"Hier lebte und starb ein Mensch, der uns einen Spiegel vor Augen hält"

Seliger Heinrich von Bozen: Eucharistiefeier mit Bischof Muser

Donnerstag, 11. Juni 2015 | 11:56 Uhr

Bozen – Der selige Heinrich von Bozen ist der Stadtpatron von Bozen und Patron der Messnergemeinschaft. Heuer gedenkt man des 700. Todstages des Seligen. 1869 wurde am Heinrichshof, wo man die Geburtsstätte Heinrichs vermutet, ein Kirchlein zu seiner Ehre errichtet. Bischof Ivo Muser hat dort gestern Eucharistie gefeiert.

Das Leben des seligen Heinrich ist weder aufregend noch spektakulär. Er wurde um 1250 als Sohn armer Eltern in Bozen geboren und soll sein Leben lang Analphabet geblieben sein. Er arbeitete als Tagelöhner und Holzfäller, war verheiratet und hatte einen Sohn mit Namen Lorenz. Mit etwa 30 Jahren verließ er Bozen und übersiedelte nach Treviso. Nach dem Tode seiner Ehefrau blieb Heinrich endgültig in Treviso.

Wegen seiner Frömmigkeit erregte Heinrich die Aufmerksamkeit der ganzen Stadt. Man hielt ihn für einen Heiligen. Als er aus Altersgründen nicht mehr arbeiten konnte, ging er betteln. Einsam, wie er gelebt hatte, starb er in seiner Behausung am 10. Juni 1315. An seiner Beerdigung beteiligte sich eine große Volksmenge. „Die Menschen hatten verstanden: Hier lebte und starb ein Mensch, der uns einen Spiegel vor Augen hält“, so Bischof Ivo Muser in seiner Predigt, in der er gemeinsam mit den Mitfeiernden mit dem Blick auf das Leben des seligen Heinrich in diesen „Spiegel“ blickte.

„Bozen hat einen Patron, der so ganz und gar nicht zu Bozen passt: Einen Tagelöhner, der es wirtschaftlich zu nichts gebracht hat“, so Bischof Muser, der darauf aufmerksam machte, dass das Sein wichtiger als das Haben ist.

Dann blickte der Bischof auf den seligen Heinrich, der am Ende seines Lebens zum Bettler wurde. „Es stimmt: Bettler sind unbequem; sie stören das Stadtbild; sie sind lästig, manchmal auch aufdringlich“, so der Bischof, der die Frage stellte: „Wollen wir eine störungsfreie, konsumentenfreundliche, saubere und gesäuberte Stadt und Gesellschaft nach außen hin sein, oder eine menschliche Gesellschaft, die sich von der Not, vom Anderssein der Anderen, von unbequemen Fragen und Zuständen belästigen und stören lässt?“

Ein dritter Gedanke, den Bischof Muser zum 700. Todestag des Seligen ansprach, war dessen Frömmigkeit. „Frömmigkeit ist keine gelegentliche Stichflamme, sie zeigt sich in der Treue und ist Ausdruck einer Beziehung“, so der Bischof, der dazu ermutigte, im je eigenen Leben Gott jenen Platz zu geben, der nur ihm zusteht.

Es stimmt, das Leben des seligen Heinrich ist weder aufregend noch spektakulär – doch inhaltsreich und herausfordernd für Menschen, denen die Nachfolge Christi und die Solidarität mit dem Nächsten wichtig sind.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen