Radiologie-Studie des Bozner Krankenhauses veröffentlicht

Ötzi hatte gleich drei Verkalkungen im Herzbereich

Montag, 28. Mai 2018 | 15:55 Uhr

Ötzi, der Mann aus dem Eis, hatte gleich drei Verkalkungen im Herzbereich. Dies ist eines der Ergebnisse einer Radiologie-Studie am Bozner Krankenhaus, die in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift “RöFo – Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen”* publiziert wurde. Daneben wies die Gletschermumie auch Verkalkungen im Bereich der Halsschlagader und an den Arterien der Schädelbasis auf.

Die gemessene koronare Kalklast sei mit der eines 40- bis 50-Jährigen hellhäutigen Mannes aus heutiger Zeit vergleichbar, hieß es. Da Ötzi keine überwiegend sitzende Lebensweise führte, schlussfolgern die Autoren, Patrizia Pernter, Beatrice Pedrinolla und der ehemalige Primar der Röntgenabteilung im Krankenhaus Bozen, Paul Gostner, dass die genetische Anlage ein wichtiger Auslöser für Arteriosklerose sei.

Wegen der markanten Armhaltung Ötzis (die Gletschermumie streckt den linken Arm weg, Anm.) sei es bis zum Jahr 2013 nicht möglich gewesen, eine durchgehende computertomografische Aufnahme zu erstellen. Erst dann konnte Ötzi im Bozner Krankenhaus mit einem neuen CT-Gerät mit einer größeren Untersuchungsöffnung gescannt werden. Dabei entstanden zum ersten Mal Bilder von Ötzis gesamter Brustregion, deren Analyse sowohl die Verkalkungen im Brustbereich als auch jene im Bereich der Halsschlagader und der Arterien der Schädelbasis zutage förderte.

“Ist Kalk vorhanden, heißt das, dass arteriosklerotische Plaques vorhanden sind. Würde man die Verkalkungen auf das Herz eines Lebenden übertragen, so würde der bei Ötzi gemessene Wert dem eines circa 45-jährigen Mannes mit heller Hautfarbe entsprechen”, erklärt Patrizia Pernter. Der Nachweis von Verkalkungen im CT werde quantitativ mit einem Mess-System angegeben, das auf der Dichte und auf dem Volumen der Verkalkungen beruhe, hieß es. Dabei ließen sich Unterschiede zwischen Ethnien, Geschlecht und Alter feststellen. Für Ötzi wurden die Vergleichswerte der Kaukasier (also hellhäutiger Menschen) herangezogen.

2012 wurde das Genom des Mannes aus dem Eis veröffentlicht und bei ihm eine genetische Anlage für kardiovaskuläre Erkrankungen festgestellt. Für Pernter stehe deshalb fest, dass die Mumie Ötzi nicht nur eine der ältesten nachgewiesenen Fälle für Gefäßverkalkungen ist, sondern auch “ein medizinisches Beispiel dafür, dass eine genetische Disposition der vermutlich wichtigste auslösende Faktor für Arterio- und Koronarsklerose ist.”

Von: apa

Bezirk: Bozen