"Ganz großer Schubert" - dirigiert von Thielemann

Thielemanns doppelt großer Schubert bei Osterfestspielen

Dienstag, 16. April 2019 | 10:45 Uhr

Die “Große C-Dur-Symphonie” D 944 von Franz Schubert gehört zu den Standardwerken der Konzert-Literatur, dementsprechend oft bekommt man sie zu hören. Was die Sächsische Staatskapelle Dresden und ihr Dirigent Christian Thielemann bei den Osterfestspielen Salzburg am Montagabend im Großen Festspielhaus aus diesem Werk aber an Neuem herausgeholt haben, war umwerfend. Ganz großer Schubert.

Jubel und Begeisterung sind für Thielemann und das Dresdner Festspiel-Orchester zwar fast schon normal, aber in diesem Fall gibt es ein paar besonders triftige Gründe. In diesem Schubert erblühte das Biedermeier. Die im Wesen schlichten, zugleich raffiniert gesetzten, immer aber tief empfundenen Themen und Motive bekamen in Thielemanns Stabführung endlich einmal genug Luft zum Atmen.

Die kompositorischen Teile wurden in Ruhe fertig gespielt und geschmackvoll mit der nächsten klingenden Traumsequenz verknüpft. Anstatt der sonst oft üblichen Tempobolzerei gab es hier eher langsame Tempi und liebevolle Zurückhaltung statt der scheinbar naheliegenden Klangwucht. Damit haben die Musiker dieser Musik duftige Eleganz und fast kammermusikalische Privatheit verliehen. Das ermöglichte einen neuen, großartigen Zugang zu diesem orchestralen Startschuss der Romantik.

Vor der Pause wurde Carl Maria von Webers “Jubel-Ouvertüre” op. 59 gegeben und – für viele wohl zentrales Kartenkauf-Argument – das “e-Moll- Violinkonzert” von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Immerhin war mit Frank Peter Zimmermann auch einer der prominentesten Solisten des gegenwärtigen Konzertbetriebes angesagt.

Aber Zimmermann – der brillante Alleskönner – schüttelte dieses beliebte Geigenstück allzu lässig aus dem Ärmel. Rasende Tempi und drängende Virtuosität wirkten auch ein wenig schlampig. Die süffisant verschmierten Glissandi klangen eher hingefetzt als empfunden. Der Meistervirtuose Zimmermann hat sich an diesem Abend selbst dargestellt. Mendelssohns Geigenmusik war dabei nur austauschbare Vorlage.

Von: apa