Neue Ausstellung in der Festung Franzensfeste

„Spuren der Erinnerung“

Samstag, 11. Juni 2022 | 22:05 Uhr

Franzensfeste – Welche Spuren haben die Soldaten in der Festung Franzensfeste hinterlassen? Damit beschäftigen sich Petra Polli und Werner Gasser in ihrer Ausstellung „Spuren der Erinnerung“. Heute wurde sie präsentiert.

Zeichnungen, Kritzeleien, Ziffern, Strichlisten, einzelne Buchstaben, Symbole an den abblätternden Wänden, eingeritzt in die roten Ziegel oder eingraviert in Stein – überall finden sich Spuren in der fast zweihundertjährigen Festung Franzensfeste. Größtenteils stammen sie von ehemaligen Soldaten, die hier Wochen und Monate verbrachten, ihren innigsten Wünschen Ausdruck verliehen und geheime Botschaften verewigten. Aus Langeweile, Angst oder Sehnsucht? Was wollen diese Spuren sagen? Wie kann man sie lesen, verstehen oder gar deuten?

„Spuren der Erinnerung“

Mit diesem Thema auseinandergesetzt haben sich in den vergangenen Monaten Petra Polli (geboren in Bozen, lebt und arbeitet in Bozen und Leipzig) und Werner Gasser (geboren in Meran, lebt und arbeitet in Meran und Berlin). Ihre dazu entstandenen Werke und bereits bestehende Arbeiten, die sie im Kontext der Festung neu interpretieren, zeigen sie nun in der Sonderausstellung „Spuren der Erinnerung“.

© Ivo Corrà

Petra Polli greift das Thema bereits seit ihrem Studium auf: Sie sammelt Spuren aus der Graffitikunst, fotografiert und interpretiert sie neu. Und sie spielt auch bewusst mit den geheimen Botschaften und der Ästhetik der Graffitis und entwickelt daraus ihre eigene Bildsprache und Ausdrucksform. In der Ausstellung in der Festung zu sehen ist etwa das Werk „Nolpdjlsiho/Klimagipfel“, bei dem sie einen Begriff mit Hilfe einer antiken Verschlüsselungsmethode entschlüsselt und diesen in Beton gießt. In Vorbereitung der Ausstellung beschäftigte sich die Künstlerin auch mit den sichtbaren und den vermeintlich unsichtbaren Spuren des Alltags: So verarbeitete sie beispielsweise mit Hilfe einer Fahrrad-App die täglichen Arbeitswege der Festungs-Mitarbeitenden und macht diese in „Virtuelle Spuren“ in mehreren Lichtinstallationen sichtbar. In „Gelebte Spuren“ hingegen flößt sie bereits entsorgten Gegenständen neue Strahlkraft ein, indem sie ihre ursprünglichen Ge- und Verbrauchsspuren mit Lack verdeckt.

„Spuren der Erinnerung“

Werner Gasser hingegen, der sich meistens mit seiner Kamera auf Spurensuche begibt, hat für die Ausstellung in der Franzensfeste einen anderen Weg gewählt: Inspiriert von Daniel Liebeskind – von ihm stammt der Umbau des Jüdischen Museums Berlin – setzte er sich mit den historisch aufgeladenen Mauern und Räumen der Festung auseinander, indem er nach persönlichen Spuren und Erinnerungen aus seinem Leben und künstlerischen Werdegang suchte. Der Faktor Zeit, ihr Fortschreiten und die damit einhergehenden Veränderungen, Spuren, die sich als Erinnerung von Momentaufnahmen sichtbar in Materie einschreiben, spielen in seinen Arbeiten eine besondere Rolle. Klar wird das bei seiner über mehrere Räume angelegten Installation aus weißem Puder (wer die Tür öffnet, wird von einer Duftwolke eingenommen). Wie werden sich die Oberflächen in den kommenden Wochen während der Ausstellung verändern? Momentaufnahmen vom Hier und Jetzt, das sichtbar machen von Spuren, eingeprägten Erinnerungen und menschlichen Schicksalen ziehen sich als weitere Themen durch die hier ausgestellten Werke.

© Ivo Corrà

Die Ausstellung ist bis Ende Oktober 2022 für die Besuchenden zugänglich. Vorgestellt wurde sie heute von Esther Erlacher, der Koordinatorin der Festung Franzensfeste, Heinrich Schwazer, Kulturjournalist der Südtiroler Tageszeitung, der Künstlerin Petra Polli und dem Künstler Werner Gasser.

Von: ka

Bezirk: Eisacktal

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz