Intendantin Elisabeth Sobotka präsentierte das Programm

Starke Frauen im Zentrum der 73. Bregenzer Festspiele

Donnerstag, 16. November 2017 | 13:30 Uhr

Zwei Frauenfiguren stehen im kommenden Sommer im Zentrum der 73. Bregenzer Festspiele. Das Festival eröffnet am 18. Juli mit der österreichischen Erstaufführung von “Beatrice Cenci” von Berthold Goldschmidt, tags darauf gibt es ein Wiedersehen mit Bizets “Carmen” auf dem See. Insgesamt sind für die 80 Veranstaltungen bis 19. August 224.000 Tickets aufgelegt.

“Es ändert sich immer was, das ist das Wunder Theater”, so die Bregenzer Festspielintendantin Elisabeth Sobotka bei der alljährlichen Programmpräsentation über die Reprise von “Carmen”. In dem von Es Devlin gestalteten Bühnenbild, das man sich nun übrigens auch mit Online-Röntgenblick ansehen kann, wird wieder Kaspar Holten Regie führen. Auch die Carmen-Besetzung ist unverändert. Neu ist Dirigent Antonino Fogliani. Wegen der großen Nachfrage haben die Festspiele bereits zwei Zusatzvorstellungen für “Carmen” angesetzt. 40 Prozent der Tickets seien schon gebucht. Der Vorverkauf für die 28 Abende liege etwa auf Vorjahresniveau. Für eine Wiederaufnahme sei das ein guter Wert, so der kaufmännische Direktor Michael Diem. Man schaffe es, auch opernferne Schichten zu erreichen.

Alle Musiktheaterproduktionen 2018 drehten sich um “Frauen, die Machtverhältnissen gegenüberstehen, die sie selbst nicht aufbrechen können”, erklärte Sobotka. Die Hausoper “Beatrice Cenci” fußt auf wahren Begebenheiten in der Renaissance und handelt von zwei Frauen, die in Machtkämpfen zwischen dem Patriarchen ihrer Familie und dem Vatikan zerrieben werden – “ein unglaublich packender, fast glühender Stoff”, so Sobotka. Das 1949/1950 komponierte Werk des vor den Nazis geflohenen Hamburgers Berthold Goldschmidt wurde 1988 in London uraufgeführt. Die österreichische Erstaufführung erlebt das Werk in Bregenz in der Regie von Johannes Erath, für den das Faszinierende des Werks am Beieinanderliegen von Grausamem und Zerbrechlichem liegt. “Schon die Ouvertüre hat eine Wahnsinnswucht”, so der Regisseur.

Eine Premiere in vielerlei Hinsicht ist 2018 das Stück auf der Werkstattbühne. “Das Jagdgewehr” basiert auf dem 1949 erschienenen Buch des Japaners Yasushi Inoue und ist eine Auftragskomposition des Tirolers Thomas Larcher, der damit seine erste Oper vorlegt. Für die Regie der Uraufführung zeichnet Karl Markovics verantwortlich, der erstmals eine Oper inszenieren wird. “Ich konnte mir nicht vorstellen, wie aus so etwas eine Oper wird. Das ist ein Abenteuer, auf das ich mich gemeinsam mit Thomas Larcher gern einlassen möchte”, erklärte der Neo-Opernregisseur. Die Briefnovelle sei nicht von westlichen Vorstellungen geprägt, “kleine Regungen sind schon Stürme”. “Wahnsinnig glücklich” ist Markovics mit der Besetzung, der unter anderen Mark Padmore und Andre Schuen angehören.

Einem zeitgenössischen Stoff widmet sich auch das Gastspiel des Grazer Schauspielhauses, “Böhm” von Paulus Hochgatterer. Darin beschäftigt sich Puppenbauer und Regisseur Nikolaus Habjan mit dem Dirigenten und NS-Sympathisanten Karl Böhm, der den Festspielen eng verbunden war. Dabei werde die Frage gestellt, was man als Künstler für sein Weiterkommen tun dürfe, so Intendantin Sobotka.

Im Opernstudio übernimmt Brigitte Fassbaender 2018 neben dem Gesangsunterricht auch die Inszenierung. Gegeben wird auf der Bühne des Kornmarktheaters Rossinis “Der Barbier von Sevilla”. In das noch namenlose Stück des Opernateliers von Alexander Moosbrugger, das im Sommer 2020 seine Uraufführung feiern soll, erhält das Publikum im April im Kunsthaus Bregenz einen kleinen Einblick. Die Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker und des Symphonieorchesters warten unter anderen mit Beethoven, Britten, Dvorak, Martinu, Ravel und Strauss auf.

Festspielpräsident Hans-Peter Metzler betonte, die Bregenzer Festspiele seien “in sehr gutem Zustand”. Dank der guten Resonanz sei wieder ein breites Programm möglich. Revolutionen wolle man keine, es gehe vielmehr um eine Weiterentwicklung des Bregenzer Konzepts. So wolle man etwa zur Weiterentwicklung des Musiktheaters beitragen, man habe keinen musealen Zugang. “Wobei: Es gibt nichts Altes, wenn man sich damit beschäftigt, wenn sich die richtigen Menschen damit beschäftigen”, so der Präsident.

Von: apa