Tagung

Tiere und Pflanzen in Südtirol: Naturmuseums zeigt Stand der Forschung

Montag, 12. September 2022 | 16:52 Uhr

Bozen – Über 30 Forscherinnen und Forscher vorwiegend aus Südtirol, dem restlichen Italien und Österreich erforschten die Südtiroler Tier- und Pflanzenwelt in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz, aus Österreich, Deutschland, Holland, England, Finnland und Tschechien, aber auch aus Kanada, Brasilien und Ghana. Die Ergebnisse dieser Arbeiten werden am 16. September bei einer vom Naturmuseum organisierten Tagung in Bozen vorgestellt.

In Südtirol leben nach heutigem Kenntnisstand über 25.000 heimische Tier-, Pflanzen und Pilzarten. Welche davon ziehen derzeit die meiste Aufmerksamkeit von Forscherinnen und Forschern auf sich? Um die interessantesten Forschungsprojekte zu zoologischen, botanischen und ökologischen Themen, die in Südtirol durchgeführt wurden oder einen Bezug zu Südtirol haben, geht es bei der Tagung „Zoologische und botanische Forschung in Südtirol“. Forscherinnen und Forscher, die in Universitäten, Museen und anderen Forschungseinrichtungen im In- und Ausland arbeiten, haben daran gearbeitet. 30 davon präsentieren die jüngsten Forschungsergebnisse bei der Tagung der Öffentlichkeit. Sie findet am kommenden Freitag, 16. September im Kolpinghaus in Bozen statt, wird vom Naturmuseum Südtirol alle zwei Jahre organisiert und tagt heuer zum zwölften Mal.

Eines der Projekte betrifft die 26 Fledermausarten in Südtirol, die allesamt geschützt sind, da sie sich im Rückgang befinden und wichtige Dienste für den Menschen leisten, z. B. bei der Schädlingsbekämpfung. Die Studie, während der drei Jahre lang Laute der Fledermäuse mit Ultraschalldetektoren aufgenommen wurden, soll dazu beitragen, die Landschaftspflege für diese Arten zu verbessern. “Die Ergebnisse zeigen, dass die Fledermausvielfalt in einem Mosaik verschiedener Lebensräume größer ist”, erklärt Chiara Paniccia, Forscherin von Eurac Research. “Außerdem begünstigen natürliche Strukturelemente wie Baumreihen und Hecken mehr Fledermausarten, insbesondere in landwirtschaftlichen Gebieten. Wir haben die meisten Arten in der Nähe von Wasserquellen und Weinbergen gefunden, während bewohnte Gebiete häufiger von einigen Arten aufgesucht werden, die sich an das Zusammenleben mit dem Menschen angepasst haben.”

Auch die Fichtenborkenkäfer in Südtirol sind Gegenstand eines Forschungsprojekts. Ein Team der Freien Universität Bozen, der Universität Innsbruck und des Landesamtes für Forstplanung analysierte dabei im Labor und im Freien bei Mauls im Wipptal, wie sich diese Tiere in unterschiedlichen Holzhaufen verhalten. „Wir haben sechs reine Fichten-Holzhaufen und sechs Fichten- und Kiefer-Holzhaufen aufgestellt und beobachtet, dass der Befall in den gemischten Holzhaufen deutlich geringer ist,“ erklärt Forscherin Cinthia Sieder der Freien Universität Bozen. Nach weiteren Untersuchungen im Labor konnte sie zudem unterschiedliche Emissionen der Bäume vor und nach dem Befall des Käfers feststellen sowie analysieren, wie Borkenkäfer von essentiellen Kiefer- und Fichtenölen abgeneigt sind bzw. angezogen werden.

In einem weiteren Projekt befassten sich Forschende der Bozner Sektion des zooprophylaktischen Instituts von Venetien über drei Jahre lang mit dem Fuchsbandwurm in Südtirol: Dabei analysierten sie die Anwesenheit dieses Bandwurms beim Rotfuchs und erstmals parallel dazu auch die Rolle der Zwischenwirte, sprich kleine Nagetiere, in denen der Bandwurm im Larvenstadium lebt. „Wir stellten dabei fest, dass der Bandwurm in Füchsen in einigen Gebieten viel stärker vorhanden ist, als erwartet,“ resümiert eine der beteiligten Forscherinnen, Giulia Bertone, „dies sollte nicht unterschätzt und weiter erforscht werden.“

Vorgestellt werden bei der Tagung auch Forschungsprojekte über Vögel, Heuschrecken, Schmetterlinge, Pflanzenläuse, Fische, Schlangen, Insekten, Spinnen, wirbellose Tiere, Nagetiere, Baumwanzen, Bienen, Baumschläfer, Studien zu den Folgen des Windwurfs im Herbst 2018 auf bestimmte Pflanzen, zur Waldstruktur und -entwicklung in Südtirol, zu Obstwiesen, zu Kräuteranbau und zur Biodiversität in Kräuteranbaubetrieben.

Die Tagung findet im Bozner Kolpinghaus von 8.00 bis 12.50 Uhr und von 14.00 bis 19.00 Uhr statt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung unter dem Link https://www.natura.museum/de/tagung2022/ ist bis Donnerstag um 12.00 Uhr notwendig. Die Tagungssprachen sind Deutsch, Italienisch oder Englisch (ohne Simultanübersetzung).

Von: mk

Bezirk: Bozen

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