Koloman Moser auf Porträtfotografie (um 1903)

Schau zu “Universalkünstler” Koloman Moser im MAK

Dienstag, 18. Dezember 2018 | 13:50 Uhr

Es ist beileibe nicht die erste Ausstellung zu Koloman Moser, die das Wiener MAK nun dem Jahresregenten widmet. Aber es ist eine besonders intensive Auseinandersetzung, wenn man auf den “Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann” trifft: Mehr als 500 Exponate illustrieren das Werk Mosers, der “wie kein anderer für das Gesamtkunstwerk steht”, so Direktor Christoph Thun-Hohenstein.

Dabei beginnt der Rundgang in der MAK-Ausstellungshalle mit einem feinen Kniff: Objekte des Historismus begrüßen den Betrachter und geben einen Eindruck vom gesellschaftlich-künstlerischen Kontext, dem sich Moser (1868-1918) als junger Mann und aufstrebender Künstler ausgesetzt sah. “Es ist ein Versuch, die Sicht auf die Wiener Moderne zu korrigieren”, betonte Gastkurator Christian Witt-Dörring beim Presserundgang am Dienstag, werde doch oft von einem Bruch mit den herrschenden Verhältnissen gesprochen.

Dabei habe Tradition eine wesentliche Rolle für Moser, Hoffmann und Co gespielt. “Die Künstleravantgarde jener Zeit schließt bewusst an die Qualität der Generation davor an”, so Witt-Dörring. Angesichts der drohenden Kommerzialisierung des Historismus habe man versucht, dem entgegenzuwirken. “Es ging um eine Tradition im Sinne davon, die Qualität am Leben zu halten.” Etwas, was natürlich Moser gelungen ist: Während seiner Ausbildung arbeitete er als Illustrator, um sich das Studium zu finanzieren, später gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Secession. Seine Fokussierung auf die Malerei wich sukzessive einem gesamthaften Ansatz, womit er sich von der Fläche in den Raum bewegte.

“Moser setzt sich mit sämtlichen Aspekten des täglichen Lebens auseinander”, erläuterte Witt-Dörring. Trinkgefäße, Textilien und Mode, Einrichtungsgegenstände: Umfang- und detailreich wird in der Schau, für die auch Kuratorin Elisabeth Schmuttermeier verantwortlich zeichnete, die große Bandbreite des Künstlers vor Augen geführt. Wobei nicht nur seine zentralen Arbeiten illustriert werden, sondern der Blick tiefer geht. Auf unzähligen A-Ständern sind es Skizzen und Entwürfe in unterschiedlichsten Stadien, die seine Vorgehensweise und Entwicklung verdeutlichen. “So schaffen wir die Atmosphäre eines Künstlerstudios, eines Labors”, meinte Witt-Dörring.

In weiteren Kapiteln – fünf Hauptbereiche gliedern den chronologisch angeordneten Rundgang, der an der Innenseite der Ausstellungshalle von einer Zeitleiste mit den wichtigsten Stationen, Fotos und Faksimiles begleitet wird – begegnet man den von Moser, Hoffmann und dem Industriellen Fritz Waerndorfer gegründeten Wiener Werkstätten, macht aber schließlich auch Mosers Abkehr davon mit. So wird der Bogen geschlagen zu seinen frühen Tagen, stand am Ende von Mosers Karriere doch wieder die Malerei im Zentrum seiner Aufmerksamkeit – unter anderem auch aufgrund seiner Arbeiten für die Kirche am Steinhof, entwarf er für den Otto-Wagner-Bau doch etliche Glasfenster.

Immer wieder macht die offen gestaltete Ausstellungsarchitektur Lust, zur Seite zu treten, andere Blickwinkel auf die unzähligen Exponate einzunehmen. Zu einem Gutteil aus Sammlungen des Hauses bestückt, sind es auch etliche Arbeiten von Wegbegleitern und Vorreitern, die ergänzend gesetzt sind. “Er hat sich immer das Gute von den anderen geholt”, meinte Schmuttermeier, die sich seit mehr als 30 Jahren mit der Wiener Werkstätte beschäftigt. “Und ich kann nicht sagen warum, aber Moser war mir immer der Liebste”, fand sie doch besonders an seinem “freien, malerischen” Zugang Gefallen.

Wagners Einfluss, Mosers Einsatz für ein Vereinsorgan der Secession, seine Ausarbeitung einer “künstlerischen Schrift”, der Umgang mit den Materialien: Es sind zahlreiche Aspekte, die im MAK zutage treten, den Betrachter durch die kluge Setzung aber nicht überfordernd. Wer noch tiefer eintauchen möchte, kann sich im Theatermuseum der parallel laufenden Schau zu Mosers Bühnenarbeiten widmen. Die MAK-Präsentation, die ab dem morgigen Mittwoch bis Ende April zu sehen ist, wird wiederum ab Mai 2019 im Museum Villa Stuck in München Station machen. Wohl ganz im Sinne Thun-Hohensteins, befand der MAK-Direktor doch: “Moser muss noch viel mehr in die Welt getragen werden.”grh

Von: apa