Der Portugiese Salvador Sobral erntete viel Lob und Applaus

Song Contest-Halbfinale mit Erwartbarem und Überraschungen

Mittwoch, 10. Mai 2017 | 00:03 Uhr

Österreichs Kandidat Nathan Trent kann sich derzeit noch ein wenig zurücklehnen, respektive weiterhin Zeit in die Promotion vor Ort in Kiew stecken. Indes hat sich am Dienstagabend die erste Hälfte der Teilnehmer um die zehn Tickets für das Finale am 13. Mai gebalgt – und auch wenn die großen Favoriten das Ringen gewonnen haben, gab es doch einige Überraschungen.

Zu einem der Topfavoriten auf den Sieg mauserte sich spätestens mit seinem Halbfinaleinsatz der Portugiese Salvador Sobral. Mit seinem vollkommen reduziert dargebotenen Fado “Amor pelos dois” hat sich der Spross einer Adelsfamilie in die vorderen Ränge der Beliebtheit gesungen. Und auch der schwedische Dressman Robin Bengtsson konnte sich erwartungsgemäß mit seiner durchgestylten Popnummer “I Can’t Go On” ins Finale hieven.

Mittlerweile auch schon ein Fixstarter ist dort Australien bei seinem mittlerweile dritten Antreten. Nachdem Österreich Down Under für den Wien-ESC 2015 als einmalige Aktion einlud, erneuerten Schweden und nun die Ukraine die Wildcard. Diesmal konnte sich der erst 17-jährige Aborigine Isaiah – erstmals in seinem Leben in Europa – mit der Liebeshymne “Don’t Come Easy” und seinem Schmachtblick qualifizieren.

Die Belgierin Blanche hat mit “City Lights” zwar eine der anspruchsvollsten Elektronummern im Tournament und trotz ihrer ebenfalls erst 17 Jahre eine rauchig-androgyne Stimme. Das Bühnencharisma der jungen Sängerin ist allerdings noch ausbaubar, reichte aber dennoch für den Aufstieg. Für Armenien hat sich der monatelange Vorauswahlprozess gelohnt, aus dem Artsvik mit “Fly With Me” als Siegerin hervorging. Die Ethno-Elektro-Mischung hat nun durchaus Chancen auf höhere Plätze im Finale.

Ein Bühnenoutfit im Stile eines Brautkleids zu wählen, fiel heuer zwar vielen Kandidatinnen ein, bei den Zuschauern aber weniger auf Gegenliebe. Albaniens Lindita Halimi riss sich bei ihrer Nummer “World” den Brautschleier zwar alsbald vom Kopf, was aber ebenso wenig zum Finaleinzug reichte wie das deutlich mehr als die Beine freilegende Outfit von Svala aus Island, die mit ihrer Dokumentennummer “Paper” scheiterte. Einzig das Bühnenkleid von Polens Kasia Mos könnte man trotz hohem Beinausschnitt als Brautkleid durchgehen lassen. Hier entschieden sich die Zuschauer und Jurys überraschend für ein Go von “Flashlight”.

Als härtere Nummer konnte die Musikerin Dihaj mit “Skeletons” den Erfolgslauf von Aserbaidschan beim ESC mit einem Finalticket ebenso fortsetzen wie Griechenlands Vertreterin Demy, die sich statt mit Sirtaki-Anklängen mit der Europopnummer “This Is Love” einen Platz sicherte. Und Zyperns Hovig Demirjian setzte bei seiner vom schwedischen Erfolgskomponisten Thomas G:son geschriebenen Nummer “Gravity” auf LED-Blöcke im Hintergrund – was ebenfalls zum Ticket reichte. Komplettiert wird die Aufstiegsrunde vom moldawischen Trio SunStroke Project, das sich mit seiner Sax-Retronummer “Hey, Mamma!” durchsetzte.

Georgiens Kandidatin Tamara Gachechiladze gelang mit ihrer James-Bond-Nummer “Keep The Faith”, die sie alleine auf der Bühne – abgesehen von zahlreichen Feuerwerfern – darbot, hingegen kein Aufstieg, was für viele überraschend auch für die wohl melancholischste Nummer im heurigen Feld, Norma Johns “Blackbird”, galt, die Finnland keinen Platz für den 13. Mai sicherte. Montenegros Slavko Kalezic konnte sich trotz eineinhalb Meter langen Pferdeschwanzes am Kopf und zielgruppenspezifischem Tanz mit seinem “Space” ebenfalls nicht qualifizieren, was für Tschechiens Martina Barta im Goldstrampler ebenso galt wie Lettlands Truppe Triana Park, die mit “Line” zwar Raveatmosphäre in die Halle brachten, mit dem Nina-Hagen-Outfit aber nicht genügend Stimmen auf sich vereinten. Und schließlich führte auch der Weg von Sloweniens Teilnehmer Omar Naber mit “On My Way” nicht ins Finale.

Ansonsten brachte nach allen Finanz- und Organisationsquerelen im Vorfeld der ukrainische Ausrichtersender UA:PBC eine gelungene erste ESC-Show auf die Bühne. Aus Humorperspektive stand das erstmals rein maskuline Moderatorentrio Timur Miroshnychenko, Volodymyr Ostapchuk und Oleksandr Skichko bei seinem ersten Einsatz den Vorjahren zwar deutlich nach. Allerdings hatten Schwedens Komikkönigin Petra Mede und Vorjahressieger Mans Zelmerlöw 2016 in Stockholm auch eine steile Vorlage geliefert. Und so orientierten sich die drei eher an der charmant-altmodischen Rolle eines Showgastgebers denn am Rollenbild des Komikers.

Vollkommen überzeugen konnte bei ihrem ersten Einsatz die heurige Bühne, für die Florian Wieder verantwortlich zeichnete, der einst auch in Wien die Stage gestaltete. Weit in die Halle auskragende, geschwungene Formen vermitteln einen weichen, plastischen Eindruck, der sich live in der Halle noch besser vermittelt als am Fernseher. Zugleich zeigt sich die kleinere Halle als in den Vorjahren – das International Exhibition Center fasst in ESC-Ausstattung nicht mehr als 8.000 Zuschauer – durchaus als song-contest-tauglich. Vollbesetzt war das Messezentrum abseits der Innenstadt zum 1. Halbfinale allerdings noch nicht.

Von: apa