Kanzlerin und Bundespräsidenten-Gattin bei der Eröffnung

Vienna Fashion Week eröffnet – “Kunst und Kulturgut”

Mittwoch, 11. September 2019 | 06:05 Uhr

Seit Montagabend zieht ein weißes Zelt beim Wiener Museumsquartier wieder viele Menschen an, denen Mode am Herzen liegt. Der Eröffnung der 11. Vienna Fashion Week wohnte “First Lady” Doris Schmidauer bei, die das Spektakel an der Seite von Kanzlerin Brigitte Bierlein mit viel Applaus bedachte. Bierlein betonte den künstlerischen und kulturellen Wert von Modedesign.

“Mode ist eine Form der Kommunikation für mich”, sagte Österreichs erste Bundeskanzlerin, die auch die Eröffnung als erste Person in diesem Amt vornahm. “Mode ist zweifellos auch Kunst und ein Kulturgut”, persönliches Stilmittel und “ein Spiegel der Gesellschaft”, meinte die Regierungschefin. In ihrer Ansprache verwies sie auf eine Stelle aus dem Text der Europahymne: “Was die Mode streng geteilt”, hat Friedrich Schiller in der “Ode an die Freude” gedichtet. “Das gehört zum Glück der Vergangenheit an”, sagte Bierlein. Die offene, freie Demokratie sei aber nicht selbstverständlich und müsse nötigenfalls auch verteidigt werden, warnte sie.

Mode, das sei mehr als “Marke, Stoff und Preis”, meinte die Kanzlerin: Gerade heute sollten Nachhaltigkeit und Produktionsbedingungen im Vordergrund stehen. Damit stieß sie ins gleiche Horn wie der Star des Eröffnungsabends, Marcel Ostertag. “Nachhaltigkeit, das war schon vor 13 Jahren in der Gründungsstunde meines Labels mein Ansatz”, sagte der deutsche Designer, der Auszüge aus zwei seiner Kollektionen auf den Laufsteg schickte. “Ich bin keiner, der auf diesen Zug aufspringt.” Sein Anliegen sei es zudem, Kleidungsstücke zu schaffen, die man immer wieder tragen, immer wieder entdecken könne und die dann “immer wieder zu Lieblingsstücken werden”.

In “Lovers”, seiner Frühjahr/Sommerkollektion 2020, wuchsen Womens- und Menswear zusammen, bilden in Materialien, Prints und Silhouetten eine Einheit. Die “Heroes” aus der Kollektion Herbst/Winter 2019 sind u.a. David Bowie, Grace Jones, Mikhail Baryshnikov und Alexander McQueen, die ihn alle beeinflusst haben.

Bis Sonntag stehen mehr als 70 Schauen auf dem Programm – einheimisches Design etwa der Labels Callisti, Pitour, Shakkei und Kayiko, die Designerinnen Anelia Peschev und Sabine Karner sowie Shows der drei Wiener Modeschulen Hetzendorf, Herbststraße und Michelbeuern. Dazu kommen ausländische Modemacher, ein Höhepunkt ist am Donnerstag mit der Thai Fashion Night angesetzt. Zudem gibt es Pop-up-Stores, modespezifische Veranstaltungen und Partys.

Geboren 1979 in Berchtesgaden, begann Marcel Ostertag als Fünfjähriger mit Ballett, ging ans Salzburger Landestheater und später für 13 Jahre an die Wiener Staatsoper. Verletzungsbedingt musste er mit dem Tanzen aufhören, besuchte kurz die Esmod Modeschule in München und machte seinen Abschluss am Londoner Saint Martins College. Am Beginn seiner Karriere stand eine Kooperation mit der Wiener Designerin Martina Rogy mit Geschäften namens Rogy & Ostertag in München und Wien (2008 geschlossen). Nunmehr arbeitet der Modeschöpfer von Berlin aus, fertigen lässt er im Osten Deutschlands. Bekanntheit erlangte er auch im TV (“All about you – das Fashion-Duell” mit Franziska Knuppe auf Pro7).

Von: apa

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