Der Bolero-Effekt

Rizzo lässt Publikum zu Rhythmen von DJ Simone Bertuzzi tanzen

Donnerstag, 23. Juli 2015 | 17:21 Uhr

Bozen – Das 31. Ausgabe des Festivals Tanz Bozen neigt sich dem Ende, am vorletzten Abend wird das Publikum eingeladen noch einmal im Studio Theater zu tanzen. Cristina Rizzo zeigt am 23. Juli ihr jüngstes Werk BoleroEffect (Rapsodia_The long version), ein Techno-Duett mit der Tänzerin Annamaria Ajmone. Auf der Bühne gibt der DJ Simone Bertuzzi aka Palm Wine den Beat. Nach der Aufführung ist das Publikum eingeladen im Studiotheater zu tanzen. Termin ist der 24. Juli um 21.00 Uhr im Studio – Stadttheater.

BoleroEffect (Rapsodia_The long version) ist die jüngste Arbeit der aus Florenz stammenden Choreografin Cristina Rizzo. Sie gründet auf Überlegungen zu einer der bekanntesten und beliebtesten Orchesterpartituren, dem Boléro von Ravel. Das Musikstück wird jedoch nicht während der Aufführung, sondern nur zu Beginn zu hören sein, und bildet den Auftakt für sich wiederholende Bewegungen, Turbulenzen, Exaltiertheit, die an Paroxysmus grenzt. Zur Klangbearbeitung und den Djing Sound von Simone Bertuzzi präsentiert Cristina Rizzo mit Annamaria Ajmone ihren Rave auf der Bühne. Die Bewegungen der beiden Tänzerinnen wirken zunehmend ungestüm und unkontrolliert. Die Körper zelebrieren Ruhelosigkeit, Wiederholung, Expansion, Gleichzeitigkeit. Unablässig lassen sich die beiden Tänzerinnen, deren Wesen und Körperbau absichtlich so unterschiedlichen sind, vom Rhythmus mitreißen – Ajmone ist leidenschaftlich, Rizzo behält einen paroxysmalen „Aplomb“ bei. Die Bewegungen der Arme erinnern an große Kreise und Wellen, sie tanzen ausschließlich in Ballettschuhen, kreisen und bewegen das Becken in jede nur mögliche Richtung, bemächtigen sich des Raumes. Eine nur scheinbare Rhapsodie (die Choreografie ist sicherlich nicht frei von Zwängen, ist sie doch bis ins kleinste Detail ausgearbeitet), in der der Zwang aufgehoben und das Pulsieren der Musik um sich greift. Allein die kleinen Elefanten auf ihren T-Shirts verweisen auf eine Unschuld, die durch die Wirkung des Boleros für eine Stunde aufgehoben wird und in eine kollektive Begeisterung in der allen zugänglichen Dance Hall zum DJ Mix mündet, der die Aufführung begleitet.

Cristina Rizzo ist als Tänzerin, Performerin und Choreografin vorwiegend in Florenz tätig. Ihre Ausbildung erhielt sie in der Martha Graham School of Contemporary Dance, außerdem studierte sie bei Merce Cunningham und Trisha Brown. Nach ihrer Rückkehr in Italien arbeitet sie unter anderem für das Teatro Valdoca, für Roberto Castello, Stoa/Claudia Castellucci, Mk, Virgilio Sieni, Santasangre. Sie ist Mitbegründerin des Tanzensembles Kinkaleri, in dem sie bis 2007 aktiv mitwirkt, und hat sich in der internationalen zeitgenössischen Szene einen Namen gemacht, wie die zahlreichen Auszeichnungen, unter anderem Premio Lo Straniero und Premio Ubu, belegen. Im Jahre 2008 beginnt sie allein zu produzieren und mit Choreografien zu experimentieren. Und wendet sich über theoretische Überlegungen einem dynamischen, ausdrucksstarken Tanz zu. Ihr erstes Projekt ist Dance n.3, in dem sie in einer Choreografie von Eszter Salamon, Michele Di Stefano und Matteo Levaggi auf der Bühne steht.

In dieser ersten Phase konzentriert sie sich auf die Notwendigkeit, den Akt der Schaffung selbst zu regenerieren; zwischen 2010 und 2011 produziert sie verschiedene Choreografien, die man zwischen Performance, Tanz und visueller Kunst ansiedeln kann (Ahah, Waudeville, das Solo Voice Over co-realisiert mit der Choreografin Ezster Salamon; das Duett Micro danze con un cane addestrato).

In der darauffolgenden Produktion, einer choreografischen Studie, möchte sie zu Überlegungen zur Gegenwart anregen und die westliche Kultur den Ballettklassikern gegenüberstellen. 2012 debütiert Invisible piece, ein Solo zum Der sterbende Schwan; 2013 La Sagra della primavera a Las Vegas, Solo-Interpretation des Sacre du printemps von Stravinski, 2014 ihr neues Stück zum Boléro von Ravel. Tempesta /The Spirits für 6 Tänzerinnen und Tänzer von Aterballetto und Orpheus und Eurydike von Gluck (Regie von Denis Krief) für Maggio Musicale Fiorentino.

www.tanzbozen.it

Kommende Veranstaltungen

Samstag, 25. Juli

21.00 Uhr | Stadttheater – Großer Saal
Rocío Molina & Rosario „La Tremendita“
Afectos

Ab 22. Uhr | Vor dem Stadttheater
Silent Disco
Mara Cassiani

Von: ©mk

Bezirk: Bozen