Naturmuseum stärkt Zusammenarbeit mit China

Vor 250 Millionen Jahren lagen China und Südtirol am Äquator

Freitag, 25. September 2015 | 17:08 Uhr

Bozen – Vor 250 Millionen Jahren lagen China und Südtirol am Äquator und – getrennt durch tausende von Kilometern Ozean – am Tethysmeer. Deshalb finden Wissenschaftler heute in den beiden Ländern ähnliche Fossilien, die durch eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Naturmuseum Südtirol und der Yunnan University in Kunming genauer erforscht werden sollen.

Südtirol und China haben auf dem ersten Blick nicht viel gemeinsam. In der Erforschung von fossilen Pflanzen aus der Zeit vor 250 Millionen Jahren beschäftigten sich Wissenschaftler in den vergangenen Jahren jedoch mit ähnlichen Funden: Die beiden Länder lagen damals in der Nähe des Äquators und an den beiden Ufern des Tethysmeeres.

Um diese Pflanzenfossilien genauer unter die Lupe zu nehmen, soll die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen den heute sehr unterschiedlichen Ländern gestärkt werden: Die Paläontologin am Naturmuseum Südtirol Evelyn Kustatscher ist daher derzeit an der Yunnan University in Kunming beim Professor für Paläontologie Zhou Feng zu Gast, um ihre Expertise einzubringen und die Funde der Dolomiten mit jenen ihrer chinesischen Kollegen zu vergleichen.

Bereits vor zwei Jahren waren chinesische Geologen im Rahmen eines Projektes zwischen Deutschland und China in Südtirol und besichtigten dabei unter anderem Fundstücke aus der Bletterbachschlucht und den Pragser Dolomiten. „Die damals initiierte internationale Zusammenarbeit wird nun fortgeführt", freut sich der Direktor des Naturmuseums Südtirol Vito Zingerle.

Kustatscher wird in den nächsten Tagen und Wochen in China gemeinsam mit Feng sowie seinen Studenten und Doktoranden an den chinesischen Fossilien arbeiten. „Besonders geht es in dem Projekt um die Erforschung der Fossilien in den Gesteinen vor und nach der Perm-Trias-Grenze", erklärt die Paläontologin. Der so genannte „Goldene Nagel" – der diesbezüglich wichtigste Aufschluss weltweit – liegt zwar in China, aber auch in den Dolomiten ist das größte Massensterben aller Zeiten gut dokumentiert.

In der letzten Woche ihres China-Aufenthaltes wird Kustatscher zudem an der Abschlussveranstaltung des deutsch-chinesischen Projektes teilnehmen. „Dabei wird es dann auch darum gehen, die Weichen für zukünftige internationale Projekte zu stellen", so die Südtiroler Paläontologin.

Weitere Informationen zum Naturmuseum Südtirol, Bindergasse 1, in Bozen gibt es unter der Telefonnummer 0471 412960 und im Internet unter www.naturmuseum.it.

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen