Akademie wählt Träger des Literaturnobelpreises

Wirtschaftsfahnder ermitteln gegen Schwedische Akademie

Freitag, 27. April 2018 | 15:17 Uhr

Die Schwedische Akademie, die unter anderem den Literaturnobelpreisträger bestimmt, steht wegen möglicher Wirtschaftsverbrechen im Fokus der Strafbehörden. Die Behörde für Wirtschaftsdelikte habe Untersuchungen eingeleitet, teilte Chefermittler Jan Tibbling am Freitag mit. Nähere Details nannte er unter Berufung auf Diskretionsregeln nicht.

Die Akademie wird derzeit von einem Belästigungs- und Korruptionsskandal erschüttert, in dessen Folge mehrere ihrer 18 Mitglieder zurücktraten. Im Zentrum steht das Komiteemitglied Katarina Frostenson. Der Dichterin werden Verstöße gegen Transparenzregeln vorgeworfen. Sie soll verschwiegen haben, Mitinhaberin einer von ihrem Mann geführten Veranstaltungsbühne zu sein, die einst Fördermittel von der Akademie erhalten hat. Ihrem Mann warfen mehrere Frauen sexuelle Belästigung vor. Wegen des Umgangs mit den Vorwürfen war ein tiefer Riss durch das Gremium gegangen. Im Zuge dieser Krise trat unter anderem die Vorsitzende der Akademie, Sara Danius, zurück.

Vor einer Woche hatten die Wirtschaftsfahnder den Erhalt von Dokumenten bestätigt, in denen die Akademie mitteilte, sich in einer Krise zu befinden. Demnach überprüft das Gremium derzeit seine Richtlinien für Interessenkonflikte und versprach mehr Transparenz.

Die Schwedische Akademie wählt seit 1901 den Träger des Literaturnobelpreises aus. Sieben Mal wurde die Auszeichnung seitdem nicht vergeben, zuletzt von 1940 bis 1943. Wegen der schweren Krise erwägt die Akademie Medienberichten zufolge, dieses Jahr keinen Literaturnobelpreis zu vergeben. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Von: APA/dpa