, den linken Arm locker angewinkelt. Zwei Stunden lang spielte die Rocklegende einige ihrer größten Erfolge wie die Anti-Kriegs-Hymne “Blowin’ in the Wind” und den Folksong “Tangled Up In Blue” sowie einige Lieder von seinen zuletzt veröffentlichten Coveralben.

Das ganze Konzert über schwieg der Nobelpreisträger über seine Auszeichnung und ließ stattdessen seine Lieder für sich sprechen. Als er den Song “Desolation Row” anstimmte, schnellten einige der überwiegend grauhaarigen Fans von ihren Plätzen auf und reißen die Arme in die Luft. In dem elf Minuten langen Versepos legt Dylan sein lyrisches Genie offen. Der Weltstar spielt eben nach seinen eigenen Regeln. Vom Publikum verabschiedete er sich am Samstagabend mit dem Song “Why Try To Change Me Now” (“Warum jetzt versuchen, mich zu ändern”) von 1952. Eine kurze Verneigung und der Literaturnobelpreisträger huscht von der Bühne.

Dylan war am 13. Oktober als erstem Musiker überhaupt der Nobelpreis für Literatur zugesprochen worden. Tagelang reagierte der 75-Jährige nicht öffentlich, was für Befremden gesorgt hatte. Erst zwei Wochen später kündigte er an, er nehme die Ehre selbstverständlich an und wolle “falls möglich” auch zur Preisverleihung am 10. Dezember nach Schweden kommen. Im November sagte er dann aber wegen “anderweitiger Verpflichtungen” ab. Er schickte stattdessen eine Dankesrede, die verlesen wurde.

Was nun noch aussteht, ist die traditionellen Nobelpreis-Rede, damit Dylan das Preisgeld in Höhe von acht Millionen Kronen (840.000 Euro) für sich reklamieren kann. Bei der Gestaltung seines Auftritts hat er dabei relativ freie Hand: Er kann eine kurze Rede halten, ein Lied singen oder sich per Videoschaltung zu Wort melden und hat dafür noch bis 10. Juni Zeit. Die Akademie habe “guten Grund” anzunehmen, dass eine “aufgenommene Version” zu einem späteren Zeitpunkt versandt werde, zeigte sich Danius zuversichtlich.

Von: APA/dpa