Bertlmann widmete sich schon früh feministischen Themen

Österreichischer Staatspreis an Renate Bertlmann

Dienstag, 10. Oktober 2017 | 16:25 Uhr

Im Kongresssaal des Bundeskanzleramtes wurde die bildende Künstlerin Renate Bertlmann (74) am Dienstag mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) würdigte sie dabei als “eine der feministischen Pionierinnen” und machte zugleich darauf aufmerksam, dass Gleichberechtigung unter Kunstschaffenden trotz zahlreicher Bemühungen noch nicht Realität sei.

Auch Laudatorin Elisabeth von Samsonow widmete sich der Geschichte der Diskriminierung von weiblichen Kunstschaffenden und warf einen Blick zurück zum Beginn des 20. Jahrhunderts, als Frauen nur sehr zögerlich die Tore zum Kunstmarkt geöffnet wurden, sich aber rasch eine starke weibliche Kunst etabliert habe. Dennoch habe die Kunstgeschichtsschreibung “nur extrem träge” auf die Existenz von Künstlerinnen reagiert. Mit Bertlmann erhalte nunmehr “eine kontrovers diskutierte, um nicht zu sagen umstrittene Person” den Staatspreis. Ihre Kunst sei “singulär wie beispielhaft” und in jedem Fall “fundamental gegendert”. Samsonow: “Diese Würdigung ist zugleich die Ankunft der Avantgarde in der Gegenwart.”

Bertlmann bedankte sich bei ihrer verstorbenen Mutter, ihrem Mann und Gabriele Schor, Sammlungsleiterin der Sammlung Verbund. In ihrer kurzen Rede thematisierte Bertlmann schließlich zwei Arten von Erfolg. Neben dem kommerziellen Erfolg sei es ihr noch wichtiger, “dass meine künstlerische Arbeit Spuren hinterlässt und wahrgenommen wird”. Insbesondere jüngere Künstler sollen dadurch bestärkt und ermutigt werden, ihre Ideen und Forderungen umzusetzen.

Der Komponist HK Gruber, Vizepräsident des Kunstsenats, zitierte in seiner Begrüßung aus der Jury-Begründung: “Ihre Arbeiten haben im Kontext der feministischen Kunst eine ikonische Wirkung entfaltet. Durch ihre Kunst hat sie den Spielraum weiblicher Selbstbestimmung entschieden erweitert.” Bertlmanns Arbeit sei “schonungslos und drastisch, aber nicht ohne Komik”.

“In der Geschichte der Kunst fungierte die Frau meist als Projektionsfläche männlicher Blicke und Fantasien. Es war erst in den 1970er-Jahren, als Frauen begannen, kraftvolle, aufbegehrende Gegenentwürfe zu kreieren und eine Bildsprache selbstbewusster feministischer Identität zu schaffen”, warf auch Kulturminister Drozda einen Blick zurück. “Dass Renate Bertlmann darin erfolgreich ist, liegt auch an der modernen Auseinandersetzung mit klassischen Themen des Menschseins – und das in ihrer eigenen ironischen, witzigen Art. Es war daher nur folgerichtig, dass der Kunstsenat sie für den Großen Österreichischen Staatspreis vorgeschlagen hat.”

Renate Bertlmann wurde am 28. Februar 1943 in Wien geboren und studierte an der Akademie der bildenden Künste sowie in Oxford. Mehr als ein Jahrzehnt war sie auch als Lehrbeauftragte tätig. Schon früh widmete sie sich feministischen Themen und beteiligte sich an unterschiedlichen Projekten. In ihrer Arbeit setzt sie sich nicht zuletzt in teils ironischer Weise mit dem Phallus auseinander und übt damit Kritik am Patriarchat. Ihre Werke waren in den vergangenen Jahren u.a. in New York, London und Südkorea zu sehen. Zuletzt war sie Teil der Gruppenausstellung “Woman” zur Feministischen Avantgarde aus der Sammlung Verbund, die im Wiener mumok gezeigt wurde.

Der Große Österreichische Staatspreis ist die höchste Auszeichnung, die die Republik Österreich für besonders hervorragende Leistungen verleiht. Er ist derzeit mit 30.000 Euro dotiert. Der aus 21 Mitgliedern bestehende Österreichische Kunstsenat nominiert dafür jährlich eine Persönlichkeit ohne festgelegtes Rotationsprinzip aus den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Literatur oder Musik für den Staatspreis. Im Bereich Bildende Kunst wurden zuletzt 2009 Brigitte Kowanz und 2013 Erwin Wurm ausgezeichnet, im Vorjahr erhielt der Autor Gerhard Roth den Preis.

Von: apa