Netrebko enttäuschte die Erwartungen nicht

Standing Ovations für Netrebko und Eyvazov in Grafenegg

Montag, 31. August 2020 | 08:50 Uhr

Der Auftritt von Anna Netrebko und Yusif Eyvazov am Sonntagabend war wohl einer der vorprogrammierten Höhepunkte beim diesjährigen Grafenegg Festival. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht, der Abend im Wolkenturm mit populären Arien und Duetten endete erwartungsgemäß mit Standing Ovations für das Traumpaar der Opernszene.

Dabei waren die Vorzeichen gar nicht so günstig gewesen: Tagsüber hatte es stark geregnet, die Generalprobe musste im Auditorium abgehalten werden, das Konzert begann mit halbstündiger Verspätung. Doch Petrus erwies sich gnädig und zögerte auch den angesagten Sturm hinaus, so dass bei der einleitenden “Nabucco”-Ouvertüre bereits alles eitel Wonne war. Die Wiener Symphoniker unter Leitung der italienischen Dirigentin Speranza Scappucci betätigten sich als versiertes Bühnenorchester und trugen auch zwei Intermezzi (aus “Manon Lescaut” und – besonders schön – aus “Cavalleria rusticana”) bei. Allgemein war das Klangbild eher auf passablen Breitwand-Sound eingestellt.

Als die ersten Takte von “Tu che le vanità” aus “Don Carlo” erklingen, ist von einer Solistin weit und breit noch nichts zu sehen. Doch dann kommt sie aus dem Hintergrund, jeder Zoll Primadonna assoluta, in Weiß und Gold gehüllt, wendet sich zunächst dem Orchester und dann langsam dem Publikum zu. Souverän und mit ebenso kraftvoller wie wohldosierter Energie beeindrucken auch die Mond-Arie aus “Rusalka” und “Vissi d’arte” aus “Tosca”. Kein Zweifel: Netrebko ist stimmlich und charismatisch in ausgezeichneter Verfassung.

Eyvazov hält sich wacker und meistert die Romanze des Alvaro aus “La forza del destino”, die Arie des Turiddu “Mamma, quel vino e generoso” (einige Tage vorher hat sie Piotr Beczala in Grafenegg gesungen) und Cavaradossis “E lucevan le stelle”. Am hinreißendsten aber gelingen die Duette: das neapolitanische Lied “Non ti scordar di me” von Ernesto de Curtis und “Vogliatemi bene” aus “Madama Butterfly”. Da überträgt sich Eyvazovs spürbare Freude, gemeinsam mit Anna zu singen, zeitweise auf das enthusiasmierte Publikum, gewinnt der durchprofessionalisierte Auftritt sympathisch persönliche Züge. Und offenbar fühlten sich die beiden in Grafenegg wohl, denn – anders als jüngst in Salzburg – gab es sogar noch eine gemeinsame Zugabe.

Von: apa

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