Inga Humpe und Tommi Eckart teilen sich die 2raumwohnung

2raumwohnung zwischen “Nacht und Tag”

Donnerstag, 22. Juni 2017 | 10:16 Uhr

Das Duo 2raumwohnung wird zum 24-Stunden-Service. Mit ihrer neuen Platte wollen Inga Humpe und Tommi Eckart Musik für “Nacht und Tag” liefern. So ein Programm lässt sich nicht auf einem einfachen Album unterbringen. Dafür musste es schon ein doppeltes sein. Und das ist jetzt erschienen, gut vier Jahre nach dem Vorgänger.

Um 2000 in Berlin aus einem DJ-Team entstanden, sind 2raumwohnung mittlerweile Clubszene-Veteranen. Und für die beginnt der 24-Stunden-Rhythmus mit der Nacht. Deshalb sind auf dem ersten “Nacht”-Teil des neuen Album auch mehr dunklere Techno-Anklänge zu hören als auf der “Tag”-Hälfte. Denn von den zehn neuen Liedern gibt es jeweils eine Tag- und eine Nacht-Version.

Auf das Konzept kamen Humpe und Eckart durch eine Szene in einem Film, für den sie an der Musik arbeiteten. “Da ist dieser Wechsel innerhalb eines Liedes von einer Club-Stimmung – Nacht – zu einer die-Party-ist-over-aber-wir-bleiben-noch-zusammen-Stimmung – Tag – entstanden”, erklärt Humpe der dpa.

In der Musik wechselte dabei das Tempo, und aus Synthesizer und Beat wurden Gitarre und Percussion, wie Sängerin Humpe (61) sagt. “Und das war so überraschend und beide Versionen waren so gut, wir konnten uns nicht mehr für eine entscheiden.” Für den Film habe es zwar nicht mehr gepasst. Dafür sei die Idee für das Doppelalbum entstanden.

Seit Jahren stehen 2raumwohnung für deutschsprachigen Elektro-Pop, der mal mehr Richtung Techno geht, mal knapp am Schlager vorbeischrammt. Immer wieder landete das Duo Hits. Darunter vor allem Partynummern mit einprägsamen Zeilen wie “36 Grad” oder “Sexy Girl”.

Auch auf dem neuen Album sind Lieder mit entsprechendem Potenzial zu finden. Als neues “Ich und Elaine” kommt etwa “Ich bin die Bass Drum” daher. Humpe mischt in ihre neuen Texte zwar deutlich mehr Englisch. Den Mitsing-Faktor schränkt das aber kaum ein.

“Nacht und Tag” ist das mittlerweile achte Album des Duos, das auch privat ein Paar ist. “Solange wir an einem Album arbeiten, verstehen wir uns bestens. Wir brauchen uns ja auch gegenseitig dafür”, erklärt Eckert zur langjährigen Zusammenarbeit. Unstimmigkeiten entstünden eher in der Freizeit. “Da wir aber selten Freizeit nötig haben und Inga sowieso immer liest, wenn sie Zeit hat, kommt es auch dort kaum zu Streitereien.”

Aber ist wirklich alles Friede, Freude, Eierkuchen in der 2raumwohnung? Wenn Humpe nostalgisch singt “Wir dachten, Weltfrieden bahnt sich an” (“1993”) oder fragt “Was ist los mit der Welt, will sie untergehen?” (“Das Herz irrt nie”), scheint das Weltgeschehen auch Spuren bei der Guten-Laune-Musik des Duos zu hinterlassen.

“Die Hochzeiten der hedonistischen Club-Kultur sind schon lange vorbei”, erklärt Humpe dazu. Angesicht von Flucht und Despoten habe sich die Aussicht auf Weltfrieden auf null gesenkt. Dass der Wahnsinn sich so gewaltsam ausbreite, habe mit der Kombination aus Aggression und Hoffnungslosigkeit zu tun, sagt Humpe. “Dennoch schätzen wir die Gelegenheiten, ab und zu wenigstens, ein bisschen in der Clubkultur abzutauchen und dort unsere Freiräume hochleben zu lassen.”

Von: APA/dpa