Tiroler Ferdinandeum thematisiert Mechanismen des Vergessens

Terminkalendereinträge von Alt-LH Durnwalder im Museum

Donnerstag, 12. Dezember 2019 | 12:35 Uhr

Innsbruck – Das Haupthaus der Tiroler Landesmuseen, das Ferdinandeum, widmet sich in der Ausstellung “Vergessen – Fragmente der Erinnerung” den Mechanismen des Vergessens. Als primärer architektonischer Impuls dienen dabei 9.000 kunstvoll gestapelte Archivschachteln, die von zahlreichen Bildern, Objekten und Textplakaten gesäumt werden. Eröffnet wird die Ausstellung am heutigen Donnerstag.

Es ist insgesamt eine Ausstellung, die gut in die heutige Zeit passt. “Jahrhundertelang hat der Mensch für das Nicht-Vergessen gekämpft, heute kämpfen wir um das Recht auf Vergessen”, strich der neue Direktor der Tiroler Landesmuseen, Peter Assmann, gleich eingangs am Donnerstag bei einer Presseführung durch die Ausstellung hervor. Man sei gegenwärtig von einer Informationsflut umgeben, intime Daten und Handlungen des Menschen würden zudem oft ungewollt archiviert, ergänzte er.

In der Ausstellung selbst findet man jedoch keine Antworten oder Lösungsvorschläge in Bezug auf diese Problematik. Vielmehr begegnen einem neben der eindrucksvollen Archivschachtelflut vielfältige künstlerische Positionen zu Fragen des Vergessens und des Erinnerns. Eine solche Position ist etwa das Werk “Selbstauslöschung durch Malerei” von Timm Ulrichs. Auf den zwei Ebenen der Ausstellung stößt man komplementär dazu zudem auf gerahmte Texte, unter anderem von Christoph W. Bauer, Erich Fried oder Ilse Aichinger. Auch die chaotisch anmutenden Terminkalendereinträge des ehemaligen Südtiroler Landeshauptmanns Luis Durnwalder finden im Erdgeschoß eine museale Verwendung.

Dieses Objekt bleibt nicht der einzige etwas skurrile Gegenstand der Ausstellung. Man wird darüber hinaus mit einem mit Tinte gefluteten Glastisch, einem alten Bügeleisen, historischen Computern und ebensolchen Speichermedien konfrontiert.

Weniger spielerisch und damit deutlich ernster mutet ein Brief an, der 1944 geschrieben wurde und wegen des Todes des Empfängers niemals zugestellt werden konnte. “‘Niemals Vergessen’ ist ein Thema das wir in dieser Ausstellung natürlich nicht ausklammern wollten”, betonte dazu der Kurator der Ausstellung Roland Sila.

Die von Assmann kritisch analysierte digitale Gegenwart klammert man ebenfalls nicht aus. Bei gleich zwei von drei digitalen Installationen dürfen sich Ausstellungsbesucher mit Tablet bewaffnet am virtuellen Monument- und Denkmalbau versuchen und damit eigene Spuren in der Ausstellung hinterlassen.

Von: apa

Bezirk: Bozen