Auch Partnerschaft mit dem International Mountain Summit im Programm

Sonderausstellung Pharmaziemuseum Brixen “Eisenhut und Edelweiß”

Sonntag, 13. September 2015 | 20:04 Uhr

Brixen – Seit Sommerbeginn zeigt das Pharmaziemuseum Brixen eine attraktive Sonderausstellung über die Giftpflanzen und Heilkräuter der heimischen Berge mit dem Titel „Eisenhut und Edelweiß“.

Am Freitag, 18. September 2015 um 18 Uhr findet im Pharmaziemuseum Brixen die offizielle Eröffnung der Ausstellung statt. Die Veranstaltung ist Auftakt einer erstmaligen Zusammenarbeit zwischen Kiku.International Mountain Summit IMS, Alpenverein Südtirol AVS und Pharmaziemuseum Brixen PMB.

Das Pharmaziemuseum Brixen hat ganzjährig geöffnet, jeweils am Dienstag und Mittwoch von 14 – 18 Uhr und samstags von 11 – 16 Uhr.

Anlässlich des International Mountain Summit vom 13. bis 18. Oktober 2015 hält das Museum dienstags bis freitags jeweils von 14 – 18 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 11 – 16 Uhr offen.

Zusätzlich bietet das Museum am Samstag, 17.10.2015 um 18 und 24 Uhr eine abendliche bzw. nächtliche Lesung an in deutscher Sprache mit Peter Weiss, er ist künstlerischer Sprecher beim Bayerischen Rundfunk. Zur Ausstellung passend, geht es um „Giftmorde“ in der Literatur – Spannung, Kribbeln und Gruseln garantiert inbegriffen!

www.pharmaziemuseum.it

www.facebook.com/museofar

Pharmaziemuseum Brixen Sonderausstellung 2015/2016

Zusätzlich zur üblichen Ausstellungstätigkeit stehen im Pharmaziemuseum Brixen für das Jahr 2015 zwei große Veranstaltungen an, die beide kurz hintereinander im Oktober stattfinden: Die Partnerschaft mit dem International Mountain Summit vom 13. bis 18.10. 2015 und die Ausrichtung der Jahrestagung für die Arbeitsgemeinschaft „Pharmaziehistorische Museen und Sammlungen“ vom 23. bis 25.10. 2015. Dazu kommen etwa siebzig Teilnehmern/innen nach Brixen – aus allen deutschsprachigen Ländern und heuer erstmalig auch eine Gruppe aus dem restlichen Italien.

Diesen beiden Fixpunkten entsprechend, hat sich der Museumsverein recipe! entschlossen, die Sonderausstellung des Jahres 2015/2016 einem für Südtirol und seine Bergwelt typischen Thema zu widmen – den im Gebirge heimischen Gift- und Heilpflanzen. In einer früheren Umfrage bei den Besuchern/innen der „Langen Nacht der Museen“ standen diese beiden Pflanzengruppen auf der Wunschliste ebenfalls ganz oben.

Der erste Teil der Sonderausstellung beginnt bereits im Frühsommer 2015 und widmet sich den giftigen Pflanzen. Leitobjekt ist der blaue Eisenhut „Aconitum napellus“, der früher häufig als Arzneipflanze verwendet wurde und heute als giftigstes Gewächs Europas gilt. Tatsächlich verhalten sich Gift- und Heilwirkung oft wie zwei Seiten einer Medaille und der berühmte Arzt Paracelsus stellte schon vor 500 Jahren fest, dass alles nur von der richtigen Dosierung abhänge. Wegen ihrer starken Wirksamkeit befinden sich alle Objekte dieses Ausstellungsprojektes sicher aufbewahrt hinter Glas.

Ganz anders Teil zwei der Ausstellung, der sich mit den aktuellen Arzneipflanzen der Berge befasst: Er ist zeitlich wie thematisch offen gestaltet und lädt die Besucher/innen zum Riechen, Fühlen und Schmecken ein. Umfang und Gestalt der Ausstellung wachsen mit dem Fortschreiten der Jahreszeit nach dem Prinzip „work in progress“. Als Titelpflanze dient das Edelweiß „Leontopodium nivale“, unbestrittenes Symbol der Bergwelt, Wahrzeichen der Alpen und vielleicht – moderne Arzneipflanze mit neu entdecktem Wirkstoff.

Blauer Eisenhut

(Aconitum napellus, Ranunculaceae)

Sagenhaft!?

Laut griechischer Mythologie entstand die Pflanze als Herakles den Höllenhund Kerberos beim Berg Akonitos aus der Unterwelt ans Licht zerrte und dieser dann Gift und Geifer auf die Erde spuckte.

Die starke Giftigkeit – verbunden mit einem qualvollen Todeskampf – prädestinierten den Eisenhut über viele Jahrhunderte als Mittel der Wahl für Giftmord und Todesstrafe. Zu den bekanntesten Opfern sollen der römische Kaiser Claudius, Papst Hadrian und der Prophet Mohammed zählen. Die Liste berühmter Betroffener ließe sich bis ins hohe Mittelalter fortsetzen.

In den Alpen wurde die Pflanze angeblich angesiedelt, um Wölfe zu vergiften und daher rühren einige ihrer volkstümlichen Bezeichnungen. Auch in Joane Rowlings „Harry Potter und der Stein der Weisen“ trägt der Eisenhut den Namen Wolfswurz.

Volkstümliche Namen:

Blauer Eisenhut, Echter Sturmhut, Mönchskappe, Venuskutsche, Wolfsmilch, Wolfswurz, Würgling, Ziegentod.

Vorkommen und Blütezeit:

Wächst an feuchten Stellen, Wegrändern und Bachufern vom höheren Mittelgebirge bis in die alpine Zone und blüht von Juni bis August. Trotz seiner Giftigkeit wird der Eisenhut oft auch in Gärten angepflanzt.

Giftige Pflanzenteile und Inhaltsstoffe:

Der blaue Eisenhut gilt als giftigste Pflanze Europas und enthält das Alkaloid Aconitin: 0,2 bis 1,2 % in den Blättern, 0,3 bis 2% in der Wurzelknolle. Im Winter ist der Wirkstoffgehalt der Knollen am höchsten.

Dem Aconitin ähnliche, aber weniger toxische Inhaltsstoffe finden sich auch im Garten-Rittersporn, der gern als Zierpflanze in Gärten vorkommt.

Verwechslungen:

Kommen am ehesten bei der Wurzel vor und zwar mit Meisterwurz oder Meerrettichwurzel!

Vergiftungssymptome und Therapie:

Die Einnahme führt innerhalb weniger Minuten zu Brennen und Kribbeln in Mund, Fingern und Zehen. Darauf folgen Schweißausbrüche, pelziges Gefühl und Frösteln bis zur „Eiseskälte“; später Erbrechen, Durchfall, Lähmungen und starke Schmerzen bei vollem Bewusstsein; Tod durch Atemlähmung und Herzversagen.

Das Alkaloid Aconitin wird auch über Schleimhäute und über die unverletzte Haut aufgenommen, z.B. wenn Kinder mit den schönen Blüten spielen. Bezogen auf den Wirkstoff Aconitin liegt die tödliche Dosis bei Erwachsenen zwischen 3 und 6 Milligramm, bei Kindern je nach Alter und Gewicht entsprechend niedriger. Wenige Gramm Pflanzenmaterial können deshalb bereits gefährliche Vergiftungen hervorrufen.

Bei Verdacht auf Akonit-Vergiftung sofort ins Krankenhaus mit Verständigung der nächstliegenden Giftzentrale; Erbrechen auslösen, Magenspülung und Kohle zum Absorbieren der Giftstoffe; es gibt kein wirkliches Gegenmittel (Antidotum) und die Prognose ist ernst.

Historische und aktuelle Verwendung:

Die Giftigkeit des Blauen Eisenhuts war schon in der Antike bekannt, angeblich soll der römische Geschichtsschreiber Plinius ihn bereits als „pflanzliches Arsen“ bezeichnet haben. Bis ins 16. Jahrhundert wurden Extrakte verschiedener Eisenhut-Arten als Pfeilgift verwendet und galten als sicheres Mittel für Giftmorde.

Im 18. Jahrhundert begann die arzneiliche Verwendung z.B. als Tinktur bei Husten und Herzproblemen. Weil Eisenhut-Zubereitungen nur eine geringe therapeutische Breite aufweisen und Vergiftungserscheinungen innerhalb normaler Dosierungen vorkommen können, sind Akonit-Präparate heute nicht mehr in Gebrauch.

Erhalten hat sich nur die homöopathische Anwendung bei Fieber und Nervenschmerzen speziell im Gesicht (Trigeminusneuralgien). Dabei liegen die Dosierungen im Bereich D 12 bis CH 30.

Von: ©ka