Zadie Smith erhielt 25.000 Euro

Zadie Smith erhielt Staatspreis für europäische Literatur

Freitag, 27. Juli 2018 | 18:50 Uhr

Die britische Autorin Zadie Smith hat am Freitag in der Stadt Salzburg den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2018 erhalten. Kulturminister Gernot Blümel und Landeshauptmann Wilfried Haslauer überreichten der 42-jährigen Schriftstellerin den mit 25.000 Euro dotierten Preis bei einem Festakt im Solitär der Universität Mozarteum Salzburg.

Der Preis wird jährlich für das literarische Gesamtwerk eines europäischen Autors verliehen, der international besondere Beachtung gefunden hat. Der Festakt findet traditionell am offiziellen Eröffnungstag der Salzburger Festspiele statt. “Smith besitzt das Herz einer großen Erzählerin”, betonte Juror Norbert Mayer heute in seiner Laudatio. Und Blümel meinte,”die Werke von Smith leisten einen wesentlichen Beitrag zu einem Gefühl der europäischen Identität”.

Die Jury hat ihre Entscheidung für die britische Autorin damit begründet, dass Smith seit ihrem Debüt “Zähne zeigen” (2000) sowohl “große Vielseitigkeit bewiesen” habe, als auch “ihrem Leitmotiv treu geblieben” sei: “Wie wichtig sind ethnische Herkunft und Hautfarbe im Europa des 21. Jahrhunderts? Wie schafft man es, das eigene Milieu zu verlassen, und ist das überhaupt ein erstrebenswertes Ziel? Woher stammen wir, und wie weit wird dadurch unser Lebensentwurf determiniert?”

In ihrer Dankesrede im Mozarteum sagte Smith, “mein Schreiben schildert das Lebbare”. Es sei klein, voller Anekdoten und Banalitäten, es lebe im Reich des Sozialen, “dieser unreinen, unvollkommenen Welt” und es hoffe, die Menschen aus einem System der absoluten Bilder heraus- und in die Realität zurückzuführen. “Nicht ‘die Muslimin’, sondern Alsana aus ‘Zähne zeigen’; nicht ‘der privilegierte Weiße’, sondern Howard aus ‘Von der Schönheit’, verwies Smith auf ihre Romanfiguren.

“Wenn ich schreibe, möchte ich Zugang finden zu den unausgesprochenen Gefühlen rund um das Andere und mich dadurch selbst aus ihren Fängen befreien, denn die wahre existenzielle Bedrohung ist aus meiner Sicht das Verinnerlichen des Unausgesprochenen.” Die mächtigste Waffe des Faschismus bestehe darin, dass er sich auf Gefühle berufe und die Behauptung aufstelle, “alle empfinden das so, aber nur wir trauen uns, es laut zu sagen”, so die Autorin. “Dabei ist das, was sich da getraut wird, nur ein ganz ursprünglicher Schrei: Blut, Boden, Heimat.”

Smith warnte vor Fremdenfeindlichkeit und sentimentalen Nationalismus. Sie plädierte für eine menschwürdige Integration “in unsere sozialen Realitäten”. Funktionierende Parallelgesellschaften von New York, wo ethnisch und kulturell eigenständige Viertel nebeneinander existierten, seien ein Beispiel für eine soziale Vereinbarung, die “natürlich nicht ohne Ärger und Probleme bleibt”. Trotzdem sei diese ein reales Beispiel für die einzigartige Flexibilität von Demokratien, “für die Art, wie sie Vielheiten in sich vereinen können – wenn auch nur unvollkommen”.

Geboren als Tochter eines englischen Vaters und einer jamaikanischen Mutter in London im Jahr 1975, studierte Smith Englisch in Cambridge und erlangte mit ihrem ersten Roman “Zähne zeigen”, der ein zeitgenössisches, multikulturelles London durch die Brille dreier ethnisch diverser Familien schildert, schnell internationale Beachtung – der Roman wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt und fürs Fernsehen adaptiert. Gefeiert wurden auch ihre Folgeromane, insbesondere “Von der Schönheit” (2005) und “London NW” (2012), das in jenem Londoner Viertel spielt, in dem Smith selbst aufgewachsen ist. Heute ist sie als Professorin der New York University sowohl in London, als auch im Big Apple zu Hause. Sie hat für ihre Bücher bereits zahlreiche Preise erhalten und neben fiktionalen Werken auch Essay-Sammlungen veröffentlicht.

Von: apa