Zierhofer-Kin zeigte sich als Fan des Wienerlieds

Wiener Festwochen – Ein Hoch auf das Wienerlied

Dienstag, 08. Mai 2018 | 14:20 Uhr

Am Freitag starten die Wiener Festwochen in das zweite Jahr der Intendanz unter Tomas Zierhofer-Kin. Beim alljährlichen Eröffnungsfest am Rathausplatz lässt man heuer das Wienerlied bzw. dessen zeitgenössische Ausformungen hochleben. Mit dabei sind unter anderem Ernst Molden, Willi Resetarits, Der Nino aus Wien, Voodoo Jürgens und Gustav. Dazu gibt es Gedichte von Christine Nöstlinger.

Zierhofer-Kin zeigte sich bei der heutigen Programmpräsentation als Fan des Wienerlieds. Es gehöre zu dem Feld aus traditionellen Genres, “die man nicht den Reaktionären oder Rechten überlassen darf”, wobei der Chef Parallelen zu Neuinterpretation des amerikanischen Folks zog: “Auch dort hat man den Folk nicht dem rechten Pack überlassen.”

Der konzertante Startschuss am Freitag, der um 21.20 Uhr fällt, zeigt sich gewissermaßen als Querschnitt der großen Namen eines doch kleinen Musiksegments. Ernst Molden, der das Eröffnungsprogramm zusammengestellt hat, kündigte “Wienerische Lieder aus den letzten 100 Jahren” an und freute sich, dass man die “Suppe” ohne externe Vorgaben kochen habe dürfen: “Am Freitag wird sie serviert und wir hoffen, keiner speibt.”

Gut ein Dutzend Songs werden kredenzt, wobei die Künstler teils eigenes Liedgut, teils auch alte Klassiker zum Besten geben. Voodoo Jürgens etwa wird seinen Hit “Heite grob ma Tote aus” präsentieren, aber auch Wolfgang Ambros’ “Blume aus dem Gemeindebau” covern. Mira Lu Kovacs, bekannt von Schmieds Puls, und die Rapperin Esra Özmen alias EsRAP intonierten “Die Arbeiter von Wien”, Gustav und Resetarits erinnern an die “Proletenpassion”. Das “Praterlied” kommt von Nino aus Wien, Molden, Hannes Wirth und das “Quetschenquintett” (Molden) Alma besingen “St. Marx”. Dazwischen rezitieren das Schauspielerduo Gerald Votava und Ursula Strauss Mundartgedichte von Christine Nöstlinger.

ORF-TV-Kulturchef Martin Traxl sprach heute von “Blumen aus der Hauptstadt”, die man in die Bundesländer und das benachbarte Ausland schicken wolle. ORF 2 und 3sat übertragen die Open-Air-Event, das gratis besucht werden kann, live.

Der Intendant selbst gab sich heute auch “ein bisschen wehmütig” darüber, dass Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) mit 24. Mai seine Funktion niederlegt, und bedankte sich, “dass du wie ein Fels in der Brandung hinter mir und uns stehst nach diesem nicht einfachen Anfangsjahr”. Die ersten von Zierhofer-Kin kuratierten Festwochen waren im Vorjahr auf teils heftige Kritik gestoßen.

“Ja, es hat viel und heftige Kritik gegeben. Das ist in der Kunst so, und das ist auch gut so”, meinte der Stadtrat. Die Festwochen seien aber dazu da, um neue Dinge auszuprobieren und eventuell auch einmal zu scheitern. Er wisse das Festival “beim Herrn Intendanten” jedenfalls in guten Händen. Die 67. Wiener Festwochen bieten von Freitag bis 17. Juni an diversen Spielorten rund 30 Produktionen von Theater und Performance über Musik und Bildende Kunst bis zu Film und Medienkunst.

Von: apa