"Landkrimis" und "Stadtkomödien"

“Unglaubliche Geschichten”: Im ORF wird wieder ermittelt und gelacht

Montag, 26. November 2018 | 18:58 Uhr

“Neues aus Stadt und Land” heißt es ab 12. Dezember im ORF: Dann stehen nämlich weitere “Landkrimis” und “Stadtkomödien” auf dem Programm. “Dieses Land kann unglaubliche Geschichten erzählen”, zeigte sich ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner bei der Präsentation am Montag angetan von den fünf Filmen und blickte gleichzeitig in die Zukunft. “Ich habe große Lust, diesen Reigen weiterzuerzählen.”

Vier Jahre ist es mittlerweile her, dass mit “Die Frau mit dem Schuh” der erste ORF-“Landkrimi” über die Bildschirme flimmerte. Und die regionale Kost hat es dem Publikum ganz offenbar angetan, gab es seitdem zwischen Vorarlberg und Burgenland doch nicht nur allerlei Mordfälle zu lösen, sondern wurde die Bandbreite auch erweitert. In den “Stadtkomödien” wird gerne gelacht, und das sogar im Kino, wie “Harri Pinter, Drecksau” im Vorjahr höchst erfolgreich unter Beweis stellte. Nun darf Juergen Maurer als liebenswerter Macho mit KAC-Vergangenheit im Fernsehen seinen ganz eigenen Charme versprühen.

“Das Buch ist nicht deppert”, lachte Maurer im Gespräch mit Journalisten über die Geschichte, die ihm Stefan Hafner und Thomas Weingartner auf den Leib geschrieben haben. “Es ist eine Coming-of-Age-Komödie mit einem 50-Jährigen, der versucht, seiner Pubertät zu entrinnen.” Intellektuell unterfordernd sei es daher keineswegs, wenn der Klagenfurter Harri Pinter, Ex-Eishockeyspieler und nunmehriger U12-Trainer sowie Fahrlehrer, plötzlich von seiner Lebensgefährtin verlassen wird. “Dieser Kampf wird in aller Unschuld geführt.” Dabei werde seiner Figur “ein bisserl der Boden unter den Füßen weggezogen”. Wie er damit zurecht kommt, ist am 29. Dezember zu sehen.

“Geschenkt” (22. Dezember) wird auch Thomas Stipsits in der gleichnamigen Komödie nichts: Basierend auf dem Roman von Daniel Glattauer, gibt er den frustrierten und zum Alkoholismus neigenden Journalisten Gerold Plassek, der in St. Pölten einen 14-jährigen “WG-Kollegen” hat und beruflich mit einer mysteriösen Spendenserie in Berührung kommt. Der Autor zeigte sich vom Endergebnis angetan. “Ich wäre nicht hier”, lachte Glattauer auf die entsprechende Frage. “Natürlich mag ich den Stoff, aber ich finde, es ist wirklich gut übersetzt. Jeder will ja, dass seine Bücher verfilmt werden, aber kaum jemand ist mit dem Produkt wirklich glücklich.” Der Erstling von Regisseur Daniel Prochaska punktet allen voran mit viel Gespür fürs richtige Timing und allerlei skurrilen Einfällen.

Geradliniger ist da hingegen der Auftakt zum Regionalfilmreigen angelegt: Die “Achterbahn” (12. Dezember), auf die Drehbuchautor Rupert Henning und Regisseur Wolfgang Murnberger ihren Hauptdarsteller schicken, hat es wirklich in sich. Als korrupter Wiener Polizist, dem plötzlich sein Sohn vor die Tür gesetzt wird, ist Tobias Moretti gerne mürrisch und zupackend, weiß aber auch mit Zwischentönen zu überzeugen. Für Murnberger ist die Vater-Sohn-Beziehung abseits der im Rotlichtmilieu und organisierten Verbrechen angesiedelten Handlung essenziell, gehe es doch um die Frage, “wie man dem Stoff eine emotionale Ebene geben kann. Nur Schießerei bringt es auch nicht. Es war spannend, ihm dieses Kind hinzustellen, das er nicht will. Es gibt ja Eltern, die einfach nicht können – und das muss man auch eingestehen.”

Gesellschaftlich höchst aktuelle Fragen behandelt das “Grenzland” (15. Jänner): Hierfür wurde das Mutter-Sohn-Gespann Brigitte und Marvin Kren als Hauptdarstellerin beziehungsweise Regisseur gewonnen, um ausgehend vom Mord an einem stummen Mädchen die Aufgeladenheit der Asyl- und Flüchtlingsdebatte vor Augen zu führen. “Sie ist ja eine sehr sympathische Person an sich, hat aber verquere, populistische Ansichten”, charakterisierte Brigitte Kren ihre Figur einer Oberinspektorin, die im Fall ermittelt und mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg hält. “Ich dachte mir anfangs: So eine blöde, rechtspopulistische Funsen. Die kann ich nie spielen!” Aber natürlich ist hier vieles nicht so, wie es zunächst den Anschein hat.

In Sachen Figurenentwicklung konnten sich Maria Hofstätter und Miriam Fussenegger austoben: Für das Duo ist “Der Tote im See” (19. Dezember) immerhin bereits der zweite Fall – oder genauer gesagt eine Fortführung der Ereignisse von “Der Tote am Teich” (2015). “Als es hieß, es soll weitergedreht werden, gab es von meiner Seite schon den Wunsch, dass man ein bisschen mehr Fleisch auf die Knochen bekommt”, so Hofstätter. “Im ersten Krimi waren wir ja rein die Ermittlerinnen, haben also einfach unseren Job gemacht. Diesmal haben wir mehr persönliche Geschichte bekommen.”

Gemein ist allen fünf Filmen jedenfalls das Bemühen, Lokalkolorit zu versprühen, ohne abgedroschene Klischees zu bedienen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei natürlich die Sprache, wie auch Zechner betonte. “Sprachfärbungen müssen nicht derbe Dialekte sein – obwohl sie es sein können. Sie sind aber die Musik des Landes. Jede Sprache hat ihre Melodie.” Bis nach Südtirol ging die filmische Reise bereits, und künftige Projekte könnten neuerlich die Grenze überschreiten, stellte die Programmdirektorin in Aussicht. “Vielleicht im Sinne von ‘Leben und Sterben am Balaton’.”

Überblick über die einzelnen Sendertermine:

REIHE        TITEL         SENDERTERMIN  REGIE         DARSTELLER   
Landkrimi    "Achterbahn"  12. Dezember, Wolfgang      Tobias       
(Wien)                     20.15 Uhr auf Murnberger    Moretti,     
                           ORF eins                    Christopher  
                                                       Schärf,      
                                                       Sandro Eder, 
                                                       Andreas Lust 
                                                       u.a.         
Landkrimi    "Der Tote im  19. Dezember, Nikolaus      Maria        
(Oberösterre See"          20.15 Uhr auf Leytner       Hofstätter,  
ich)                       ORF eins                    Miriam       
                                                       Fussenegger, 
                                                       Josef Hader, 
                                                       Erni Mangold 
                                                       u.a.         
Stadtkomödie "Geschenkt"   22. Dezember, Daniel        Thomas       
(St. Pölten)               20.15 Uhr auf Prochaska     Stipsits,    
                           ORF eins                    Tristan      
                                                       Göbel, Julia 
                                                       Koschitz,    
                                                       Gerhard      
                                                       Liebmann u.a.
Stadtkomödie "Harri        29. Dezember, Andreas       Juergen      
(Klagenfurt) Pinter,       20.15 Uhr auf Schmied       Maurer, Julia
             Drecksau"     ORF eins                    Cencig,      
                                                       Andreas Lust,
                                                       Hosea        
                                                       Ratschiller  
                                                       u.a.         
Landkrimi    "Grenzland"   15. Jänner,   Marvin Kren   Brigitte     
(Burgenland)               20.15 Uhr auf               Kren,        
                           ORF eins                    Christoph    
                                                       Krutzler,    
                                                       Andreas      
                                                       Kiendl,      
                                                       Martin Zauner
                                                       u.a.         

Von: apa

Bezirk: Bozen

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