Der Mann aus dem Eis wurde ermordet

“Ötzi” vor 25 Jahren in den Ötztaler Alpen entdeckt

Montag, 19. September 2016 | 17:19 Uhr

Einen heimtückischen Mord und Kontakte zu Mittelitalien: Das hat die neueste Forschung über die weltbekannte Gletschermumie “Ötzi” zutage gebracht. Insgesamt 47 neue Erkenntnisse aus der Forschung rund um die Gletscherleiche sollen bis Mittwoch beim “3rd Bolzano Mummy Congress” anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Fundes präsentiert werden, hieß es bei einer Pressekonferenz am Montag in Bozen.

Vor genau 25 Jahren wurde der Mann aus dem Eis im Südtiroler Teil der Ötztaler Alpen entdeckt. Das Jubiläum wird in Bozen mit einer dreitätigen Fachtagung begangen. Die signifikantesten Forschungsergebnisse wurden am Montag der Öffentlichkeit vorgestellt.

Unter anderem habe sich herausgestellt, dass das Kupfer, aus dem Ötzis Beil hergestellt wurde, aus Mittelitalien stammt. Die Entnahme einer kleinen Probe und der Vergleich mit Kupfer aus verschiedenen Vorkommen zeigt, dass es aus dem Raum der Süd-Toskana stammt. Bisher war vermutet worden, dass das Erz aus Erzvorkommen in Nord- oder Osttirol kommen könnte.

Diese nun erfolgte Herkunftsbestimmung werfe zahlreiche Fragen nach Handelsverbindungen, kulturellen Kontakten sowie möglichen Populationswanderungen zwischen dem Süden und dem Alpenraum auf, so die Experten. Auf jeden Fall sollen diese Aspekte in nächster Zeit näher beleuchtet werden, hieß es.

Eine erste Vermutung, wonach Ötzi in die Kupferproduktion involviert gewesen sein könnte, habe widerlegt werden können. Genauere Untersuchungen der Arsen- und Kupferbelastung hätten zwar eine höhere Belastung in den Haaren bestätigt, im Hauptgewebe und in den Fingernägeln ist, den neuen Untersuchungen zufolge, die Arsenbelastung aber sehr gering.

Der aus Österreich stammende und an der Londoner Royal Holloway University forschende Wolfgang Müller geht eher davon aus, dass es zu einer Veränderung nach Ötzis Tod gekommen sei. Dies würde die Feststellung nahelegen, dass die Belastung nur an der Oberfläche der Haare zu finden ist, erklärte der Wissenschafter.

Neue CT-Untersuchungen mit verbesserten Geräten zeigen zudem, dass Ötzi unter Gefäßverkalkung vor allem im Bereich der Koronararterien litt. Dies sei vor allem deshalb interessant, erklärte der Radiologe Paul Gostner, da man bisher immer vermutet hatte, dass Naturvölker kein Risiko in Bezug auf Herzkreislauferkrankungen hätten. Dem sei aber offenbar nicht so. Bei Ötzi scheine dies genetisch bedingt zu sein, erklärte Gostner.

In einer interdisziplinären Arbeit wurde auch die Tatsituation ermittelt, die zum Tod Ötzis geführt haben könnte. Wie Hauptkommissar Alexander Horn von der Kriminalpolizei München erklärte, könne man von einem “heimtückischen Mord” ausgehen. Auch die erneute Überprüfung der medizinischen Informationen würden nahelegen, dass die im Körper gefundene Pfeilspitze zu starken inneren Blutungen geführt haben dürfte. Dadurch sei Ötzi gestürzt und habe sich den Kopf angeschlagen. Am Ende sei er dann wohl erfroren.

Horn zeigte sich davon überzeugt, dass Ötzi nicht auf der Flucht war. Das lege der Umstand nahe, dass er eine Pause mit einer ausgiebigen Mahlzeit eingelegt habe. Der Schuss auf ihn sei dann aus größerer Distanz erfolgt. Das lasse vermuten, dass der Täter eine direkte Konfrontation vermeiden wollte und man den Mord deshalb durchaus als heimtückisch bezeichnen könne, erklärte der Kriminologe.

In Bezug auf das Tatmotiv wird vermutet, dass dieses in einer vorangegangenen Auseinandersetzung liegen könnte. Ötzi weist an einer Hand eine Abwehrverletzung auf, die mehrere Tage alt sein dürfte. Da zudem wertvolle Gegenstände, die Ötzi bei sich trug, nicht gestohlen wurden, liege wohl eher eine persönliche Konfliktsituation der Tat zugrunde, erklärte Horn.

Die deutsche Bergsteiger, Erika und Helmut Simon, stießen am 19. September 1991 in 3.210 Metern Höhe am Tisenjoch auf die 5.300 Jahre alte Leiche aus der Jungsteinzeit. Zum Jubiläum veranstaltet das Südtiroler Archäologiemuseum gemeinsam mit dem “EURAC-Institut für Mumien und den Iceman” einen wissenschaftlichen Kongress. Beim “3rd Bolzano Mummy Congress” werden bis zum 21. September 25 Jahre Forschung über den Mann aus dem Eis und die neuesten Erkenntnisse vorgestellt.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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12 Kommentare auf "“Ötzi” vor 25 Jahren in den Ötztaler Alpen entdeckt"


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Missx
Grünschnabel
7 Tage 22 h

Und in den Geschichtsbüchern muss auch stehen, dass Reinhold Messner dafür gesorgt hat, dass Ötzi nach Südtirol kam.
Ironie off

tresel
Tratscher
7 Tage 15 h

@staenkerer Hauspotschen 😆

Staenkerer
Superredner
7 Tage 18 h

@tresel
des wor koan wiederbelebungsversuch,
des wor billige rache 😡 gegn an vermeintlichen konkurent,weil der ötzi mit seine schlappn bold höher kemmen war ….😉!

tresel
Tratscher
7 Tage 20 h

und dass seine wiederbelebungsversuche mit den skisöcken nichts gebracht haben.

krakatau
Grünschnabel
7 Tage 20 h

Als Ötzi gefunden wurde begann ein unwürdiges und lächerliches Schauspiel. Erst musste man die “Grenze” neu vermessen um festzustellen in welchem Land Ötzi lag. Die Finder des Ötzi die Familie Simon aus Nürnberg wurde in eine Justizposse von Anwälten gedrängt an deren Ende einzig die Anwälte  “verdienten” 

Staenkerer
Superredner
7 Tage 18 h

du u. wellen@ hob schun recht, ob. den leichenfund hobn se jo auf olle fälle meldn gemiet, niemand dorf a leiche oanfoch lei liegnlossn u. ignoriern!
das des a “sensationsfund” wor, wor jo nit augenscheinlich!
der durni wollte jo bold danoch eppas zohln ob. sell wor ihnen zuwenig, desholb de longen anwaltsverhondlungen!

sepp2
Grünschnabel
7 Tage 19 h

das ist einfach nur Leichenschändung

alla Vagga
Grünschnabel
7 Tage 14 h

jo des isch lamma Leichnschendung…

materecclesiae
Grünschnabel
7 Tage 9 h

Also keine Skelette mehr ausstellen, keine Naturkundemuseen mehr und Austellungen wie Body World schließen ?

wellen
Grünschnabel
7 Tage 21 h

Und im Millionengeschäft Ötzi hat man die Finder ganz mies behandelt und sich bis heute nicht um eine Würdigung bemüht!

lumpi
Neuling
7 Tage 19 h

Da bewahrheitet sich der Spruch ” Das Leben nach dem Tod “. De solln auhearn an ihm ummerzuexperimentiern,es koschtet lei viel Geld, obr Südtirol hots jo. – Inser Steuergeld.

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